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Eigenheime statt Baracken

Am Stadtrand wurde vor der Wende Keramik produziert. Nun soll das Gelände für Häuslebauer erschlossen werden. Aber es gibt auch skeptische Stimmen.

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Von Eric Weser

Gibt es in Strehla bald mehr Flächen für neue Eigenheime? Wenn es nach der Stadtführung geht, ja. Denn auf dem Gelände der früheren Steingutfabrik am südöstlichen Stadtrand, gelegen direkt hinter der Wohnanlage „August der Starke“, wäre genug Platz für etwa 30 bis 40 Eigenheime, schätzt die Stadtverwaltung.

Es gibt aber ein großes Problem: Auf dem Grundstück stehen noch immer die alten Produktionsstätten. „Das war zuerst eine chemische Fabrik, in der Bautenschutzmittel hergestellt wurde. Später wurde daraus ein Teil der Steingutfabrik, bevor die ganz an den Standort umgezogen ist“, weiß Stadtchronist und SPD-Stadtrat Heimo Schroth. In den Hallen wurde lange Zeit Gebrauchskeramik von der Tasse bis zum Teller hergestellt, später produzierte man Deko-Stücke wie Vasen oder Schalen.

Eigentlich hatte die Stadt Strehla geplant, die Fläche aus „Gründen der Ordnung und Sicherheit“ bei einer gerichtlichen Auktion zu ersteigern und die Entwicklung des Eigenheimstandortes künftig selbst voranzutreiben. „Der Versteigerungstermin wurde aber kurzfristig abgesetzt, da eine außergerichtliche Einigung erfolgte“, teilte die Stadt auf Anfrage der Sächsischen Zeitung mit.

Ist damit die Erschließung als Eigenheimgebiet passé? Stadtchef Harry Güldner (CDU) und die Stadträte hoffen, dass es nicht so ist. Zumal der jetzige Eigentümer des insgesamt rund 21 000 Quadratmeter großen Areals Pläne hat, die durchaus in die Überlegungen der Stadt passen. „Wir wollen die Baracken auf dem Gelände in den nächsten Monaten abreißen und gleichzeitig ein Verfahren für einen Bebauungsplan führen“, sagt der Geschäftsführer der FBS Projekte Rackwitz GmbH, Carsten Brettschneider. Das Unternehmen aus der der Nähe von Leipzig betreibt Projektentwicklung. Brettschneider kauft seit Jahren frühere Industrieflächen und erschließt sie. „Wir haben 90 Prozent davon der Solarnutzung zugeführt. Auch in Strehla war das angedacht. Das ist aber inzwischen vom Tisch“, sagt Brettschneider. Nun also Eigenheimbebauung. FBS-Chef Brettschneider rechnet damit, dass die Flächen am Strehlaer Stadtrand 2015 an den Markt gehen könnten. „Das Planungsverfahren wird sich noch über das gesamte Jahr 2014 hinziehen“, so seine Einschätzung. Derzeit sei man dabei, Rücksprache mit den Behörden wie Stadt und Landratsamt zu halten.

Platz für junges Wohnen

Dass in Strehla Bedarf nach neuen Eigenheimflächen besteht, das steht für Stadtrat Erich Knott (Die Linke) außer Frage. „Strehla ist eine Wohnstadt. Und gerade junge Leute suchen bei uns nach geeigneten Flächen“, sagt Knott.

Mit einem einstimmigen Beschluss haben die Stadträte wohl auch deswegen die Unterstützung der Kommune für das Erschließungsvorhaben zugesichert. Aber es gibt trotz allem auch kritische Stimmen. Detlev Goldbach (CDU) erinnerte an die Probleme, die es in der Vergangenheit gab und mahnt, dass „diesmal alles ordentlich seinen Weg“ gehen müsse. Angedacht ist auch ein sogenannter Durchführungsvertrag, in dem Stadt und der Projektentwickler das Vorgehen bei der Erschließung und danach vereinbaren.