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Ein Bad in der Menge

Zum historischen Stadtfest in Stolpen ging es fröhlich und vor allem feucht zu. Diesmal kam das Wasser nicht von oben.

Von Susanne Sodan

Es riecht nach Feuer, unter dem riesigen Badezuber knistert es, das Wasser dampft. Obenauf schwimmen Rosen, eine Badeente dreht ihre Runden – und mittendrin sitzt Michael Suhr, der Marktschreier. Er war der Erste, der in den Genuss eines Bades mitten auf dem Stolpener Marktplatz kam. Natürlich erst, nachdem alle Läuse entfernt, aller Dreck abgekratzt war. „Mit allen Wassern gewaschen“ lautete das Motto des historischen Stadtfestes diesmal. Höhepunkt war das Spektakel rund um den historischen Badezuber. „In den vergangenen Jahren kam das Wasser ja eher von oben“, erzählt Suhr. Diesmal sorgten die Stolpener einfach selber für Nässe – in der Hoffnung, dass der Regen dafür ausbleibt.

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Die Gräfin mischt sich unters Volk Geht es um die Geschichte Stolpens, dürfen auch die Berühmtheiten nicht fehlen. Gräfin Cosel alias Kerrin Bardoux und August der Starke alias Roland Buschak zogen über den Markt und kamen gern mit dem Fußvolk ins Gespräc
Die Gräfin mischt sich unters Volk Geht es um die Geschichte Stolpens, dürfen auch die Berühmtheiten nicht fehlen. Gräfin Cosel alias Kerrin Bardoux und August der Starke alias Roland Buschak zogen über den Markt und kamen gern mit dem Fußvolk ins Gespräc
Traditionelles Handwerk Sie können sie noch, alte Handwerkskunst. Schmied Jan Kalauch von der Schmiede Stolpen machte es vor. Dafür hatten sich die Handwerker auch entsprechend in Schale geworfen: Hemden mit Schnürkragen und Kniebundhose waren mindestens
Traditionelles Handwerk Sie können sie noch, alte Handwerkskunst. Schmied Jan Kalauch von der Schmiede Stolpen machte es vor. Dafür hatten sich die Handwerker auch entsprechend in Schale geworfen: Hemden mit Schnürkragen und Kniebundhose waren mindestens
Planschen auf dem Marktplatz in Stolpen: Zum historischen Stadtfest durfte jeder in den Zuber. Das erste Bad ging an Marktschreier Michael Suhr und Lisa Wagner. Eine Aktion, die viele Schaulustige auf den Markt zog. Fotos: Steffen Unger
Planschen auf dem Marktplatz in Stolpen: Zum historischen Stadtfest durfte jeder in den Zuber. Das erste Bad ging an Marktschreier Michael Suhr und Lisa Wagner. Eine Aktion, die viele Schaulustige auf den Markt zog. Fotos: Steffen Unger

Mädchen mit Blumenkränzen im Haar laufen über den Markt, Flötenklänge schwirren durch die Luft, ein Harlekin auf Stelzen bahnt sich seinen Weg. Das Schmiedefeuer prasselt, Schläge von Metall auf Metall tönen über den Markt. „Aufgemerkt und hergehört“, ruft der Marktschreier mit sonorer Stimme und verweist auf die Attraktionen. „Anderthalb Tage geht das“, erzählt Suhr. „Dann werde auch ich langsam heiser.“ Zum zwölften Mal ist er als Marktschreier im Einsatz. „Beim ersten Mal bin ich nur als Ersatz eingesprungen.“ Aber die Rolle in Kniebundhosen, Dreispitz und Gehrock hat gepasst.

Aufgemerkt – und mitgemacht – wurde bei den Handwerkern der Region. Sie zeigten historische Handarbeit: Am Stand der Schuhmacherei Lietze schlägt ein Geselle Holznägel in eine Sohle. Vor seiner improvisierten Schmiede steht Jens Weber. Am Amboss kann sich jeder ausprobieren. Schon seit Beginn des Stadtfestes ist der Schmiedemeister, wie die meisten anderen Handwerker, mit dabei. Für ihn bietet das Stadtfest auch die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren, für die im Alltagsbetrieb kaum Zeit bleibt. „Normalerweiser kommen unsere Aufträge aus dem Metallbau.“ Über die Jahre ist sein Stand immer wohnlicher geworden – mit Sofas, Fellen, einem Tisch, alten Zangen und Bildern an den Wänden. „Schließlich übernachten wir Handwerker zu jedem Stadtfest auch hier.“ Den Blasebalg aber hat Weber zu Hause gelassen. „Das wäre dann doch ein bisschen zu aufwendig“, sagt er mit einem Lachen.

Und mittendrin steht der Zuber. Acht Leute fasst er sicher. Aber auch nach dem Anbaden durch Michael Suhr trauen sich nur wenige Gäste hinein. Dabei gibt es, um den Badespaß perfekt zu machen, sogar noch Massagen von Grit Weber, Inhaberin des Neustädter Kosmetikstudios. Gemeinsam mit Marita Barthel von der Stolpener Badestube ist sie die Badefrau. Und was macht nun das perfekte Bad aus? „Eine gute Stimmung“, ist sich Marita Barthel sicher. Ein paar mutige Frauen zeigen es im Weyber-Zuber. Mit historischer Badekleidung, Häubchen und Gurkenmaske steigen sie ins Kokosöl-Bad. Nur der Cocktail dazu gehört in die moderne Welt. Einstimmiges Urteil: einfach entspannend, trotz der vielen Schaulustigen. Wenn es nach ihnen ginge, könnte das Motto im kommenden Jahr dasselbe bleiben. Zumindest der Zuber sollte wieder dabei sein. „Es war auf jeden Fall eine gelungene Idee“, sagt Organisatorin Annett Immel.