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Ein Dresdner hätte der Erste auf dem K2 sein können

Vor 80 Jahren versuchte Fritz Wiessner den zweithöchsten Gipfel der Welt zu erklimmen. Kurz vorm Ziel gab es ein Problem.

Sein Sherpa sagte, niemand klettere so wie er: Fritz Wiessner.
Sein Sherpa sagte, niemand klettere so wie er: Fritz Wiessner. © privat

Von Wolfgang Heichel

Deutschsprachige Bergsteiger sind die erfolgreichsten beim Bezwingen der höchsten Berge der Welt. Bei der Erschließung und Erstbesteigung der 14 Achttausender waren sie bei neun maßgeblich beteiligt. Oft wird allerdings vergessen, dass sächsische Bergsteiger dazu einen großen Anteil beitrugen. 

So zählte Peter Diener zu den Erstbesteigern des Dhaulagiri im Jahre 1960, Fritz Wiessner und Felix Simon erwarben durch ihre Teilnahme an der Nanga-Parbat-Expedition 1932 besondere Verdienste im Himalaja und Karakorum – sowie Wiessner vor allem durch seinen bahnbrechenden Vorstoß am K2, auch wenn er 1939 den Gipfel nicht erreichte. An diesem Freitag jährt sich diese Fast-Erstbesteigung zum achtzigsten Mal.

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Damals stand Wiessner mit dem Sherpa Dawa Lama kurz unterhalb des Gipfels. Sein alter Seilpartner Simon konnte den hohen finanziellen Beitrag zur Expeditionskasse nicht leisten und musste zu Hause bleiben. Kostete das letztlich den Gipfelsieg am K2? Mit Simon als Seilpartner hätte das Duo mit großer Wahrscheinlichkeit den Gipfel des gefährlichsten Achttausenders über die exponierte Route erreicht, welche wegen ihrer Schwierigkeit nie wieder versucht wurde. Etwas nördlich entlang einer Verschneidung erreichten die beiden polnischen Weltklassebergsteiger Jerzy Kurkuczka und Tadeus Piotrowski 1986 den Gipfel. Piotrowski stürzte auf tragische Weise beim Abstieg ab. Lediglich etwa acht Meter fehlten Wiesner 1939, dann hätte er mit seinem Seilgefährten Dawa Lama in leichteres Gelände unterhalb des Gipfels des K2 queren können.

Wie kam es dazu? Am Morgen des 19. Juli verließen sie gegen neun Uhr das Lager – viel zu spät. Als es gegen 18 Uhr dunkel wurde, gab Dawa Lama kein Seil mehr nach. Wiessner war gezwungen umzukehren. Seine Kameradschaft gegenüber Pasang Dawa Lama verhinderte den Weiteraufstieg. Der Sherpa hatte in der Dunkelheit Angst vor dem Zorn der Götter. Diese Angst führte letztendlich zur Katastrophe. Vom Beginn des Abstieges an nahm die Tragödie ihren Lauf. Beim Abstieg verlor Dawa Lama seine Steigeisen. Wenn beide zum Gipfel aufgestiegen wären, hätten beide über eine leichtere Route absteigen können. Dann hätten sie mit Dutley Wolfe, der im Lager acht wartete, zurückkehren können – die Expedition wäre erfolgreich gewesen. Doch Wolfe und drei Sherpas blieben am Berg.

Dawa Lama wurde später nach der Erstbesteigung des Choy Oyu gemeinsam mit Tichy und Jöchler im Jahr 1954 über seine Erlebnisse mit Wiessner während des Felsanstieges kurz unter dem Gipfel des K2 im Juli 1939 befragt. Dieser antwortete: „Wiessner?! Wiessner?! Verrückt. Ganz verrückt. Er klettert – verrückt. Er hat wollen die ganze Nacht klettern. Klettern und klettern und klettern und hat gesagt, wenn es Tag wird, sind wir auf dem Gipfel. Ich habe nie mehr jemanden so klettern gesehen. Ich habe nichts mehr erkennen können, es war doch Nacht. Er hat gesagt, es ist ohnehin ganz helle. Vielleicht hat er mit den Fingerspitzen gesehen. Ich habe gesagt, ich gehe nicht weiter. Verrückt. Niemand klettert so wie er.“

Auf neuen Karten wird zu Ehren von Fritz Wiessner der fast 8.400 Meter hohen Felsturm in dessen westlicher Verschneidung er 1939 mit Pasang geklettert war, mit „Wiessner Tower“ bezeichnet. Dieser kleine Felsturm ist somit die sechsthöchste Erhebung der Erde und noch unbestiegen. Wiessner blieb sein Leben lang im Herzen ein Sachse. Auch während der DDR-Zeit blieb er seiner Heimat mit regelmäßigen Besuchen bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1988 treu.

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