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Eigenes Varieté im Blick

Thomas Jurischs Poetengeflüster zieht um. Zuvor wird aber groß Geburtstag gefeiert, auf den Terrassen im Lingnerschloss.

Von Ulrike Kirsten

Poesie ist sein Beruf. Eine Begegnung mit Thomas Jurisch ist wie eine Privatvorstellung. Kaum hat der 40-Jährige Platz genommen, fliegen Wörter durch den Raum, fallen herab wie weiche Federn, schießen durch den Raum wie kleine Geschosse. Der Striesener verpackt das Leben in Wortgewalt. Nicht umsonst gehört er zu Deutschlands besten Poetry-Slammern. Seine Ideen findet er auf der Straße, in der Beobachtung des Alltags. Vor sieben Jahren gründete Jurisch das Poetengeflüster, um Talenten wie gestandenen Künstlern für ihre musikalischen wie sprachgewaltigen Darbietungen eine Bühne zu geben. Binnen weniger Monate wurde sie zum Geheimtipp.

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Zum Jubiläum gibt es morgen eine einzigartige Open-Air-Geburtstagsshow mit den besten 14 Künstlern der letzten sieben Jahre. Dort, wo alles seinen Anfang nahm – auf den Terrassen im Lingnerschloss. Im Oktober will Jurisch ein neues Kapitel aufschlagen. In der Neustadt. Für ihn der zentrale Knotenpunkt, wenn es um Subkultur und Kleinkunst geht. „Ich möchte mein eigenes Varieté für Comedy, unplugged-Klub-Konzerte und Talenteshows eröffnen, welche es so in Dresden noch nicht gibt oder gab. Auch das Poetengeflüster wird hier vorerst seinen Platz finden.“

Jurisch ist einer, der sich immer wieder neue Herausforderungen sucht. Eigentlich ist er gelernter Maurer. „Handwerk hat goldenen Boden. Ich dachte, es wäre eine gute Idee“, sagt Thomas Jurisch, grinst frech und zwinkert mit den Augen. Ausgeübt hat er den Beruf jedoch nie. „Das Ausprobieren von Veranstaltungskonzepten hat mich mehr interessiert.“ Kurz darauf entdeckt er das Wort als Handwerkszeug, arbeitet als freier Redakteur für verschiedene Dresdner Tageszeitungen, übernimmt das Marketing unter anderem für einen Techno-Klub, ist Bühnen- und Tontechniker im Theater, DJ, gründet einen Verlag, bringt ein Boulevard-Magazin heraus, wird Poetry-Slamer und Autor. Sein Kinderbuch, „Krümelfühl und Fiedelfatz“ hat die zweite Auflage erreicht. Nur wenn er über sein neues Projekt spricht, verschlägt es selbst dem wortgewandten Allroundunternehmer die Sprache. „Vor diesem Neuland habe ich ziemlich großen Respekt“, sagt Jurisch nach einer kurzen Pause. Finanzieren möchte er sein Varieté auch über Crowdfunding. „Ich stelle mir das super vor: Das Dresdner Publikum finanziert sich zum Teil seinen eigenen Laden und darf mit großartigen Künstlern rechnen.“

7 Jahre Poetengeflüster – Open Air im Lingnerschloss, Beginn 19 Uhr, Eintritt 12 Euro an der Abendkasse.