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Ein Beobachter des Welttheaters

Harald Metzkes gehört zu den bedeutendsten Malern im Osten Deutschlands. Am 23. Januar wurde der gebürtige Bautzener 90 Jahre alt.

Von Miriam Schönbach
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Harald Metzkes bei einer Ausstellungseröffnung in Bautzen 2018.
Harald Metzkes bei einer Ausstellungseröffnung in Bautzen 2018. © Miriam Schönbach

Bautzen. Wie auf einem Opfertisch harrt der erstarrte, große Fisch auf einem weißen Tuch aus. Bereitgelegt sind Sezierbesteck und Walfanggeräte im aufgeschlagenen Buch. Düster und kalt wirkt das Gemälde Harald Metzkes im Museum Bautzen. Entstanden ist das Bild mit dem Titel „Stör“ vor über 60 Jahren. Bis heute steht der gebürtige Bautzener an seine Staffelei. Am 23. Januar hat der einstige „Cézannist“ vom Prenzlauer Berg seinen 90. Geburtstag gefeiert. 

Harald Metzkes wird 1929 in Bautzen geboren und beginnt in der Spreestadt die ersten Malstudien beim Aquarellisten Alfred Herzog. Zudem macht der Sohn eines Arztes nach dem Abitur eine Steinmetzlehre beim Bautzener Bildhauer Max Rothe. Danach packt er seine Malutensilien zusammen und studiert ab 1949 Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Wilhelm Lachnit. Sechs Jahre später wird er Meisterschüler bei Otto Nagel an der Akademie der Künste in Berlin. Von der Elbe geht es an die Spree.

Wenig später gerät „Cézannist“ - diesen Beinamen erhält er durch seine Wesensverwandtschaft mit dem großen französischen Wegbereiter der modernen Malerei – mit dem Gemälde „Abtransport der sechsarmigen Göttin“ ins Visier der DDR-Kulturpolitik. Der Vorwurf lautet: Statt „sozialistischer Realist“ sei er „bürgerlicher Formalist“. Mit seinen Kollegen Manfred Böttcher, Hans Vent, Lothar Böhme und Werner Stötzer gilt Metzkes als Begründer der ideologiefernen „Berliner Schule“. Die Künstler schufen fernab der offiziellen Kulturpolitik der DDR ihr Werk, wie Metzkes „Stör“ auf dem Seziertisch aus dem Jahr 1957 im Museum Bautzen.

Die Freude am Gegenständlichen

Das Lebenswerk von Harald Metzkes umfasst mehrere 1.000 Ölgemälde, Druckgrafiken, aber auch Plastiken. Seine Bilder zeigen Porträts, Akte, Stillleben, Landschaften, mythologische Themen und immer wieder auch die Welt der Künstler und Artisten. Metzkes Arbeiten kennzeichnet die Freude am Gegenständlichen. „Häufig verweben sie reelle und fiktive Ebenen miteinander“, sagte Hagen Schulz bei der Eröffnung der letzten Metzkes-Ausstellung „Das Bild einer Frau“ in Bautzen im vergangenen März in der Galerie „Budissin“. Inspiriert fühlt sich der Maler bis heute neben Cézanne von Watteau, Delacroix, Courbet, Matisse und Picasso. 1988 nimmt der Künstler an der Biennale in Venedig teil.

Dem Berliner Großstadtleben hat Harald Metzkes längst den Rücken gekehrt. Nach der Wende zog er mit seiner 2014 verstorbenen Frau Elrid Metzkes nach Wegendorf ins märkische Oderland, wo Sohn und Tochter nur wenige Schritte entfernt wohnen. Sein Atelier nennt er „Keimzelle der künstlerischen Schöpfung“. Die „Malerei“, sagt er, sei für ihn „wie eine Droge“. Sein Programm habe zwei Punkte. Natur und Auge. Immer wieder habe er erlebt, dass das Materielle ihn beglücke und bedränge, Menschen zu streicheln und zu rempeln. Harald Metzkes gehört zu den bedeutendsten Malern in Ostdeutschland.

Als Maler sieht sich Harald Metzkes als „Beobachter eines Welttheaters, in dem die Welt sich aber abspielt, nicht dahinter. Es wäre sehr schön, das Leben darzustellen, wie es ist, aber ich spüre, dass man da nicht aufhören kann, es muss ja auch etwas gelöst werden“. Neben dem Museum Bautzen sind seine Werke unter anderem in der Nationalgalerie in Berlin, im Museum der bildenden Künste Leipzig, in der Kunstsammlung zu Weimar oder in der Kunsthalle Rostock zu sehen. 2007 hat ihn das Land Berlin mit dem Hannah-Höch-Preis für sein Lebenswerk geehrt, 2012 erhielt er den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg.