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Ein Blick ins Nasse-Füße-Haus

Die Pirnaer Straße 2 in Königstein wird Begegnungszentrum. Beim Baustellentag war vor allem der Flutschutz Thema.

© Marko Förster

Von Heike Sabel

Viel und lange wurde schon über dieses Haus gesprochen. Deshalb wollen Simone Herschmann und Birgit Wolf es sich jetzt ansehen. „Wir interessieren uns doch für unsere Heimat“, sagen sie und steigen die hölzernen Behelfstreppen hinauf in die obere Etage. Begegnungszentrum Königstein, Pirnaer Straße 2, steht draußen auf der großen Bautafel. Drinnen erklärt Planerin, Architektin und Bauleiterin Annett Ammon, was es mit dem Mitte des 18. Jahrhunderts gebauten Haus auf sich hat.

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Ins Erdgeschoss soll die Touristinformation, oben ein großer Saal, außerdem bekommt das Haus einen Fahrstuhl und zwei kleinere Säle. Vom großen Saal gibt es Türen auf den Balkon, von dem man auf den Platz vor dem Haus schauen kann – und der über Treppen gleichzeitig der zweite Rettungsweg ist. Die Haustechnik ist unterm Dach untergebracht. Man hat aus den Hochwassern gelernt.

Genau das ist die Frage, die immer wieder gestellt wird. Die Biela fließt draußen vorbei. Derzeit unschuldig. Doch bei Hochwasser steht das Haus sofort im Wasser. Dieser Fakt brachte Bürgermeister Frieder Haase (parteilos) schon manche Kritik für sein Projekt Begegnungszentrum ein. „Klar wird das Haus feucht, aber danach müssen wir nur trocken, nicht mehr alles rausreißen“, sagt Annett Ammon. Der feuchte Keller wurde mit einer sogenannten Horizontalsperre abgetrennt, Material verwendet, das der Nässe trotzt. Dennoch sehen es einige Königsteiner skeptisch, dass gerade in dieser Senke das Haus für insgesamt 1,7 Millionen Euro umgebaut wird. Die, die am Sonnabend zum Baustellentag kamen, wollten sehen, wie das viele Geld eingesetzt wird.

Michael Johne schaut sich immer wieder um und schüttelt den Kopf, als könne er es selbst nicht glauben und sagt zum wiederholten Mal: „Das ist ideal, ich bin begeistert.“ Gemeinsam mit Faschingspräsident Gerald Schnecke schmückt er in Gedanken schon den Saal und sieht die Leute feiern. „Endlich wieder ein Domizil“, sagen und hoffen sie. Auch für andere Königsteiner Vereine. Viele Besucher erinnern sich an das Haus, wie es früher war. Mit dem Hut- und dem Spirituosen- und Tabakladen, in dem in der Adventszeit immer ein wackelnder Weihnachtsmann stand. Einer war da, dessen Oma wohnte in dem Haus, ein anderer, dessen Opa hier arbeitete. Das Haus war ein besonderes und soll es nun wieder sein. Viel ist von damals nicht übrig geblieben. Auf den ersten Blick. Schaut man im Saal aber nach oben, sind viele der Balken noch die ursprünglichen. Aufgearbeitet natürlich und ergänzt.

Eine 81-Jährige Ur-Königsteinerin setzt sich auf einen Stuhl an den provisorischen Tisch im Saal und fragt: Wo ist denn der Saal? Sie sitzen drin. Aha. Sie sagt Bauleiterin Annett Ammon, sie solle sich beeilen, schließlich wolle sie noch erleben, wenn das Haus fertig ist. Das soll im nächsten Frühjahr sein, vielleicht auch etwas eher.

Die beiden Männer vom Faschingsverein stehen noch vor dem Haus. Dort wo das Schild „Baustellenbesichtigung, nur heute“ wie der Hinweis auf ein Schnäppchenangebot wirkt. Der große Vorplatz, ideal, schwärmen die beiden Männer. Hier könnte man auch im Sommer was machen. „Ich hätte nie gedacht, dass wir das Haus mal nutzen können“, sagt er. Hauptsache, die Königsteiner kommen auch, sagt Schnecke. So viele, wie in den Anfangsjahren des Königsteiner Faschings, als noch in drei Sälen gefeiert wurde, werden es wohl nicht mehr, aber Hauptsache, nicht mehr jedes Mal woanders hingehen müssen.

Annett Ammon ist am Sonnabend mit der Resonanz und dem Interesse zufrieden. Seit zehn Jahren begleitet sie das Begegnungszentrum. Erst war die Suche nach den Fördermitteln, nun wird auch schon wieder vier Jahre dran gebaut, unterbrochen vom Hochwasser voriges Jahr. Biela und Elbe werden wohl wieder mal über die Ufer treten, sagt die 81-jährige Königsteinerin, die sich von Annett Ammon den Saal hat zeigen lassen. „Königstein lebt mit dem Wasser.“ Das neue Begegnungszentrum müsse eben so gebaut werden, dass es nach einer Flut schnell wieder nutzbar ist. Auch wenn man zwischendurch hier mal nasse Füße bekommt.