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Ein beeindruckender Sieg für Görlitz

Es ist genau 15.25Uhr am Dienstagnachmittag, als der Görlitzer Waggonbau-Chef Siegfried Deinege endlich die Sektflasche entkorken kann: Nach monatelangem Bangen und Hoffen, nach zwei Jahren Arbeit, die ihm und seinen Mitarbeitern Außergewöhnliches und manchmal auch Übermenschliches abverlangt hatte.

Von Jana Ulbrich

Es ist genau 15.25Uhr am Dienstagnachmittag, als der Görlitzer Waggonbau-Chef Siegfried Deinege endlich die Sektflasche entkorken kann: Nach monatelangem Bangen und Hoffen, nach zwei Jahren Arbeit, die ihm und seinen Mitarbeitern Außergewöhnliches und manchmal auch Übermenschliches abverlangt hatte.

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Dienstagnachmittag, 15.25Uhr, haben die Vorstände von Bombardier Transportation und den Schweizerischen Bundesbahnen ihre Unterschrift unter einen Milliarden-Vertrag gesetzt – den größten, den das staatliche Schweizer Bahnunternehmen je ausgelöst hat.

Unter Federführung der Görlitzer werden in den kommenden neun Jahren 59 Doppelstock-Schnellzüge mit insgesamt 436 Wagen für den Eisenbahnfernverkehr in der Schweiz gebaut. 1,3Milliarden Euro ist der Auftrag wert – hinzu kommt die Option für den Bau von mehr als 100 weiteren Zügen.

„Ich bin einfach nur stolz und überglücklich“, sagt Siegfried Deinege sichtlich gerührt vor versammelter Presse. Der riesige Auftrag aus der Schweiz ist für den 55-Jährigen auch ein großer persönlicher Erfolg: Zwei Jahre lang hatte ein mehr als 200-köpfiges Bombardier-Team unter seiner Leitung an den Ausschreibungsunterlagen für das Projekt „Schweiz“ gearbeitet. Es war ein Risiko, dessen Kosten in die Millionen gingen.

Am Ende ist es ein beeindruckender Sieg: Die Görlitzer haben sogar einen großen Schweizer Konkurrenten ausgestochen. „In allen Punkten war das Bombardier-Angebot spitze“, freut sich Deinege, „nicht nur im Preis, sondern auch in der Terminkette, in Komfort und Design – und vor allem in Technik und Innovation.“ Denn die neuen Doppelstockzüge für die Schweiz werden Schienenfahrzeuge einer ganz neuen Generation.

„Das werden die Züge der Zukunft“, sagt Deinege stolz. Denn für das kurvenreiche Schweizer Schienennetz und Geschwindigkeiten bis zu 200 km/h reicht die herkömmliche Neigetechnik nicht mehr aus. Für den „Twindexx“ hat Bombardier deshalb eine ganz neue Fahrwerkstechnologie entwickelt, mit der die hohen Geschwindigkeiten problemlos gefahren und die berühmt-minutiösen Schweizer Fahrpläne punktgenau eingehalten werden können.

Entlassungen vom Tisch

Der Auftrag sichert dem Standort Arbeit bis mindestens 2019 und – so die Option – auch noch weit darüber hinaus. Die wegen der gegenwärtigen Auftragsflaute bereits ins Auge gefassten Entlassungen von 134 Mitarbeitern sind damit vom Tisch. Ihm sei ein großer Stein vom Herzen gefallen, sagt er mit ehrlicher Erleichterung.

Ein Team von 50 Mitarbeitern aus Deutschland, Schweden und der Schweiz hat gestern mit den technischen Vorbereitungen begonnen. Schon in einem Jahr soll die Produktion der neuen Züge starten.

Dann bestehen auch gute Aussichten, dass die gegenwärtig 600 Kurzarbeiter wieder voll beschäftigt sind. Um die Auslastung auch langfristig abzusichern, hofft man bei Bombardier aber auch weiterhin auf den baldigen Abruf neuer Doppelstockzüge durch die Deutsche Bahn. Ein Rahmenvertrag für bis zu 800 Züge war schon 2009 unterschrieben worden. Die erste Bestellung aus dem eigenen Land aber steht noch aus.Auf ein Wort