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Ein Asiate will die Lausitz erobern

Lebensmittel. Eine Hoyerswerdaer Firma züchtet exotische Pilze.

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Von Ralf Krüger

Champignons, Steinpilze oder Pfifferlinge sind alte Hüte. Der neue Hit sind Shii-Take-Pilze. Jedenfalls für Dieter Mücke, den Geschäftsführer der Integra Lausitz GmbH. Die Hoyerswerdaer Firma produziert seit September 2004 den asiatischen Heil- und Speisepilz in einer ehemaligen Schweinemastanlage – und baut ihre Kapazität zunehmend aus. „Angefangen haben wir bei Null, jetzt beschäftigen wir hier sechs Vollzeitkräfte und je nach Saison zusätzliche Aushilfen“, so Mücke.

Teurer als Champignons

Heute bringt das Unternehmen, das als anerkanntes Integrationsprojekt Fördermittel der Agentur für Arbeit bezieht, reichlich eine Tonne Pilze monatlich auf den Markt und gehört damit laut Mücke zu den größten Anlagen dieser Art in Sachsen. „Die Kapazität reicht für zwei Tonnen, aber dafür müssen wir erst Abnehmer finden.“ Neben ausgewählten Restaurants, Reformhäusern und einer Landfleischerei in Uhyst wird der besondere Pilz inzwischen an Händler und Großmärkte in Bautzen, Cottbus, Dresden und Hoyerswerda geliefert. So liegt der Shii-Take-Pilz im Marktkauf Bautzen ebenso im Regal wie in den Dresdner Konsum-Filialen. Allerdings ist er teurer als etwa Champignons. „Eine Schale mit 150 Gramm kostet bei uns knapp zwei Euro, dafür bekommt man ein Vielfaches an Champignons, aber die sind eben nicht so exotisch“, sagt Mücke. Das dachten sich auch die Chefs einer österreichischen Firma und brachten eine Schokolade mit Datteln und Shii-Take auf den Markt – mit Pilzen aus Hoyerswerda. Shii-Take-Pilze gibt es ansonsten erntefrisch, sauer eingelegt oder getrocknet. Die Hoyerswerdaer haben sogar einen eigenen Salat kreiert: eingelegte Pilze, mit Zwiebel, Paprika und Knoblauch.

Heizlüfter von Ebay

Bevor der Pilz geerntet werden kann, muss er fast fünf Monate in den kühlen Hallen der Integra GmbH lagern. Das Substrat – ein Gemisch aus Buchenmehl und Nährstoffen – wird zuvor in Säcke gefüllt, zu Blöcken geformt und mit Shii-Take-Pilzkulturen beimpft. Das Substrat bezieht Integra von einem Großhändler aus Hessen, der ausgetrocknete Rest wird verheizt oder als Dünger an Agrarbetriebe abgegeben. Die Gewächse müssen bei 15 bis 17 Grad Celsius gelagert und täglich gepflegt werden.

120 000 Euro hat Integra bisher in die Anlage investiert. Aus ursprünglich 75 Quadratmetern Anbaufläche wurden acht Ernteräume mit einer Gesamtfläche von 1 200 Quadratmetern. 15 Tonnen im Wert von etwa 100 000 Euro wurden im Vorjahr verkauft, dieses Jahr sollen es 20 Tonnen werden. „Viel Geld bleibt da trotzdem nicht hängen, aber es sichert Arbeitsplätze“, so Mücke, der ständig nach neuen Anbietern sucht und auch bei Investitionen sparsam ist. „Einen großen Heizlüfter haben wir uns bei Ebay ersteigert. Wir halten den Ball flach.“

www.integra-lausitz.de