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Kamenz

Wo Hühner einen Fanshop haben

Der Chef der deutschen Geflügelzüchter ist im Haselbachtal zu Hause - und freut sich über einen neuen Trend.

Christoph Günzel mit eigenen Züchtungen, wie hier mit einem japanischen Zwerghuhn der Rasse Chabo.
Christoph Günzel mit eigenen Züchtungen, wie hier mit einem japanischen Zwerghuhn der Rasse Chabo. © Matthias Schumann

Haselbachtal. Frische Eier vom eigenen, glücklichen Federvieh? Das klingt äußerst verführerisch. Genau so etwas wollen immer mehr Menschen – auch im Landkreis Bautzen. Selbstversorgung heißt der Trend, der seit Jahren in der Geflügelzucht angekommen ist.  Christoph Günzel aus Reichenbach im Haselbachtal kann ein Lied davon singen. Er ist Chef von über 160.000 Züchtern deutschlandweit. Das sind immerhin rund 4.500 Vereine, 450 Kreisverbände sowie 19 Landesverbände. Für alle trägt der 67-Jährige Verantwortung. 

Die Bundesgeschäftsstelle zog vor drei Jahren von Offenbach ins sächsische Haselbachtal. Aber nicht erst seitdem sind die kleinen Ortschaften entlang der Pulsnitz verrückt nach Kleintieren jeglicher Art und Geflügel im Besonderen. Der ortsansässige Rassegeflügel- & Rassekaninchen-Zuchtverein Reichenbach und Umgebung 1920  feiert dieser Tage zum Beispiel sein 100. Jubiläum.

Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie

Die Apotheke, Drogerie und der Lebensmittelhandel haben in der Elbgalerie weiterhin für Sie geöffnet und freuen sich auf Ihren Besuch.

Am Sonnabend wird die neue Vereinsfahne feierlich gesegnet und gemeinsam angestoßen. Ganze 28 aktive Mitglieder hat man noch – und auch der Altersdurchschnitt darf sich sehen lassen.  Nicht überall ist das so. Doch die Vereinsarbeit steht und fällt mit gut organisierten Ausstellungen und Aktionen, geselligem Miteinander und starken Köpfen an der Spitze. „Alle reden von Tierschutz, wir praktizieren ihn“, sagt Christoph Günzel. Auch er ist im Verein organisiert.   

Frische Eier vom eigenen, glücklichen Federvieh? Das klingt äußerst verführerisch. Genau so etwas wollen immer mehr Menschen – auch im Landkreis Bautzen. 
Frische Eier vom eigenen, glücklichen Federvieh? Das klingt äußerst verführerisch. Genau so etwas wollen immer mehr Menschen – auch im Landkreis Bautzen.  © Matthias Schumann

Putzige, japanische Zwerghühner stolzieren hinter seinem Haus. Gegen das leidige laute Hähnekrähen helfen bei der Nachbarschaft frisch gelegte Eier. "Wenn man so ein Ei im Geschmack mit denen in den Supermärkten vergleicht, merkt man den Unterschied", schwört er auf die gesunde Kost. Züchter Christoph Günzel schaut auch heute nach dem Rechten, geht vorbei an den schnatternden Krummschnabel-Enten.  Und er grüßt die Dominikaner-Hühner. Man muss ein bisschen reden mit ihnen. Das verbindet. Wenn es zu Ausstellungen geht, dann bekommen beispielsweise die gelockten Zwerghühner eine Rundum-Wellness-Behandlung mit Waschen, Fönen, Legen von ihm. Das Federvieh hat es gut beim Bundespräsidenten für Rassegeflügel. Logisch! 

„Jeder Lebensmittelskandal spielt uns in die Taschen“

Am Dorfplatz in Reichenbach ist seit drei Jahren die Bundesgeschäftsstelle  der Rassegeflügelzüchter eingezogen. Plus Fanshop. Den braucht man, um die Verbandsmitglieder mit Jahresbroschüren, Zuchtbüchern, Gesetzlichkeiten und Info-Material zu versorgen. Der Verband finanziert sich größtenteils über den Ringverkauf. Drei Millionen Zuchtringe werden jährlich bundesweit verschickt. "Es ist Bewegung in der Rassegeflügelzucht, das Interesse an  Hühnern hat zugenommen. Gut für uns", meint der Bundes-Chef. 

 "Jeder Lebensmittelskandal spielt uns in die Taschen", sagt er ganz direkt. Und davon gibt es einige. In Zeiten, wo Antibiotika in Hühnerfleisch und Dioxin in Hühnereiern zur Normalität gehören, ist das kein Wunder.  "Wir hatten so viele Interessenten wie lange nicht am Info-Stand des Bundesverbandes auf der Grünen Woche", sagt Günzel. "Meistens Städter, die sich ein paar Hühner hinterm Haus im Garten halten möchten. Auch mitten in Berlin", sagt er.  Was auffiel: Die Allgemeinbildung lässt teilweise zu wünschen übrig. Fragen wie "Sind Hühner lebendgebährend?" gehören mittlerweile  dazu. Fremdschämen inklusive ...

Auch Krummschnabel-Enten fühlen sich bei Christoph Günzel wohl. Ab und zu schaut leider der Fuchs vorbei. Dann wird es brenzlig. Auch der Wolf wohnt um die Ecke. Foto: Matthias Schumann
Auch Krummschnabel-Enten fühlen sich bei Christoph Günzel wohl. Ab und zu schaut leider der Fuchs vorbei. Dann wird es brenzlig. Auch der Wolf wohnt um die Ecke. Foto: Matthias Schumann © Matthias Schumann

Qualität, Wissen und Tipps vom Züchter

Aber auch im Landkreis Bautzen geht der Trend zur Selbstversorgung. Neue Ernährungsgewohnheiten spielen eine Rolle. "Low carb", also wenig Kohlenhydrate, dafür um so mehr gesundes Eiweiß, lautet das Zauberwort. Und wer sich dafür entscheidet, eigene Hühner zu halten, hat es gar nicht so schwer. Ein kleiner Garten und ein zweckdienlich gezimmerter Hühnerstall sind ausreichend für die Selbstversorgung mit Eiern und vielleicht Fleisch für die Suppe oder Braten. Eine Schar von drei oder vier Hühnern einer kleineren Rasse braucht nicht viel Platz. Das Halten ohne Hahn ermöglicht die private Eierproduktion mitten im Wohngebiet. "Gesunde und vitale Tiere kauft man allerdings am besten beim Züchter.

 In jeder Region gibt es Verbände oder Vereine", so Christoph Günzel. "Bei uns gibt's  Tipps und Kniffe und das Buch  'Züchterschulung' dazu. Außerdem die Tiere beringt", sagt er. Zwingend ist das nicht. Die Tiere müssen aber beim Landratsamt registriert sein, regelmäßige Impfungen gegen die Hühnerpest sind Pflicht.  Im Landkreis gibt es aktuell 3.206 Tierhalter, die 434.993 Hühner besitzen. Noch 2015 waren es knapp 200 Halter weniger, teilte das Landratsamt auf Nachfrage mit. 

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