SZ +
Merken

Ein Dippser hilft in der Zeltstadt

Lars Werthmann vom THW arbeitet in einem syrischen Flüchtlingslager. Seine Eindrücke gehen unter die Haut.

Teilen
Folgen

Von Lars Werthmann

Seit über vier Wochen befinde ich mich nun zusammen mit einem sechsköpfigen Team des Technischen Hilfswerkes im Einsatz im mittlerem Osten in Jordanien.

Ziel der Mission ist es, die Lebensbedingungen der zahlreichen Flüchtlinge aus Syrien zu verbessern. Die Umstände in dem acht Kilometer von der syrischen Grenze entfernten Camp Zaatarie sind äußerst schlecht.

Das ursprünglich für 20000 Flüchtlinge angelegte Camp ist mit rund 60000 Flüchtlingen vollkommen überfüllt. Der Unmut der Menschen, die fluchtartig ihre Heimat verlassen mussten ist dementsprechend groß. Immer wieder finden spontane Demonstrationen gegen das Assad-Regime statt. Die Flüchtlinge müssen sich in neuer Umgebung in einem fremden Land zurechtfinden und sehen sich in der Zeltstadt mit einem ungewohnten Tagesablauf konfrontiert.

Für uns Helfer beginnt der Arbeitstag bei Sonnenaufgang und endet nach 12 Stunden, wenn es dunkel wird. Jeden Tag fahren wir die 80 Kilometer von unsere Unterkunft in Amman in das Flüchtlingscamp nach Zaatarie. Mit Hochdruck bauen wir Gemeinschaftsküchen und Waschhäuser auf, das alles mit dem Blick darauf, dass der Winter auch in Jordanien vor der Tür steht. Wie uns die Einheimischen berichten, kippt das Wetter hier sehr schnell, so wird es bereits jetzt in den Nächte empfindlich kalt. Wenn es dann noch zu Niederschlägen kommt, dann wird die ohnehin schon schlechte Lage für die Flüchtlinge katastrophal. Der trockene Wüstenboden nimmt keine Nässe auf und eine Kanalisation ist nicht vorhanden. Es wird befürchtet, dass das rund neun Quadratkilometer große Camp in weiten Teilen überflutet wird. Was dies für die in den Zelten lebenden Familien bedeutet, möchte man sich lieber nicht vorstellen.

Trotz all dieser Umstände sind die Menschen sehr dankbar für die internationale Hilfe, oft werden wir in ihre Zelte zum Tee eingeladen. Dort schildern sie uns dann die schrecklichen Erlebnisse ihrer Flucht. Ein Großteil der Flüchtlinge musste alles Hab und Gut zurücklassen, Familien wurden auseinandergerissen und niemand weiß, ob es ein Wiedersehen gibt. Das schlimmste sei die Ungewissheit, sagte mir ein etwa 30 Jahre alter Syrier, der ein hervorragendes Englisch sprach. Niemand wisse, wie es weiter geht, wie lange sie noch in der Zeltstadt leben müssten und was die Zukunft für sie bringt.