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Wegen Corona: Gold-Hochzeit am Kottmar

Dass ein Ehepaar aus Berlin seinen 50. Hochzeitstag in Obercunnersdorf verbringt, liegt an der Pandemie. Es ist eine besondere Reise in die Vergangenheit.

Annerose und Michael Röber aus Berlin sind zu ihrer Goldenen Hochzeit in die Obercunnersdorfer Kirche gekommen. Mit dem Ort verbinden sie besondere Erinnerungen an ihre Hochzeitsreise.
Annerose und Michael Röber aus Berlin sind zu ihrer Goldenen Hochzeit in die Obercunnersdorfer Kirche gekommen. Mit dem Ort verbinden sie besondere Erinnerungen an ihre Hochzeitsreise. © Matthias Weber

Die Oberlausitz war nur die zweite Wahl. Aber was für eine! Michael Röber kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. "Die Gegend hat sich toll entwickelt." Vor allem Görlitz hat es ihm angetan. "Die Stadt ist wunderschön geworden." Dort ist der Berliner derzeit mit seiner Familie ein paar Tage auf Urlaub - einem ganz besonderen Urlaub. 

Mit seiner Frau Annerose, der Tochter, dem Sohn und dem Enkel hat er am Freitag einen Abstecher nach Obercunnersdorf gemacht. Es ist ein ganz besonderer Tag für die Röbers: Sie feiern ihren 50. Hochzeitstag. Und Obercunnersdorf spielt dabei eine ganz besondere Rolle: Vor genau 50 Jahren waren sie schon einmal hier, als frisch verheiratetes Ehepaar. Nachdem sie in Köthen geheiratet hatten - aus der Stadt in Sachsen-Anhalt stammt Annerose Röber -  ging es auf Hochzeitsreise nach Obercunnersdorf. 

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Auf Hochzeitsreise nach Obercunnersdorf? "Ja, wir sind ins Reisebüro in Köthen und da hat man uns das rausgesucht. Es musste ja auch günstig sein", erzählt Michael Röber. Er war damals noch Student und habe schließlich nicht viel Geld gehabt. "Wir kamen am 26. Juni 1970 gegen 22 Uhr mit dem Bummelzug am Bahnhof in Obercunnersdorf an", erinnert sich Röber. Damals fuhren ja noch Züge auf der Strecke. Den ersten Urlaub als Ehepaar verbrachten sie in der Ferienwohnung von Familie Böse. "Herr Böse war Schlossermeister im Ort", erzählt Michael Röber. Er gab dem armen Studenten Röber sogar 50 Mark, damit er mit seiner jungen Frau Ausflüge machen konnte. So waren sie im Zittauer Gebirge und in Görlitz. "Von meinem letzten Stipendium habe ich ihm das Geld zurückgeschickt. Kurze Zeit später ist er leider verstorben", erzählt Michael Röber.  

Eigentlich eine Kreuzfahrt geplant

Eigentlich sollte das Ehejubiläum nun ganz woanders gefeiert werden. Dass Röbers jetzt wieder in der Oberlausitz und in Obercunnersdorf gelandet sind, daran ist Corona "Schuld". Ursprünglich hatten sie eine Donau-Kreuzfahrt geplant und sollten am 26. Juni in Wien sein. "Dann hätte ich auf dem Schiff beim Captains-Dinner meiner Annerose ein paar schöne Worte gesagt und Blumen überreicht", erzählt Michael Röber von seinen Plänen. Doch wegen der Pandemie wurde die Schiffsreise abgesagt. 

Stattdessen schlug Röbers Tochter vor, doch mal nach Görlitz zu fahren. Sie hatte gehört, dass es dort sehr schön sein soll. "Da fiel mir Obercunnersdorf wieder ein", so Michael Röber. Und er plante einen Überraschungsbesuch in dem Ort, in dem er mit seiner Frau vor 50 Jahren die Hochzeitsreise verbrachte. Die Kirchgemeinde weihte er in seinen geheimen Plan ein und so durfte die Familie am Freitag in die Dorfkirche. Denn auch das Gotteshaus besuchten sie schon damals, vor 50 Jahren. Und da sang Michael Röber seiner frisch angetrauten Annerose mit der Gitarre ein selbst gedichtetes Lied. Auch heute noch, mit 73, gibt Michael Röber gerne den Entertainer. "Familienfeiern sind lustig bei uns, da singen wir meistens alle zusammen", erzählt der Sohn. 

Mit der Gitarre am Altar

Ein Ständchen gibt's am 50. Hochzeitstag in der Obercunnersdorfer Kirche nicht. Aber Michael Röber wäre nicht er selbst, wenn er nicht ein paar rührende Worte für seine Angetraute und die Familie parat hätte. Vor dem Altar mit angezündeten Kerzen überreicht er seiner Annerose einen Strauß gelber Rosen - so wie vor 50 Jahren. Damals hatte er eigentlich rote gewollt. "Aber man musste ja nehmen, was es gab und es gab eben nur gelbe." Jetzt spricht er über diesen besonderen Tag, über Demut und Dankbarkeit. Denn auch, wenn der Rentner aus Berlin vor Witz und Charme nur so sprüht - manchmal wird er auch nachdenklich. Gerade in dieser Zeit. 

Angesichts der Corona-Pandemie, die ja auch seine Pläne durchkreuzte, ist ihm eines ganz wichtig: "Uns geht es gut, das müssen wir uns bewusst machen. Deutschland ist ein tolles Land geworden. Wenn ich daran denke, wie Görlitz vor 50 Jahren ausgesehen hat!" Gerade der Osten der Republik sei in den letzten Jahrzehnten sehr schön geworden. "Unseren Kindern geht es besser, als uns früher." Es werde leider viel gejammert und gemeckert. 

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Michael Röber ist dankbar, dass er diesen besonderen Tag mit seiner Frau und den Kindern begehen kann. "Das ist nicht selbstverständlich." Auch seine Familie hat schon harte Schicksalsschläge einstecken müssen. Umso mehr freut er sich, dass er diese Reise mit seinen Lieben noch einmal machen konnte. Lebhaft erinnert er sich daran, wie er vor 50 Jahren mit der Gitarre vorm Altar in der Obercunnersdorfer Kirche stand und sein Lied sang. "Ich wollte meinen Kindern unbedingt diesen wundervollen Ort zeigen." 

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