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Ein Bagger, Cola und ein Zufall

Der Großerkmannsdorfer Roland Schmidt wagte nach der Wende den Schritt in die Selbstständigkeit. Und könnte heute Drehbücher schreiben.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Wenn Roland Schmidt im Supermarkt am Regal mit den Coca-Cola-Flaschen vorbeigeht, fliegt nicht selten ein zufriedenes Lächeln auf sein Gesicht. Das hat nichts damit zu tun, dass der Bauunternehmer aus Großerkmannsdorf etwa gern Cola trinkt. Vielmehr war Coca Cola für ihn vor gut 25 Jahren zu einem echten Glücksfall geworden.

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Die Brüder Roland Schmidt und Frank Schmidt (r.) vor jenem kleinen Bagger, mit dem nach der Wende alles begann.
Die Brüder Roland Schmidt und Frank Schmidt (r.) vor jenem kleinen Bagger, mit dem nach der Wende alles begann. © Willem Darrelmann
Der Winterdienst ist über die Jahre zum wichtigen Standbein für die Firma geworden. Damit steht die Technik nicht ungenutzt rum, sagt Chef Roland Schmidt.
Der Winterdienst ist über die Jahre zum wichtigen Standbein für die Firma geworden. Damit steht die Technik nicht ungenutzt rum, sagt Chef Roland Schmidt. © Thorsten Eckert

Bis zur Wende arbeitete Roland Schmidt in der damaligen LPG – der Landwirtschaftlichen Produktions Genossenschaft – in Großerkmannsdorf. Er war Agrar-Techniker. „Aber nach der Wende stand ja die Zukunft der ostdeutschen Landwirtschaft ziemlich auf der Kippe“, denkt der Großerkmannsdorfer zurück. Außerdem gab es plötzlich durchaus die Chance, sich mit einem eigenen Unternehmen – abseits der Landwirtschaft – selbstständig machen zu können. Ein Wagnis, „aber eines, das mich gereizt hat“, sagt Roland Schmidt. Und er klingt durchaus zufrieden, dass er dieses Wagnis eingegangen ist. Er kaufte sich einen kleinen Bagger und meldete sein eigenes Unternehmen an. Ein Unternehmen, das sich mit Tiefbau befasste –  und so taufte der Großerkmannsdorfer seinen Betrieb dann auf den Namen „Schmidt Erdbau“. Anderthalb Jahre baggerte und buddelte Roland Schmidt mit seinem kleinen Bagger Baugruben sowie Kanäle und war an Straßenbauprojekten beteiligt. Ja, und dann kam die Sache mit Coca-Cola, verrät er. Der Getränke-Riese wollte auch in den Osten des wiedervereinten Deutschlands expandieren und suchte Produktionsstandorte für seine Cola. Natürlich war Dresden eine interessante Region; und das Unternehmen fand nahe des Radeberger Krankenhauses ein Grundstück.

Er wusste genau, wo es was gab

Ein Zufall sorgte dafür, dass das kleine Großerkmannsdorfer Ein-Mann-Tiefbau-Unternehmen die Leitung zur Baustellen-Einrichtung für das große neue Werk an der späteren Christoph-Seydel-Straße am Sandberg baggern konnte. „Schnell merkten die Verantwortlichen, dass wir uns gut in der Region auskannten, wir wussten, wo es schnell welche Baustoffe gibt und welche Firmen für bestimmte Arbeiten herangezogen werden konnten. Und so wurde aus dem kleinen Auftrag letztlich nach und nach ein für Roland Schmidt richtig großer. Er buddelte unter anderem die zahllosen Kanäle unter der Bodenplatte für die Produktionshalle; „wir investierten kräftig, aus drei Mitarbeitern wurden schnell 15“, denkt der Großerkmannsdorfer durchaus mit Stolz auf diese Jahre zurück. Wilde Jahre, wie er sie nennt. Nicht nur für die unerfahrenen Ost-Unternehmer in der Marktwirtschaft, „sondern auch für die Westfirmen hier im für sie so unbekannten Osten“, muss er kräftig schmunzeln. „Ich könnte jedenfalls Drehbücher für spannende Filme über diese ersten Jahre nach der Wende schreiben“, sagt er. Geschichten über Geschichten hat er erlebt. „Einmal“, erzählt er beispielsweise eine kleine davon, „einmal hat eine Baufirma einfach unseren Bagger samt Mitarbeiter eingemauert – also mussten wir die Wand einreißen, damit er wieder rauskommt…“

Dass er dabei durchaus hier und da recht risikoreiche Investitionen getätigt hatte, war ihm damals gar nicht so bewusst gewesen, weiß er heute. „Ich habe einfach Technik und Material bestellt – und bin davon ausgegangen, dass das auch alles korrekt bezahlt wird.“ Wurde es auch. „Die Zahlungsmoral stimmte damals.“ Heute ist das nicht mehr überall so, weiß er.

Eigene Kiesgrube gekauft

Coca-Cola war für den Großerkmannsdorfer jedenfalls das Fundament, auf dem er sein Unternehmen erfolgreich aufbauen konnte. „Es kamen dann Aufträge für Wohngebiete, wie das in Ullersdorf am Golfplatz zum Beispiel“, beschreibt er. Auch beim Ausbau des Radeberger Gewerbegebiets an der Pillnitzer Straße war Roland Schmidt mit seinem Tiefbau-Unternehmen dabei. Und er ging ein weiteres Wagnis ein –kaufte 1998 seine erste eigene Kiesgrube. In Wilschdorf, „aus einer Insolvenz heraus, aber immerhin mussten wir rund eine Million D-Mark Kredit dafür aufnehmen“, macht Roland Schmidt deutlich, dass er als Unternehmer auch durchaus mutige Entscheidungen treffen musste. „Natürlich hätte das alles auch nach hinten losgehen können“, weiß er. Ging es aber nicht. 2008 übernahm die Firma dann auch noch die rund 15 Hektar große Sandgrube „Am Taubenberg“ bei Kleinröhrsdorf. Damit sicherte Roland Schmidt das notwendige Baumaterial für seine Firma – und sorgte gleichzeitig für kurze Wege. „Fahrtkilometer sind ja auch Kosten“, macht er klar. Derzeit arbeitet er an der Betriebsplanung für eine mögliche Erweiterung Richtung Wallroda. Runde drei Hektar könnten hinzukommen, was den Kiesgruben-Betrieb für die kommenden 20 Jahre absichern würde. Natürlich weiß der Großerkmannsdorfer, dass es immer auch Bedenken gibt, wenn die Rede von Kiesabbau ist. „Deshalb wird in den Verträgen neben dem Abbau auch die Rückverfüllung festgelegt“, unterstreicht er. Das Gelände-Relief wird dann zu 95 Prozent wieder so sein, wie zuvor. „Wir arbeiten damit quasi auch schon jetzt perspektivisch mit für unsere Nachfolger“, sagt er lachend. Und fügt gleich mal vorsichtshalber an, dass er noch keine Gedanken ans Aufhören verschwendet. Und ob seine Kinder tatsächlich mal in seine Fußstapfen treten werden, ist aktuell zudem noch offen – auch, wenn seine Tochter bereits in der Buchhaltung mitarbeitet. „Was meine beiden Söhne mal vorhaben, wird sich zeigen“, bleibt er gelassen. Und hätte wohl durchaus sogar ein wenig Verständnis dafür, würden seine Söhne nicht irgendwann einmal seine Nachfolge antreten wollen. „Sie müssen das in jedem Fall von sich aus wollen, zwingen werde ich sie nicht“, macht er jedenfalls klar. Schließlich weiß er selbst nur zu genau, „dass ja eine Menge dranhängt …“, wie er sagt. Freizeit habe man als Unternehmer kaum, „selbstständig heißt eben tatsächlich selbst und ständig“, fügt er an.

Zwei Brüder, ein Unternehmen

Ein Familienunternehmen ist es zudem sowieso. Denn Roland Schmidt und sein Bruder Frank teilen sich die Geschäftsführung mittlerweile zu je 50

Prozent. Außerdem hat jeder der beiden noch eine eigene Firma. Frank Schmidt ist Chef des Radeberger Baumaschinen-Handels (RBM) und Roland Schmidt hat in Dresden das Unternehmen Schmidt-Ziegelhaus gegründet, kümmert sich dort um Baugrundstücke und die Planung von Einfamilienhäusern.

Aktuell denke er sowieso eher an die nächsten Aufträge, als an seine Zukunft als Rentner, macht Roland Schmidt jedenfalls deutlich. Und die nächsten Aufträge werden sicher die eine oder andere Straßenbaustelle in der Region sein – derzeit ist Schmidt-Erdbau ja beispielsweise mit bei der Sanierung der Straße des Friedens in Radeberg aktiv. „Und auch Müller-Milch in Leppersdorf ist für uns ein sehr wichtiger Auftraggeber, dort wird ja auch immer viel gebaut“, freut sich der Großerkmannsdorfer, nach Coca Cola nun wieder einen großen Kunden gefunden zu haben. Die Auftragslage ist gut, „wir haben unsere Mitarbeiterzahl auf 19 steigern können“, sagt er.

Im Winter: Winterdienst

Und das sind durchaus sichere Arbeitsplätze. Denn auch für die Wintermonate, in denen ja üblicherweise im Baugewerbe immer ein wenig Flaute herrscht, hat Roland Schmidt eine Alternative gefunden. „Warum soll die teure Bautechnik ungenutzt rumstehen und meine Leute zwischenzeitlich aufs Arbeitsamt?“ Roland Schmidt hat seit Jahren das Thema Winterdienst als wichtiges Standbein für die kalte Jahreszeit aufgebaut. Für die Stadt Radeberg und für den Landkreis beräumt er mit seinen Mitarbeitern nun Straßen vom Schnee, „und neuerdings auch den Parkplatz von Kaufland in Weißig, immerhin rund 30 000 Quadratmeter sind das“.

Dass aus dem Familienbetrieb demnächst ein riesiges Unternehmen wird, ist dabei nicht zu erwarten. „Es muss überschaubar bleiben, sonst wird es schwierig“, ist Roland Schmidt überzeugt. Am Standort an der Alten Hauptstraße in Großerkmannsdorf sind zwei große Hallen entstanden, „das reicht erst mal aus“. Die Technik ist gut ausgelastet – was mit Blick auf die durchaus enormen Investitionen für einen Baulaster auch wichtig ist. „Da kommen schon mal 250 000 Euro für ein solches Fahrzeug zusammen“, macht der Chef deutlich. Zumindest beim Strom hat er dabei eine gute Einsparmöglichkeit gefunden. „Wir haben unsere Hallendächer mit Solar-Anlagen ausgestattet, erzeugen quasi unseren Strom weitgehend selbst, sodass wir da stabile Kosten haben“, sagt er. Hinzu kommt seine Philosophie, als Unternehmen nicht unbedingt alles selbst können zu müssen. „Es gibt einfach für vieles Spezialisten – und da ist es besser, regionale Netzwerke zu bilden, da haben alle etwas davon“, ist Roland Schmidt überzeugt.

Und natürlich weiß er, dass auch immer das notwendige Quäntchen Glück nötig ist. So wie damals, mit Coca-Cola…