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Ein Bergwerk ist aufgetaucht

Löbau. Lange wurde danach gesucht. Nun sind die alten Stollen wieder entdeckt worden und haben dabei alle Erwartungen übertroffen.

Von Daniela Pfeiffer

Für die große Kreisstadt ist es eine archäologische Sensation! Das alte Bergwerk, das seit mehr als 150 Jahren verschollen war, ist am Löbauer Berg wieder entdeckt worden. „Wir haben bisher schon in der richtigen Richtung gesucht – nur eben nicht ganz an der richtigen Stelle“, sagt Mathias Pilz, ein Löbauer Forscher, der den Eingang nach jahrelanger Suche kürzlich entdeckte. Auf die richtige Spur führten ihn schließlich alte Akten, die ein Bekannter in einem Berliner Archiv fand. „Darunter war eine genaue Skizze und danach war es einfach, die richtige Stelle auszumachen“, so Mathias Pilz.

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Wo sie sich genau befindet, soll aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich gesagt werden. Zwar waren bereits Bergsicherung, Vertreter der Stadtverwaltung, das Landesamt für Archäologie und das Görlitzer Naturkundemuseum vor Ort. Doch obwohl der Fund eingemessen und dokumentiert wurde, ist ein Betreten für Unbefugte noch immer sehr gefährlich. Schließlich geht das gesamte Bergwerk, das aus drei untereinander liegenden Gängen besteht, etwa 28 Meter in die Tiefe.

Dritter Gang voller Wasser

Allein schon, dass drei Gänge – genannt Sohlen – gefunden wurden, hält Pilz für sensationell. „Das ist für die Oberlausitz untypisch. Ein weiteres mittelalterliches Bergwerk dieser Größe ist in unserer Region nicht bekannt.“ Die mehr als 80 Meter langen Gänge hat Pilz mit seinen Mitstreitern natürlich schon gründlich erforscht. Mit Taschenlampen ging es hinein in das kühle, nasse Gestein. „Was an den Wänden so glitzert, ist Quarz“, erklärt Mathias Pilz. Der zweite Gang war zunächst noch mit Wasser gefüllt, das erst ausgepumpt werden musste. „Erst danach haben wir erstaunt festgestellt, dass es acht Meter darunter noch einen dritten Gang gibt.“ Den hat bislang noch niemand betreten – auch er ist voller Wasser. Im Moment fehlt es aber an Geld für das Auspumpen.

Attraktion der Gartenschau

Aus welcher Zeit das Bergwerk stammt, ist indes noch nicht erwiesen. Die bislang älteste Erwähnung, die gefunden wurde, stamme aus dem Jahr 1560. Im so genannten „schwarzen Buch“ Löbaus, in dem „Schulden, Zinsen, Abgaben und andere Angelegenheiten“ niedergeschrieben worden waren, fanden sich auch Ausgaben für Bergleute.

Um 1845 wurde das Bergwerk wieder entdeckt. Damals meldete sich sogar Kurfürst Johann Georg schriftlich bei den Löbauern und bat sie, „die des Bergbaus erfahrene Person“, die er schicke, anzuleiten und zu unterstützen. Schließlich sei der Bergbau heilsam für das Land.

Kurze Zeit später allerdings war das wieder aufgetauchte Bergwerk bereits erneut verschüttet. Erst Mathias Pilz’ akribische Suche – seit seiner Schulzeit befasst sich der 28-Jährige bereits mit diesem Thema – hat dieses wichtige Stück Stadtgeschichte wiedergebracht.

Was jetzt aus dem Aufsehen erregenden Fund wird, ist aber noch unklar. „Es ist toll zu wissen, dass es wieder da ist“, sagt Bürgermeister Guido Storch. „Wir wollen das Bergwerk schon gern irgendwann touristisch einbeziehen – gerade im Hinblick auf eine eventuelle weitere Bewerbung um die Landesgartenschau ist es natürlich sehr interessant.“