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Eidechsen machen Platz für neues Wohngebiet

Am Rand von Pesterwitz sollen 70 neue Eigenheime entstehen. Die Reptilien müssen deshalb umziehen.

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Von Tobias Winzer

Wie fängt man eine Eidechse? Mit der bloßen Hand? Schwierig. Zu groß die Gefahr, dass die zarten Reptilien mit den Fingern zerquetscht werden. Mit einem Kescher geht es schon besser. Uwe Stolzenburg hat aber ein noch besseres Mittel: einen Holzstab, an dem eine zentimetergroße Schlaufe befestigt ist. Mit dem Holzstab werden die Echsen aufgespürt und mit ein wenig Geschick in die Schlaufe manövriert. Die zieht sich durch das Gewicht des Tieres selbst zu.

Die Fertigkeiten eines Eidechsenfängers waren gestern Mittag am Rand von Pesterwitz an der Dölzschener Straße gefragt. 60 bis 70 neue Einfamilienhäuser plant die Freitaler Projektentwicklungsgesellschaft FPE auf dem sechs Hektar großen Areal – das zurzeit größte Wohnungsbauprojekt der Stadt.

Wie ein Naturschutzgutachten im vergangenen Jahr ergeben hat, wird ein Teil der Fläche aber von geschützten Zauneidechsen bevölkert. Damit trotzdem gebaut werden kann, wurde das knapp 4 000 Quadratmeter große Echsen-Habitat im vergangenen Jahr umzäunt.

In diesem Frühjahr entstand 250 Meter weiter nördlich ein ähnlich großes Ausweichquartier für die Tiere. Es liegt später als Grünfläche mitten in der geplanten Einfamilienhaussiedlung. Auf aufgeschütteten Wällen aus Wurzeln, Steinen und Sand sollen sich die Echsen aufwärmen können. Außerdem gibt es Gebüsche zum Verstecken. 28 000 Euro gibt die FPE dafür aus. Nun müssen die Zauneidechsen umziehen. Dafür sind Stolzenburg und seine Kollegin Sabrina Lott vom Dresdner Naturschutzinstitut da. „Wir wollen bis Ende Mai fertig sein, damit wir die eiertragenden Weibchen noch abfangen“, sagt Stolzenburg.

Nach anderthalb Stunden Suche hatten Stolzenburg und Lott vier Echsen gefunden. Sie wurden bis zum Umzug in Plasteeimer gesetzt. Die beiden schätzen, dass sie in den kommenden Tagen bis Ende Mai bis zu 50 Reptilien auf dem ehemaligen Bauhofgelände fangen und umsiedeln können.

Wann die ersten Bagger für die neue Eigenheimsiedlung anrollen, steht noch nicht fest. In seiner nächsten Sitzung wird der Stadtrat wohl über den Bebauungsplan abstimmen. Bei einem positiven Votum würde das Papier anschließend öffentlich ausliegen. Anwohner und Interessenverbände könnten dann Einsprüche einreichen. Geht alles glatt, könnte zum Jahresende mit dem Bau der Erschließungsstraßen für die Siedlung begonnen werden.