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Ein Drittel ist schon ausfindig gemacht

Großschönau. Seit Jahren forscht Andreas Prescher an Flurdenkmalen in Nordböhmen.

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Von Jan Lange

Das Isergebirge ist für Andreas Prescher mittlerweile zur zweiten Heimat geworden. Seit über 30 Jahren fährt er hierher. Zu Vor-Wende-Zeiten hat den studierten Holzingenieur vor allem das Waldsterben interessiert. „Es war nicht leicht, Informationen zu bekommen“, erzählt Prescher, der sich damals auch in einer christlichen Umweltgruppe engagierte.

Im kirchlichen Rahmen konnte er zumindest Vorträge über das Thema Waldsterben halten. Auch über das im Isergebirge. Hier gab es das größte Waldsterben aller europäischen Mittelgebirge. Inzwischen sei dies überstanden. Der Großschönauer hat dazu einen großen Beitrag geleistet.

„Nach der Wende entstand die Idee, etwas für das geschundene Isergebirge zu tun“, berichtet der 50-Jährige. Unterstützt wurde er vom damaligen Landtagsabgeordneten Peter Dierich. Mit seiner Hilfe startete eine Aktion, bei der 250 000 Bäume im Isergebirge gepflanzt wurden. Für das Projekt erhielten die beteiligten Schüler den Jugendumweltpreis des Westdeutschen Rundfunks. Es gab allerdings auch Kritik an der Aktion – von Seiten der Vertriebenen. Davon ließ sich der Großschönauer aber nicht beirren. Stattdessen betreute er über fünf Jahre die Bäume, entfernte beispielsweise das Gras zwischen den Setzlingen – alles selbstverständlich in Handarbeit und freiwillig an den Wochenenden. Mit den Jahren drang er so immer tiefer in die Geschichte des Isergebirges ein. Entstanden ist daraus sein heutiges Hobby: Die Suche nach Gedenkstätten. Ein Vorreiter auf diesem Gebiet ist der tschechische Verein „Patron“. „Am besten ist es, mit ihm zusammen zu gehen. Allein darf man in dem Naturschutzgebiet nicht vom Wege ab.“ Die „Patron“-Mitglieder haben dafür eine Genehmigung. Im Frühjahr entdeckte er bei einem Ausflug fünf Denkmäler auf einen Streich.

Ein Drittel hat er schon ausfindig gemacht – samt deren Geschichte. Bei den meisten handelt es sich um tragische Sachen wie Holzfällerunglücke. Ein Teil der Denkmäler stand direkt am Weg und war leicht zu finden. Jetzt werde es immer schwieriger, welche zu entdecken. Auch, weil die Beschreibungen oft nicht mit den Karten übereinstimmen. Die Suche hat der 50-Jährige inzwischen auf ganz Nordböhmen ausgeweitet.

Das neueste Projekt ist eine Gedenktafel für den 1928 ermordeten Händler Josef Kaufmann. „Irgendwann gab es mal eine solche Tafel, die aber wahrscheinlich seit dem Kriegsende verschwunden war“, sagt Prescher. Der Großschönauer, der gelernter Tischler ist, fertigte dafür eine Tafel aus Holz, die danach in Spitzkunnersdorf bemalt wurde. Am 22. September soll die wiederhergestellte Gedenktafel bei Horni Svetla (Oberlichtenwalde) feierlich aufgestellt werden.

Um noch mehr Informationen zu bekommen, lernt Andreas Prescher übrigens seit über einem Jahr intensiv Tschechisch.