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Ein Dorf, das zusammenhält

Irmgard Zschockelt ist die älteste Einwohnerin von Kattnitz. Sie freut sich, dass es in dem alten Ort wieder junge Leute gibt.

Von Cathrin Reichelt

Kattnitz feiert an diesem Wochenende den 680. Geburtstag des Ortes. Gleich neben dem Festplatz wohnt Irmgard Zschockelt. Mit 85 Jahren ist sie derzeit die älteste Einwohnerin. Geboren wurde sie aber in Pulsitz. Im Alter von fünf Jahren zog sie nach Kattnitz und ging dann in Noschkowitz und Rittmitz zur Schule. An den Nachmittag half sie beim Gänsehüten, Heu wenden oder Rüben verziehen. Dafür bekam sie 15  bis 20 Pfennige pro Stunde. Ab und zu gab’s zum Schluss noch ein Abendbrot mit einer Limonade. „Das war das Schönste vom ganzen Tag“, erinnert sich die Seniorin. Nach Beendigung der Schule absolvierten die Mädchen damals eine Art hauswirtschaftliches Pflichtjahr. Ihr Arbeitgeber war der Bäcker in Merschütz. Bis sie 1951 heiratete, war sie anschließend Köchin bei Familie Handmann in Döbeln. Dort bekochte sie nicht nur die sieben Familienmitglieder, sondern auch bis zu 14 Patienten der kleinen Augenklinik. Seitdem zog sie ins ehemalige Rittergut und fünf Kinder groß, arbeitete nebenbei in der LPG und erlebte mehrere Hochwasser.

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Ihr Heimatdorf hat sich in den vielen Jahren ein bisschen verändert. „Früher gab es noch zwei Gasthöfe. Von denen steht nur noch einer. Der wird aber auch nicht mehr bewirtschaftet“, sagt sie. In einem befanden sich zusätzlich ein Schuster und ein Tante-Emma-Laden. Auch der Bäcker hat schon vor der Wende geschlossen. Dafür rollen jetzt jede Woche zwei mobile Fleischer- und vier Bäckerwagen an.

Es habe eine Zeit gegeben, da dachten die Senioren, Kattnitz stirbt aus. Plötzlich standen auf einmal acht Häuser leer und es gab nur noch ältere Menschen im Dorf. „Inzwischen sind aber wieder viele junge Leute hierher gezogen – mit Kindern“, freut sich Irmgard Zschockelt. Und nicht nur das. Die Jungen übernehmen auch die Traditionen der Alten. So winden sie zum Beispiel bei Hochzeiten oder Ehejubiläen die Ranken. Oder sie kümmern sich um die Vorbereitung des Dorffestes. „Wir Alten backen dafür höchstens noch einen Kuchen“, schmunzelt die Seniorin. Eins, so sagt sie, ist von früher bis heute immer gleich geblieben: „Kattnitz ist ein Dorf, das zusammenhält und in dem einer den anderen achtet und hilft.“