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Ein bisschen Störenfried sein

Heute erhält das Akubiz in Berlin den Regine-Hildebrandt-Preis. Der Pirnaer Verein nimmt ihn dankend an.

© Marko Förster

Von Maria Trixa

Es war ein gutes Jahr für das Alternative Kultur- und Bildungszentrum, kurz Akubiz. Das betrifft zumindest die Würdigung der ehrenamtlichen Arbeit. Erst am Freitag nahmen Mitglieder des Pirnaer Vereins in Dresden den Sächsischen Integrationspreis entgegen. Der gebührt ihnen nicht allein, sondern allen Vereinigungen, die sich in der AG Asylsuchende zusammengetan haben, sowie der Dresdner Faninitiative „1953 international“. Gemeinsam ermöglichten sie Asylsuchenden den Besuch von Heimspielen von Dynamo Dresden und Kindern mit Migrationshintergrund die Teilnahme an Trainingslagern.

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Heute sind fünf Aktive des Akubiz erneut unterwegs, um eine Ehrung für ihren Einsatz gegen Rechtsextremismus entgegenzunehmen. Im Willy-Brandt-Haus erhält das Akubiz als einer von drei Preisträgern den mit 20 000 Euro dotierten Regine-Hildebrandt-Preis. Die SPD vergibt den Preis zum zwölften Mal. Es wird eine feierliche Veranstaltung. Etwa 400 Gäste sind geladen, darunter Mann und Kinder der vor zwölf Jahren verstorbenen SPD-Politikerin.

Auch Steffen Richter darf sprechen. Er wird die fünf Minuten vor der versammelten sozialdemokratischen Politikprominenz nutzen und den Standpunkt des Akubiz zu Asylsuchenden bekräftigen. „48 Millionen Menschen in der Welt sind auf der Flucht. Wir sind als Land in der Pflicht, den Menschen, die herkommen, würdige Lebensbedingungen zu bieten.“ Das Thema bewegt ihn seit der Schulzeit, denn es markiert auch den Beginn seines persönlichen politischen Engagements. „Mein Religionslehrer lud damals Flüchtlinge aus dem Porschendorfer Heim zum Gespräch“, erinnert sich der 34-Jährige. Er hat nicht vergessen, wie die Flüchtlinge in dem heruntergekommenen Heim hausten.

Seither hat sich auch etwas verbessert. Gerade Familien werden öfter dezentral in Wohnungen untergebracht. Asylsuchende erhalten Geldleistungen statt zugeteilter Essensrationen. Trotzdem gibt es noch viel zu tun. Vor allem die Residenzpflicht müsse abgeschafft werden, findet Steffen Richter. „Ein Asylsuchender macht sich bereits strafbar, wenn er bloß von Freital nach Pirna fährt“, führt der Vorsitzende ein Beispiel an. Da ist es gut, dass die Arbeit des Akubiz sogar in Berlin gewürdigt wird.

Menschen mehr berühren

Der Preis stellt bereits die sechste Auszeichnung in diesem Jahr für den Verein dar, der anfangs nur Schutzraum sein wollte. „Wir waren nicht politisch“, sagt Steffen Richter. 2001 trieb die inzwischen verbotene Vereinigung Skinheads Sächsische Schweiz noch ihr Unwesen in der Region. Die Initiatoren des Akubiz wollten den Opfern rechter Gewalt, zu denen sie selbst zählten, geschützte Räume bieten. Die Beschäftigung mit der rechten Szene blieb nicht verborgen, es folgten Einladungen zu Vorträgen. „Anfangs wurden wir von Behörden als Störenfriede wahrgenommen“, erinnert er sich. Nachdem 2011 Pirnaer Firmen und Bürger gegen ein Flüchtlingsheim protestierten, habe sich das geändert. „Wir teilen auch nicht einfach nur gegen Behörden aus“, erklärt er sich den Umschwung. „Obwohl, ein bisschen Stören ist schon gut.“

Ab 2005 entstanden die Ausstellungen, die sich mit rechter Musik, Kleidung und Symbolik auseinandersetzen. Inzwischen sind die Plakate in ganz Deutschland herumgekommen, und Steffen Richter findet ihr Konzept veraltet. „Ich wünsche mir, dass Schulen mit den Ausstellungen arbeiten können, Diskussionen führen können“, beschreibt der Heilerziehungspfleger die Grundidee. An Ideen für die weitere Bildungsarbeit mangelt es nicht. Ein Geschichtsbuch ist in Arbeit. Kalte, historische Fakten wird es darin nicht geben. Die Opfer der Nazis im Landkreis kommen zu Wort. „Ich möchte die Menschen mehr berühren.“ Bei der Umsetzung solcher Ideen helfen Auszeichnungen wie die heutige.