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Ein allzu verlockendes Angebot

Hohe Zinsen, tolles Ambiente: Warum 25.000 Anleger trotzdem um ihr Geld bangen

© Robert Michael

Ulrich Wolf

Es ist alles da, um Anleger zu locken: Die Backsteinvilla aus der Gründerzeit ist repräsentativ. Im Innenhof stehen gepflegte dunkle Audis. Die Beratungsräume mit Parkett und Kronleuchter strahlen Noblesse aus. Die Mitarbeiter sind ausgesprochen freundlich und überzeugend. Generös gibt sich das Unternehmen offenbar auch, zumindest mit Großspenden steht man ja oft genug in der Zeitung: an die Stiftungen von Katharina Witt, Franz Beckenbauer oder Oliver Kahn etwa. Oder an die „Aktion Lichtblick“ der SZ.

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Das Sahnehäubchen aber ist dieses Angebot, eine Art Unternehmensanleihe mit Zinsen zum Dahinschmelzen: Fünf Prozent kriegt, wer mindestens 30.000 Euro für 30 Tage anlegt; sechs Prozent gibt es bei 5.000 Euro und 90 Tagen. Und für eine Mindesteinlage von 2.500 Euro sogar 6,5 bis acht Prozent, je nach Laufzeit zwischen zwei und zehn Jahren.

Wo gibt es so was noch? Bei der Future Business KG auf Aktien (Fubus) im Dresdner Stadtteil Blasewitz. Wer diesem Finanzhaus mittels Orderschuldverschreibungen Geld leiht, der hat offensichtlich ein Schnäppchen gemacht. Allerdings: Diese Form der Geldanlage ist nicht abgesichert. Wie heißt es so schön in den Angebotsunterlagen der Fubus: „Die Werthaltigkeit der Orderschuldverschreibungen wird im Wesentlichen vom wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg der Future Business KG aA bestimmt.“ Und weiter: „Aufgrund der fehlenden staatlichen oder privaten Absicherung besteht das Risiko des teilweisen oder vollständigen Verlusts der Anlagesumme.“

Dieses Totalausfallrisiko befürchtet nun offenbar die Staatsanwaltschaft Dresden. In einer großangelegten Razzia in Deutschland und Österreich mit Schwerpunkt Dresden wurden die Büros von rund 30 Firmen durchsucht, die dem Fubus-Konzern geschäftlich verbunden sind. Außerdem die Privatwohnungen von sechs Deutschen und zwei Österreichern. Die Beamten beschlagnahmten zahlreiche Firmenfahrzeuge, um – wie es hieß – Vermögen zu sichern. So etwas geschieht in der Regel nur, wenn eine Staatsanwaltschaft glaubt, genügend handfeste Beweise in der Hand zu haben, dass der Totalverlust der Kapitalanlage droht. Die Behörde spricht von 25.000 Anlegern und einem Anlagevolumen von stattlichen 400 Millionen Euro.

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echs Haftbefehle

Acht Führungskräfte der Fubus sowie der Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut stehen unter dem Verdacht, die Erwerber der Schuldverschreibungen „mit unrichtigen Angaben zur Vermögens- und Ertragslage“ der Anleiheherausgeberin Fubus getäuscht zu haben. Sollte dies zutreffen, entspräche dies einem ziemlich großen Kapitalanlagebetrug, dem bislang wohl größten in Sachsen. Die Infinus ist mit im Boot, weil sie die finanzaufsichtliche Erlaubnis hat, Anlagen zu vermitteln und mit dem so eingesammelten Kapital auf eigene Rechnung zu handeln. Schließlich müssen die hohen Zinsen irgendwie erwirtschaftet werden.

Dass dies möglich ist, daran hat die Dresdner Staatsanwaltschaft Zweifel. Ihr Sprecher Lothar Haase kündigte an, nach der Razzia sei zu untersuchen, ob es sich nicht in Wahrheit um ein Schneeballsystem handle. In Fall von Fubus hieße das: Die Rückzahlungen der Anleihen samt Zinsen sind überwiegend nur möglich, wenn gleichzeitig immer mehr Neukunden durch neue Einlagen das finanzieren. Bislang scheint das funktioniert zu haben. In ihren Geschäftsunterlagen berichtet die Fubus, sie habe bislang rund 1,5 Milliarden Euro über ihre Orderschuldverschreibungen eingesammelt. Davon sei gut eine Milliarde auch wieder pünktlich zurückgezahlt worden.

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Sechs Manager sind verhaftet, es geht um 400 Millionen Euro und Ersparnisse von 25.000 Anlegern. Die Razzia im Dresdner Villenviertel Blasewitz war offenbar von langer Hand geplant.

Fubus-Großaktionär Jörg Biehl jedoch sitzt als einer der Beschuldigten in U-Haft. Der 52-jährige Dresdner hatte das Unternehmen im Februar 2000 gegründet. In Haft befindet sich auch Andreas Kison aus Kronberg im Taunus; er ist ebenfalls Fubus-Aktionär und Infinus-Aufsichtsrat. Der Dresdner Rechtsanwalt Siegfried Bullin wurde in seiner Funktion als Aufsichtsratschef von Infinus und Fubus festgenommen. Verhaftet wurden zudem drei Vorstände der Infinus-Gruppe: der gebürtige Freitaler Jens Pardeike (46), der in Dresden lebende Schwabe Rudolf Ott (54) sowie der 47 Jahre alte Pulheimer Keywan Kadkhodai. Dieser reagierte empört auf die Razzia. „Aus unserer Sicht sind die Vorwürfe haltlos und durch nichts zu begründen“, hatte Kadkhodai offenbar noch vor seiner Verhaftung mitteilen lassen. Nun wolle man alles tun, „um schnell und unmissverständlich auf eine schnelle Aufklärung der Vorwürfe zu drängen“.