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Ehrung an verfallenem Olbricht-Haus

Leisnig ehrt den General, der zu den Hitler-Attentätern gehörte. Sein Geburtshaus hat die Stadt notgesichert, doch viel mehr kann sie nicht tun.

Von Tina Soltysiak Und Eric Mittmann

In der Nacht zum 21. Juli 1944 ist der gebürtige Leisniger Friedrich Olbricht mit anderen Hitler-Attentätern in Berlin hingerichtet worden. Diesen Jahrestag nehmen Bürgermeister Tobias Goth (CDU) und der Geschichts- und Heimatverein zum Anlass, um ein Blumengesteck vor seinem Geburtshaus an der Friedrich-Naumann-Straße 18 niederzulegen.

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„Wir möchten damit nicht nur dem Vorbild Olbrichts gedenken, der sich zusammen mit Graf von Stauffenberg und anderen hochrangigen Offizieren gegen das Hitler-Regime wendete, sondern auch den Opfern und Hinterbliebenen des Zweiten Weltkrieges“, verkündete Bürgermeister Goth, bevor er das Gesteck niederlegte. Gleichzeitig bedankte er sich auch beim Geschichts- und Heimatverein der Stadt Leisnig für die fortwährenden Bemühungen. „Wir haben in Leisnig eine sehr gute Erinnerungskultur und es erfreut mich stets, dass die Bewohner unserer Stadt dies auch würdigen“, so Goth.

Dem gegenüber steht jedoch weiterhin die stagnierende Erneuerung des eigentlichen Hauses. Würde Olbricht noch leben, wäre er wahrscheinlich erschüttert über den baulichen Zustand seines Geburtshauses. Der sorgt auch in diesem Jahr wieder für Sorgenfalten in den Gesichtern der umstehenden Gäste. Von außen ist kaum zu sehen, wie es hinter der Fassade aussieht: noch immer verheerend. Es ist unbewohnbar. Und das schon seit Jahren.

Die Stadtvertreter haben sich vom Landratsamt als Bauaufsichtsbehörde ein Gutachten gewünscht, um zu erfahren, ob das Haus überhaupt noch zu retten ist, oder ob es vielleicht eines Tages einfach in sich zusammenstürzen könnte.

Auf dieses Gutachten wartet die Kommune bereits seit Jahren. Jetzt ist klar: „Ein Bestandsgutachten ist nicht erarbeitet worden“, teilte Lisa-Maria Schöne, Pressereferentin im Landratsamt Mittelsachsen, auf DA-Nachfrage mit. Ende 2010 hatte die Behörde schon eine Notsicherung veranlasst. An der Westseite war das Dach provisorisch ausgebessert worden, um weiteres Eindringen von Wasser zu verhindern. „Aufgrund der durchgeführten Notsicherung schätzt die Bauaufsicht des Landratsamtes Mittelsachsen ein, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine konkrete Gefahr vorliegt, die die Bauaufsicht zum sofortigen Handeln veranlassen würde“, so Lisa-Maria Schöne.

Seit Anfang 2007 ist das Haus im Besitz eines in Dubai lebenden Mannes. Weil das um 1865 erbaute Haus nicht zum Sanierungsgebiet gehört, konnte die Stadt Leisnig nicht von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen und hatte keinen Einfluss auf den Handel. Diese Machtlosigkeit der Stadt hält bis heute an. Solange keine Gefährdung für die öffentliche Sicherheit besteht, ist das Einzige, was die Mitarbeiter tun können, den Eigentümer immer und immer wieder versuchen zu kontaktieren.

Doch der stellt anscheinend nach wie vor auf stur. Zum Eigentümer bestehe seitens des Landratsamtes kein Kontakt, teilte Lisa-Maria Schöne mit. „Auch von unserer Seite hat sich daran leider noch nichts geändert und wir sind weiterhin um eine Kontaktaufnahme bemüht“, erklärt Bürgermeister Goth.

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Nicht nur die Behörden haben alles versucht, sondern auch Privatleute. So hatte eine Waldheimerin den Hauseigentümer 2010 in ihrem Dubai-Urlaub ausfindig gemacht und sogar mit ihm telefoniert. Sie hatte ihm geschildert, wie schlimm es um das Haus stand: Auf der Rückseite des Gebäudes ist nicht nur das Dach kaputt, sondern auch Zwischendecken sind immer weiter eingebrochen. Eindringende Nässe griff auf Nachbarhäuser über, zerstörte deren Substanz. Die Bitte der Waldheimerin, der Hauseigentümer möge sich um seinen Besitz kümmern und erforderliche Maßnahmen ergreifen, verhallte jedoch.

Auch in der Leipziger Friedrich-Olbricht-Kaserne der Bundeswehr kam es zu einer Gedenkveranstaltung, an der Goth sowie Mitglieder des Geschichts-und Heimatvereins teilnahmen.