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Eierlikör unter der Jacke

Der Riesaer soll in einem Meißner Markt vier Flaschen Eierlikör geklaut haben. Alles nur ein Racheakt der Ex?

© Daniel Schäfer

Von Jürgen Müller

Meißen/Riesa. Der Angeklagte aus Riesa ist siegessicher. „Es gibt keine Beweise, kein Video, keinen Ladendetektiv, der mich erwischt hat, nichts“, sagt der 43-Jährige. Das alles sei nur eine Verschwörung der Ex und deren Freundin. „Die wollen mir nur Böses. Ich habe so eine Wut.“

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Tatsächlich haben ihn die beiden Frauen bei der Polizei wegen Diebstahls angezeigt. Im Februar vorigen Jahres soll der Mann in einem Einkaufsmarkt in Meißen vier Flaschen Eierlikör gestohlen haben. Nach den Angaben der Frauen habe er die Flaschen unter seiner Jacke versteckt und sei so durch die Kasse gegangen. „Das geht doch gar nicht, wenn ich vier Flaschen in meiner Jacke verstecke, da habe ich doch sooo ´nen Bauch“, sagt der Mann, steht auf und macht Handbewegungen, als wolle er eine Kugel vor seinem Körper zeichnen. Er gibt zu, dass er in dem Geschäft war, um Zigaretten zu kaufen. Das hat er dann wohl doch nicht gemacht. Aber gestohlen habe er auch nicht. „Ich habe nichts getan“, sagt er.

Staatsanwalt und Richter sind sich da nicht so sicher. Immerhin ist der Mann kein Unbekannter. Er soll auch andere Ladendiebstähle in Riesa begangen haben. Doch offenbar ist da die Beweislage dünn. Die Staatsanwaltschaft hat dieses Verfahren jedenfalls eingestellt.

Nun also werden die beiden Frauen, die den Mann angezeigt haben, angehört. Die eiern herum. Bei der Polizei hatten sie klare Aussagen gemacht. Er sei aus dem Laden gekommen und habe sich damit gebrüstet, dass er vier Flaschen Eierlikör gestohlen habe, hatte damals eine Zeugin zu Protokoll gegeben. Vor Gericht räumt sie das erst ein, nachdem sie der Richter mit ihrer damaligen Aussage konfrontiert. Was denn mit dem Eierlikör geworden sei, ob man ihn gemeinsam getrunken habe, will der Richter wissen. Die 42-jährige Meißnerin weist das empört zurück: „Ich trinke gar keinen Alkohol“, sagt sie.

Zeugin leidet an Gedächtnisverlust

Auch die Ex, die jetzt wohl nicht mehr die Ex, sondern mit dem Angeklagten wieder zusammen ist, leidet an Gedächtnisverlust. „Er kam aus dem Laden und hatte vier Flaschen Eierlikör in der Jacke. Ob er die bezahlt hat oder nicht, weiß ich aber nicht“, sagt die 39-Jährige. Merkwürdig ist nur: Wieso zeigt sie ihn bei der Polizei wegen Diebstahls an, wenn sie gar nicht weiß, ob er geklaut oder die Flaschen doch bezahlt hat? Das ist Wasser auf die Mühlen des Angeklagten. Er hält an seiner Verschwörungstheorie fest. Seine damalige und Jetzt-wieder-Freundin habe sich an ihm rächen wollen, weil er angeblich fremd gegangen und ausgezogen sei. Würde sich das bewahrheiten, hätte diese sich der falschen Verdächtigung schuldig gemacht und müsste nun selbst mit einer Anklage rechnen.

Doch soweit wird es nicht kommen. Richter und Staatsanwalt glauben den beiden Zeuginnen. Er sehe überhaupt keinen Grund, warum die beiden Frauen den Angeklagten zu Unrecht beschuldigt haben sollten, sagt Richter Michael Falk. Hinzu käme, dass die Nachforschungen der Polizei ergeben hatten, dass in dem Markt vier Flaschen Eierlikör genau der gestohlenen Marke fehlten. Wegen Diebstahls verurteilt er den bisher nicht vorbestraften Riesaer zu einer Geldstrafe von 200 Euro. Das ist für den Mann, der Arbeitslosengeld II bezieht, dennoch viel Geld. Vor allem hätte er dafür viele Flaschen Eierlikör kaufen können.