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Eier erzählen zu Ostern viele bunte Geschichten

„Es gibt nichts, was ich nicht mache“, sagt Frank Volker Ortner und meint damit die verschiedenen Techniken, Eier für Ostern zu bemalen und zu gestalten. Mit der nur Millimeterbruchteile starken Feder...

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Von Ines Eifler

„Es gibt nichts, was ich nicht mache“, sagt Frank Volker Ortner und meint damit die verschiedenen Techniken, Eier für Ostern zu bemalen und zu gestalten. Mit der nur Millimeterbruchteile starken Feder zeichnet er feinste Muster auf die zerbrechliche Schale, als sei sie von zart geklöppelter Spitze umspannt. Manches erinnert an die Wachstechnik, mit der die Sorben traditionell ihre Ostereier färben, manches an russische Muster. „Ich habe in jedem Jahr ein besonderes Faible für eine der Techniken“, sagt der 65-jährige gebürtige Heidelberger.

Kleine Kunstwerke

In diesem Frühling hat er vor allem Muster und Farben von Blaudrucktüchern für seine Ostereier adaptiert. Aus dem dunklen, kräftigen matt lackierten Blau treten die vertrauen Blüten, Ranken und Blättchen in leuchtendem Weiß hervor. In manche Eier hat Ortner mit Werkzeugen, die sonst Zahnärzte verwenden, Lochmuster gebohrt. Eins dieser filigranen Eier hält er gegen die Sonne hinterm Fenster des Dresdner Volkskunstmuseums, in dem er gerade ausstellt und vor den Augen der Besucher Eier bemalt. „Schauen Sie, wie das Licht fällt“, lässt er sich eine interessierte Frau vorstellen, wie der Schmuck am Osterstrauch wirkt. Oder er erklärt Kindern, warum er für manches Ei Ölfarben benutzt, für ein nächstes bunten Sand verwendet und wieder andere mit Zwiebeln färbt, bevor er seine Muster hineinritzt. Besonders interessant ist das große, von Natur aus schwarze Ei eines Emus. Wird die oberste Schicht mit Skalpell oder einem anderen spitzen Gegenstand abgetragen, erscheint ein grüner Kalk, die innerste Schicht ist Weiß. Durch verschieden tiefe Ritzungen entsteht also ganz ohne zusätzliche Farbe ein dreifarbig gemustertes Ei.

Filigrane Ansichten

„Ich habe 1970 damit begonnen“, schätzt Frank Volker Ortner. Damals bemalte er Ostereier noch zum Vergnügen, heute beginnt er gleich in den ersten Wochen des Jahres, seine Ideen für neue Eier umzusetzen, bereitet Ausstellungen vor. „Seit zehn Jahren arbeite ich intensiv künstlerisch“, sagt Ortner, „im Winter an Weihnachtskugeln, im Frühjahr an Ostereiern.“ Außer in Dresden ist er gerade im Senftenberger Schloss und auf einer Messe in Heidelberg präsent.

Zu seinen jüngsten Bemalungen von Eiern gehört eine frühlingshafte Ansicht der Dresdner Albertbrücke. Daneben findet sich die Leidensgeschichte Jesu oder Szenen aus Heidelberg, Berlin, Görlitz, alles in Eiform – die Türme der Peterskirche, das Heilige Grab. Denn in Görlitz lebt Frank Volker Ortner seit 20 Jahren. „Damals zog ich aus beruflichen Gründen dahin“, erzählt er, „doch dann blieb ich hier hängen, weil Görlitz so schön ist.“

Im Dresdner Volkskunstmuseum (Köpckestraße 1) sind die Ostereier von Frank Volker Ortner noch bis Mittwoch zu sehen, im Senftenberger Schloss noch bis zum 19. April.