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Ein besonderer Lebensretter

Ebersbach. Armin Busse arbeitet seit 40 Jahren als ehrenamtlicher Pilz-berater und hat dabei schon etwa 2 800 Giftpilze aus dem Verkehr gezogen.

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Von Romy Kühr

Seit 40 Jahren hilft Armin Busse, Leben zu retten. Dabei ist er weder Arzt, noch Rettungssanitäter. Er ist auch kein Feuerwehrmann oder Polizist. Der Wahl-Ebersbacher begann 1965 seine Tätigkeit als ehrenamtlicher Pilzberater oder wie es damals offiziell hieß als Kreispilzsachverständiger. Aus diesem Anlass lud er kürzlich Freunde und Kollegen zu einer kleinen Jubiläumsfeier nach Bagenz ein. Denn im Spremberger Raum hat damals alles begonnen, hier ist sein zweites Zuhause.

„Bevor man Pilzsachverständiger wird, muss man eine strenge Prüfung ablegen“, erzählt Armin Busse. „Zirka 60 Pilzarten sollte man aus dem Kopf kennen.“ Vor allem muss man giftige Pilze von den Essbaren hundertprozentig unterscheiden können. Außerdem, so schreibt es die Deutsche Gesellschaft für Mykologie vor, muss jeder Pilzberater aller fünf Jahre eine Weiterbildung absolvieren. Denn auch in der Pilzkunde gibt es hin und wieder Änderungen. Als aktuellstes Beispiel nennt Armin Busse den Grünling. Früher als Speisepilz beliebt, wurde er erst kürzlich zum Giftpilz erklärt. „Man hat herausgefunden, dass er Stoffe enthält, die in Verbindung mit bestimmten Erkrankungen und Vergiftungen stehen.“

Schon frühes Interesse

Für die Natur interessierte sich Armin Busse schon als kleiner Junge. „Ich war immer draußen unterwegs, habe viel Zeit im Wald beim Förster verbracht.“ Die Frau eines Lehrers, in dessen Haus er als Kind ein und aus ging, war Pilzberaterin. „Da habe ich diese Tätigkeit aus nächster Nähe mitbekommen und praktisch alles von der Pike auf gelernt.“ So umfasst das persönliche Wissen des Pilzberaters heute rund 300 Pilzarten. „Angesichts von rund 400 000 Pilzarten, die es auf der ganzen Welt gibt, ist das nicht viel“, sagt Armin Busse. „Allein in der Lausitz findet man rund 4 000 Arten“, schätzt er. Da kommt es auch schon mal vor, dass er bei einer Beratung kapitulieren muss. „Im Zweifelsfall gehört der Pilz immer aussortiert.“ So hat Armin Busse während seiner Tätigkeit als Pilzberater schon über 2 800 Giftpilze, die Sammler zu ihm brachten, aus dem Verkehr gezogen. Obwohl auch bei den Pilzsachverständigen der Nachwuchs fehlt, ist das Interesse der Bevölkerung enorm groß. Davon zeugen die zahlreichen Besucher bei den Pilzausstellungen, Lehrwanderungen und Vorträgen von Armin Busse. Sogar von Ärzten und Rettungssanitätern wird er zu Rate gezogen, wenn die in einem Vergiftungsfall nicht mehr weiter wissen.

Er teilt sein Wissen gern. Deshalb hat er ein Pilzbüchlein speziell für die Lausitz herausgebracht. Zurzeit arbeitet er an einer Pilzfibel für Kinder. 20 kleine Testleser haben schon ihr Urteil abgegeben und waren begeistert. Jetzt sucht Armin Busse einen Verlag für seine Kinderpilzfibel. Daneben nimmt sich der Pilzberater aber immer noch Zeit für sein eigentliches Hobby: Die Radtouristik. Zu seiner Trainingsstrecke gehören selbst die 120 Kilometer bis nach Spremberg, wo der 64-Jährige regelmäßige Beratungszeiten wahrnimmt.