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Ein Dorf im Schwebezustand

Hartmannsdorf-Reichenau wartet auf die Entscheidung zur Fusion. Bis dahin passiert nicht mehr viel im Ort.

© dpa

Von Regine Schlesinger

Hartmannsdorf-Reichenau. Frauenstein und Hartmannsdorf-Reichenau wollen ihre Fusion vor Gericht durchsetzen. Eine entsprechende Klage liegt seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres beim Chemnitzer Verwaltungsgericht vor. Seitdem heißt es warten. Doch der ungewisse Schwebezustand dauert für die beiden Kommunen schon viel länger an. Bereits 2011 brachten sie ihr Anliegen erstmals im Innenministerium vor. Trotz vieler Widerstände halten sie bis heute daran fest. Bei einem Bürgerentscheid hatte sich die Mehrheit der Hartmannsdorfer und Reichenauer für den Zusammenschluss mit den Nachbarn aus dem Landkreis Mittelsachsen ausgesprochen.

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Reinhard Pitsch (parteilos), Bürgermeister von Hartmannsdorf-Reichenau, ist klar, dass dieser Schwebezustand der Gemeinde nicht gut tut. Die Fusion hat ja ein klares Ziel: eine größere Kommune zu werden, die aufgrund ihrer Einwohnerzahl besser mit finanziellen Mitteln ausgestattet ist, sagt er: „Als kleine Gemeinde sind unsere Entwicklungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt, große Sprünge können wir nicht machen.“ Auch in diesem Jahr wird es in Hartmannsdorf-Reichenau vor allem darum gehen, das in den letzten Jahrzehnten Geschaffene so gut wie möglich zu erhalten. Neue Investitionen sind nicht drin.

Auch nach einer Fusion mit Frauenstein könnte der Nachholbedarf nicht von heute auf morgen abgearbeitet werden, zumal sich Frauenstein selbst größere Baumaßnahmen vorgenommen hat wie den Schulumbau und den Neubau der Kita.

Neuen Partner suchen?

Bleibt da am Ende überhaupt noch etwas übrig für Hartmannsdorf-Reichenau oder sollte sich die Gemeinde nicht doch nach einem anderen Partner umschauen? Für Reinhard Pitsch steht das nicht zu Debatte. Frauenstein sei nach wie vor der richtige Partner für Hartmannsdorf-Reichenau. „An den Argumenten dafür hat sich nichts geändert.“ Er ist auch überzeugt davon, dass über kurz oder lang auch in Hartmannsdorf-Reichenau wieder investiert werden kann. Wenn die Fusion durchkommt, lassen sich auch Prioritäten setzen. In Hartmannsdorf könnte es das von den Feuerwehrleuten immer wieder angemahnte, bessere Gerätehaus sein. Das Jetzige bietet nicht einmal genug Platz für die Einsatzkleidung. Die bewahrt jeder zu Hause auf, was im Notfall aber unnötig Zeit kosten kann.

Eine weitere Investition, über die im Gemeinderat schon diskutiert wurde, die aber mangels Geld wieder ad acta gelegt werden musste, betrifft die Kindertagesstätte in Hartmannsdorf. Hier können Krippenkinder erst ab einem Jahr aufgenommen werden. Für die Jüngeren müssen sich die Eltern um Plätze bei Tagesmüttern oder und in einer anderen Kita kümmern. Dabei erlebt die Gemeinde gerade die erfreuliche Entwicklung, dass wieder mehr Kinder geboren werden. Weitere Krippenplätze könnten durch einen Anbau an die Kita entstehen. Platz dafür ist da, doch es fehlt an den finanziellen Mitteln für einen solchen Anbau.

Nachholbedarf, den die Gemeinde allein auch nicht angehen kann, gibt es auch im Bauhof. „Dessen Technik ist total überaltert“, sagt Reinhard Pitsch. Der Traktor, der auch für den Winterdienst eingesetzt wird, ist schon seit 25 Jahren im Einsatz. Es fallen immer wieder Reparaturkosten an, die ins Geld gehen. Aber das verteilt sich, sagt der Bürgermeister. Eine Neuanschaffung wäre dagegen auf einem Schlag ein großer Brocken, den sich die Gemeinde nicht leisten kann, ebenso wenig wie ein neues Transportfahrzeug für den Bauhof.

Es ist keine Frage, für Hartmannsdorf-Reichenau wird es Zeit, dass eine Entscheidung in Sachen Fusion fällt. Der Schwebezustand dauert schon jetzt viel zu lange.