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Ehrenamtliche wollen Asylbewerbern Deutsch lehren

Das Bündnis Buntes Radebeul will Sprachkurse für Asylbewerber veranstalten.

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Von Claudia Wittstock

„Deutsch lernen.“ Das bekam Anne Wenzel zur Antwort, als die mit dem Bündnis Buntes Radebeul die Bewohner des Asylbewerberheims in Naundorf fragte, was sie sich an Unterstützung wünschen. Am letzten Freitag organisierte das Bündnis ein Treffen, um die Umsetzung einiger Deutschkurse zu planen.

„Es gibt schon Freiwillige, die unterrichten würden“, sagt Anne Wenzel. Ehrenamtliche sollen den teilweise nicht einmal das lateinische Alphabet Beherrschenden die deutsche Sprache beibringen. „Natürlich gibt es viele Skeptiker“, sagt Anne Wenzel. „Aber in Dresden existiert schon ein solches Sprachprojekt, und das läuft super“. Die Radebeuler Sprachkurse sollen nach dem gleichen Prinzip funktionieren: Die Asylbewerber werden nach einen Test in vier Gruppen eingeteilt, je nach mitgebrachten Voraussetzungen. Wer einen Kurs erfolgreich absolviert hat, steigt einen Kurs auf. Am Anfang steht der Alphabetisierungskurs.

„Es gibt ja darunter auch Menschen, die noch nie in einer Schule waren“, erklärt Wenzel. Die ehernamtlichen Lehrer orientieren sich an Lehrbüchern und regelmäßigen Treffen. Während das in Dresden hauptsächlich Studenten waren, haben sich in Radebeul vorrangig ehemalige Lehrer bereit erklärt. „Wir freuen uns über die große Beteiligungsbereitschaft“, so die 22-Jährige. Auch das Interesse der Asylbewerber sei enorm. „Sie strengen sich wirklich an und sind sehr dankbar“, sagt die Organisatorin. Wenn das Projekt in Radebeul ebenfalls auf die Beine gestellt werden kann, ist sie zuversichtlich, dass es ebenso gut laufen wird.

Momentan fehle allerdings noch Geld. In Dresden werde das Projekt teilweise von der Gemeinde, teilweise von Spenden finanziert. In Radebeul versuche man das Gleiche, doch es gibt wenig Organisationen, die sich der Unterstützung der Migration widmen, so Wenzel. Daher sei es schwierig, Fördermittel zu bekommen.

Dabei wären die dringend nötig. Laut Wenzel gibt es viel zu wenig Hilfe für Asylbewerber. Um an einem offiziellen Sprachkurs teilzunehmen, benötigten die Interessenten eine Aufenthaltsgenehmigung. Da das Asylverfahren aber Jahre dauern kann, gibt es für die Betroffenen kaum eine Möglichkeit, Deutsch zu lernen. Zudem seien auch die Zustände in den Heimen schlecht, vieles würde die Integration unnötig erschweren.

„Es fehlt das Bewusstsein“, sagt Wenzel. Auch Entscheidungsträger wüssten oft zu wenig über das Thema. Das zu ändern hat sich das Bündnis Buntes Radebeul als Ziel gesetzt. Dabei vertrauen Anne Wenzel und der Rest des vierköpfigen Kerns des Bündnisses auch auf die Bereitschaft der Radebeuler. „Das Interesse ist da“, wie sich mehrfach zeigte. Am 6. Dezember hatte das Bündnis Wintersachen gesammelt. „Die Beteiligung war super“, erinnert sich Anne Wenzel. Auch als ein junger Künstler aus dem Asylbewerberheim seine Werke ausstellte und um andere Materialien bat, wurde er von den Radebeulern erhört. „Die Bürger sind engagierter als die Politik“, so Wenzel. Von der Gemeinde wünscht sie sich mehr Rückhalt: Skepsis und zu wenig Wissen auf dem Gebiet würden die Integration behindern. Dem will das Bündnis in Zukunft mit einem Dokumentarfilm über das Heim in Radebeul, mit Aufklärungsarbeit und eventuell einer Ausstellung abhelfen.

Gegründet hat sich das Bündnis Buntes Radebeul nach einem Besuch des Asylbewerberheims in Naundorf. „Nach der Besichtigung war ich schockiert über die Zustände“, sagt Wenzel. Mit drei anderen begann sie zu recherchieren, was möglich wäre für die Bewohner zu tun. „Am Anfang waren wir nur vier Leute.“ Das Bündnis wächst, doch den Kern bildeten diese vier noch immer.

Für alle, deren Interesse geweckt worden ist, gibt das Bündnis seine Treffen auf seiner Homepage und im E-Mail-Verteiler bekannt.

www.buntes-radebeul.de