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Ein Baby wird 60

Es gibt heute wohl kaum einen Jazzmusiker der Welt, mit dem der Radebeuler Günter „Baby“ Sommer nicht schon in irgendeiner Form zu tun hatte. Sei es, dass er mit ihm in einem gemeinsamen Konzert auftrat,...

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Von Wolfgang Zimmermann

Es gibt heute wohl kaum einen Jazzmusiker der Welt, mit dem der Radebeuler Günter „Baby“ Sommer nicht schon in irgendeiner Form zu tun hatte. Sei es, dass er mit ihm in einem gemeinsamen Konzert auftrat, sei es eine Schallplatten- oder CD-Aufnahme in irgendeinem Tonstudio oder sei es auch nur das Zusammentreffen auf irgendeinem Jazzfestival dieser Welt. Er trug einst die Botschaft der freien, improvisierten, ungezügelten und in kein gesellschaftliches Raster einzuordnende Musik des „Free Jazz“ von Radebeul aus in die Welt hinaus. Ein wenig machte er damit das Städtchen im Speckgürtel von Dresden auch international bekannt.

Ehrung: Kunstpreis

der Stadt Radebeul

Heute lebt Günter „Baby“ Sommer – ausgenommen ein mehrjähriges Intermezzo in Konstanz – noch immer in der Lößnitzstadt. Ja, mehr noch – Radebeul verlieh ihm vor Jahresfrist – im Herbst 2002 – den Kunstpreis der Stadt. Und das, obwohl er sich als Künstler in der letzten Zeit sehr rar macht, machen muss. Genau dreimal machte er in den letzten zwei Jahren in Radebeul von sich reden; ein Solokonzert gab er in der Stadtgalerie, eines zur Vernissage einer Ausstellung mit Arbeiten des 1999 verstorbenen Dresdner Malers Jürgen Haufe und des Jazzfotografen Matthias Creutziger in der KBA Planeta und ein drittes als Benefizveranstaltung im Gymnasium Luisenstift. Auch letzteres hatte seinen triftigen Grund. Am 25. August 1943 in Radebeul geboren, besuchte Günter Sommer das heutige Gymnasium Luisenstift und machte dort sein Abitur. Schon damals hatte ihn die Musik unbarmherzig gepackt – und ganz speziell das Schlagzeug. Dieses Instrument studierte er dann auch an der Dresdner Musikhochschule, bevor er sich auf den Weg machte, um die eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Dazu gehörte auch die Begeisterung für die freie, improvisierte Musik, die 1973 in dem Projekt „Synopsis“ gipfelte. Ein Quartett an Musikern trat damit an die Öffentlichkeit, deren Namen heute schon Legende sind – der Pianist Ulrich Gumpert, der Saxofonist Ernst-Ludwig Petrowsky, der Posaunist Konrad Bauer und eben der Percussionist und Drummer Günter Sommer. Aus SYNOPSIS wurde 1984 das „Zentralquartett“, das mit seinen Konzerten Musikgeschichte schrieb. Schon zu DDR-Zeiten arbeitete Sommer auf internationalem Parkett; war mit Italienern unterwegs, mit Franzosen auf Tour, mit Amerikanern auf einer Bühne - ein Vielreisender in Sachen Jazz. Außer mit Musikern arbeitete Günter „Baby“ Sommer auch mit Malern, Tänzern, Schauspielern und Schriftstellern zusammen.

Auch die „Blechtrommel“ von Grass vertont

Noch heute gilt eine Schallplattenaufnahme, die er mit Günter Grass zu dessen Buch „Die Blechtrommel“ einspielte, als richtungsweisend. An über siebzig Schallplatten- und CD-Produktionen wirkte Sommer bis heute mit, darunter auch einigen Soloalben.

Mitte der neunziger Jahre erhielt Günter „Baby“ Sommer eine Professur an der Dresdner Musikhochschule. Seither ist er nicht mehr so häufig wie einst auf den Bühnen der Welt zu finden, seither gibt er seine Erfahrungen an jüngere weiter. Heute feiert Günter „Baby“ Sommer seinen 60. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!