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Ein Blick hinter die Kulissen der Milchwelt

Die Krabat Milchwelt in Kotten zeigt offen, wie der Betrieb läuft und gestaltet den Einblick für Erwachsene und Kinder anschaulich.

Nicht nur die Besucher sind an diesem Tag neugierig – auch die Kälber. Bereits am ersten Tag erhalten die Jungtiere zwei Ohrmarken. Das ist gesetzlich vorgeschrieben.
Nicht nur die Besucher sind an diesem Tag neugierig – auch die Kälber. Bereits am ersten Tag erhalten die Jungtiere zwei Ohrmarken. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. © Foto: Gernot Menzel

Kotten. Auf über 90 Kilometern führt der Krabat-Radweg durch verschiedene Orte in der Lausitz. Es geht unter anderem durch Groß Särchen, Commerau, Ralbitz-Rosenthal, Panschwitz-Kuckau, Kamenz, Schwarzkollm und Wittichenau. Auch Kotten liegt am Wegesrand. Dort befindet sich die Krabat Milchwelt – benannt nach diesem Rundweg.

Die Krabat Milchwelt ist eine Marke der MKH Agrar-Produkte-GmbH Wittichenau. Aus der LPG Wittichenau ging der Betrieb im Jahr 1991 hervor. Die Philosophie des Unternehmens ist zum einen nachhaltige Landwirtschaft und weiterhin artgerechte Tierhaltung. Auch Transparenz nimmt einen hohen Stellenwert ein. Verschiedene Veranstaltungen auf dem Gelände ermöglichen Interessierten das ganze Jahr über, einen Einblick zu erhalten und so die Arbeit hinter den Kulissen zu verstehen.

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Eigens für Familien gibt es in den Schulferien die Führung „Auf Kuhfühlung“. Dabei ist die Kreislaufwirtschaft des Hofes hautnah erlebbar. Denn es wird alles genutzt, was im Laufe der Produktion „anfällt“. Die Besucher sind gespannt auf die Eindrücke, erwarten viele Informationen und die Kinder geben sich der Vorstellung hin, möglicherweise auf einer Kuh reiten oder sie melken zu dürfen.

Vom Kälbchen zur Kuh

Nach einer kleinen Stärkung mit frischer Milch, Kaffee und Müsli beginnt die Tour bei den Kälbern. Im Jahr werden auf dem Hof etwa 310 bis 320 Kälber geboren. Beinahe täglich kann ein Frischgeborenes entdeckt werden. Die ersten Stunden verbleiben sie bei der Mutter. Danach werden sie in getrennten Abteilen, mit einer Box als Unterstand, auf dem Hof untergebracht.

Die Schar ist 12 bis 14 Tage alt. Es sind bereits enorme Größenunterschiede zu erkennen. Hier werden sie dreimal täglich getränkt. Es gibt jeweils 2,5 Liter Milch, die eine Temperatur von 40 Grad Celsius hat. Das macht das sogenannte Milchshuttle möglich – ein fahr- und temperierbarer Tank, der pro Stoß genau die richtige Menge dosiert abgibt.

Danach folgt die Unterbringung in einem Stall mit Auslauf. Mit Heu und Kraftfutter werden die Tiere angefüttert. Der Magen muss sich erst entwickeln. Milch wird dennoch weiterhin gegeben. Aber nun nicht mehr von Hand, sondern automatisch. Dafür tragen die Tiere Transponder um den Hals. Ein Liter Milch steht täglich zur Verfügung. Nach dieser Menge wird die Zufuhr automatisch gestoppt.

Mit zehn Wochen erfolgt eine erneute Umstellung auf Molke und Heu. Mit etwa 15 Monaten sind die Tiere zuchtreif. Bestenfalls gibt es jedes Jahr ein Kalb und somit auch eine Milchperiode. Die künstliche Befruchtung wird einige Wochen nach dem Abkalben vorgenommen.

Moderne Hilfen

In dem großen Stall findet sich Platz für 150 Tiere, die jeweils einen Liege- und einen Fressplatz haben. Früh wird das Futter vor ihnen ausgebreitet. Im Laufe des Tages wird es nötig alles wieder zusammenzuschieben, damit es für die Tiere weiterhin erreichbar bleibt. Diese Aufgabe übernimmt eine Maschine, die auf einer Schleife fährt und somit das Kehren übernimmt. Eine weitere Unterstützung im Stallbetrieb ist eine Anlage, die hinter den Tieren den Dung zusammenschiebt, der letztendlich in einer Grube landet.

Da es schwierig ist allein von der Milch zu leben, besteht großes Interesse an der weiteren Verwertung. Und hier setzt eine weitere Komponente im Kreislauf ein: die Biogasanlage auf dem Gelände. Hier wird die Gülle in einem Fermenter erhitzt. Flüssiges und Gas trennen sich, das Gas wird gereinigt und letztendlich die Feuchtigkeit abgezogen. Der Restgülle wird Schwefel beigefügt und die wird anschließend als Dünger auf den eigenen Feldern verwendet. Die entstehende Abwärme wird unter anderem dem Melkstand und der Käserei zugeführt.

Von der Milch zum Käse

Im Jahr 2008 wurde mit der Käseherstellung begonnen. Pro Tag und Kuh stehen 34 Liter Milch zur Verfügung. 500 Liter Milch ergeben etwa 50 Kilogramm Käse, was wiederum circa einem Dutzend Laiben entspricht.

Ein gutes Bild von der Herstellung können sich Besucher in der Schaukäserei machen. Eine Vielfalt an Schritten ist nötig, bis das fertige Produkt in der Auslage liegt. Milch kann als eines der vollwertigsten Lebensmittel bezeichnet werden. Sie enthält Wasser, Eiweiß, Fett, Vitamine und zahlreiche Mineralstoffe. Die Produktpalette zeichnet heute eine besondere Vielfalt aus. Eine kleine Verkostung verschiedener Sorten lässt die Besucher besser verstehen, worüber geredet wird.

Doch vorher kommt das Melkkarussell zum Einsatz. Hier ist Platz für 24 Kühe. Besonders diese Einrichtung zieht die staunenden Blicke der Besucher auf sich. Von einem Vorwartehof geht es über eine Schleuse zu den Plätzen. An die Abläufe gewöhnt, finden sich die Kühe ein und folgen problemlos aufeinander. Von Hand wird vorgemolken. Dann werden die Kühe an das Melkzeug angeschlossen. Automatisch fällt es ab, wenn der Vorgang abgeschlossen ist. Etwa eine Viertelstunde dauert eine Runde und bis die Tiere die Anlage wieder verlassen dürfen. Doch meist ist das Melken bereits nach sechs bis acht Minuten abgeschlossen.

So kommen an einem Tag an die 15.000 Liter Milch zusammen, die täglich abgeliefert werden. Der Bedarf für die Käserei wird extra abgeführt. Damit schließt sich der Kreis.

Die Besucher staunen, wie Altes und Modernes zusammenkommt und sich ergänzt. Die Kinder zeigen sich fasziniert vom Melkkarussell und würden gerne den Kälbern einen weiteren Besuch abstatten. Zum Abschluss bietet sich die Möglichkeit, im Hofladen Käse und Milch zu erwerben.

In der nächsten Zeit soll noch ein neuer Stall errichtet werden, der dann Platz für 200 bis 220 Kühe hat. Zuletzt wurde 2014 ein neuer Stall eingeweiht.

Auf der Wiese beginnt die Familienführung in der Milchwelt.
Auf der Wiese beginnt die Familienführung in der Milchwelt. © Foto: Gernot Menzel
Das Milchkarussell bietet Platz für 24 Kühe.
Das Milchkarussell bietet Platz für 24 Kühe. © Foto: Juliane Mietzsch

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