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Ein Bürger ohne Versicherungsschutz galt als Schlendrian

Im 19. Jahrhundert empfahl die Stadtverwaltung dringend, sich gegen Brände zu versichern.

Von Ralph Schermann

Am 8. Dezember 1867 gab es Trompetensignale und Glockenschläge von den Stadttürmen: Feueralarm. Es brannte in der Tischlerei Balzer auf der Bautzener Straße. Eine halbe Stunde nach der Brandmeldung traf die erste Feuerspritze ein – und fand kein Wasser. Das Haus brannte aus, der Geselle Theodor Stiehr starb in den Flammen. Mit größter Not wurden Nebengebäude vor einem Übergreifen des Feuers verschont.

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Der Magistrat zog zwei Lehren aus dem Brand. Erstens müsse man endlich mehr dafür tun, dass „aus dem vor einigen Jahren reformierten Feuerlöschinstitut endlich eine richtige Feuerwehr wird“. Zweitens nahm die Verwaltung das Feuer zum Anlass, auch über die Presse alle Görlitzer Einwohner zu mahnen: „Versichert euer Habe!“ Denn Hauseigentümer Balzer hatte bei dem Brand alles verloren, was er besaß.

Verschiedene Feuerversicherungen waren im Deutschland des 19. Jahrhunderts aufgekommen, wurden von den Bürgern aber nur zögerlich angenommen. Die meisten Einwohner waren Geringverdiener und scheuten die Ausgaben dafür, vielleicht hatte mancher aber auch einen nur wenig versicherungswürdigen Hausrat.

Dennoch wurde bald jeder Brand zum Anlass genommen, solche Versicherungen jedem anzuraten. Der „Görlitzer Anzeiger“ nahm sich der Sache an und rechnete 1868 seinen Lesern vor: „Man muss die oft gehörten Einwürfe widerlegen, Versicherungen seien kostspielig und unbequem. Im Gegenteil: Häusliche Gegenstände im Wert von 500 Talern gegen Brandschäden zu versichern, kostet im Jahr nur 15 bis 22 Groschen. Für frei stehende Häuser auf dem Lande betragen die Policen bis zu einem Taler. Und nichts ist unbequem: Es genügt eine Anzeige an den nächsten Versicherungsagenten, und der kümmert sich um alles Weitere bis zum Vertragsabschluss.“ Ein Kommentator des Blattes trieb schließlich sogar Bürgerschelte: „Es ist Leichtsinn, sich nicht zu versichern. Wer das verpasst, ist einfach nur ein alter Schlendrian.“

Übrigens kannten die Feuerversicherungspolicen des 19. Jahrhunderts sehr bürgernahe Aussagen. Damals wurde zum Beispiel von den Versicherern zugesagt, dass im Fall eines Brandes sowohl die Aufnahme der Schäden als auch die Auszahlung der Entschädigung binnen zwei Wochen abgeschlossen werden.

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