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Ein Dorf im Umbruch, festgehalten mit Bleistift und Tusche

Reinhardtsgrimma. Im Erbgericht ist diesen Monat eine Ausstellung mit landwirtschaftlichen Motiven zu sehen.

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Von Franz Herz

Zum ersten Mal sind die Federzeichnungen, Bleistiftskizzen und Radierungen öffentlich zu sehen, welche die Dresdner Künstlerin Jutta Schlichting von 1961 bis 1968 in Reinhardtsgrimma und Umgebung gezeichnet hat. „Die lagen bei mir im Atelier in der Mappe. Durch die Einladung zur 800-Jahr-Feier bin ich auf die Idee gekommen, sie in Reinhardtsgrimma zu zeigen. Schließlich gehören sie hierher”, sagte die Künstlerin gestern Nachmittag bei der Eröffnung.

Der Kulturverein Erbgericht organisiert vier Wochen lang die Schau. Nach ihrem Kunststudium war Jutta Schlichtung 1961 im Alter von 34 Jahren durch ihre Cousine zum ersten Mal nach Reinhardtsgrimma gekommen. Hier suchte sie sich im Dorf, auf den Höfen und den Feldern ringsherum ihre Motive. „Ich habe Wert darauf gelegt, Zeugnis abzulegen, wie gearbeitet wurde, wie sich die Leute freuten und wie ihre Verbindung zu den Tieren und der Landschaft war”, nannte sie ihr künstlerisches Ziel. So wirken ihre Grafiken auch nach 40 Jahren noch auf die Betrachter.

Günter Braun, der Vorsitzende des Heimatvereins Reinhardtsgrimma, sagte: „In den Bildern zeigt sich die Hochachtung vor all den Menschen, die hier gelebt haben. Sie zeigt, wie damals mit einfachen Werkzeugen hart gearbeitet wurde.” Die Künstlerin zeigt eine Welt im Umbruch. So stellt sie fünf Frauen mit Gabeln bei der Heuernte in den Vordergrund. Klein im Hintergrund zieht einer der ersten Traktoren einen Garbenbinder.

Die neue Technik steht noch nicht im Vordergrund, hält aber schon auf den Feldern Einzug. Die Zeichnungen entstanden in der Zeit, als die LPG die Einzelhöfe ablöste. Bei der Eröffnung kam es zu spannenden Begegnungen. Gerold Zahn, der Inhaber der Mittelmühle und Bäckerei, stand vor einem Blatt, das seine Mühle zeigte. Pferdefuhrwerke brachten damals noch das Korn in Säcken. Dank der detailgetreuen Arbeitsweise von Jutta Schlichtung waren auch die Klinker an den Fenstern genau zu erkennen. „Die Klinker waren damals eine Notlösung meines Vaters. Er renovierte und es gab nichts anderes”, erinnert sich Zahn.

Eine kleine Nebenausstellung stellte der Kulturverein neben die Werke von Jutta Schlichting. Eine Ecke am Eingang ist der jungen Reinhardtsgrimmaer Künstlerin Marlen Foltyn gewidmet. Von ihr sind hier Skulpturen zu sehen.

Die Ausstellung im Erbgericht Reinhardtsgrimma geöffnet an allen Sonnabenden und Sonntagen im November, jeweils von 14 Uhr bis 17 Uhr.