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Ein echter Ritter liest beim Literaturfest Meißen

Im Gespräch mit Dr. Ludwig Sebastian Meyer-Stork aus Freitelsdorf.

Ludwig Sebastian Meyer-Stork, im Oktober 1961 in Bielefeld geboren, war nach dem Studium an der TH Aachen in leitender Stellung in der Chemie- und Textilindustrie tätig. 2009 kam er berufsbedingt nach Sachsen, seit 2010 lebt er mit seiner Frau und den vier Kindern in Freitelsdorf. Die SZ sprach mit ihm.

Herr Meyer-Stork, wie sind Sie auf Freitelsdorf gekommen? Was mögen Sie hier besonders?

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Zunächst haben wir uns verschiedene Objekte in Dresden angesehen, aber dann war klar, dass wir wieder aufs Land wollten - wie in Bielefeld. Die Großenhainer Pflege ist eine offene und reizvolle alte Kulturlandschaft, die uns schnell zur neuen Heimat wurde. Die Lage unseres Hauses an der Großen Röder ähnelt in gewisser Weise der früheren Wohnsituation.

Sie wohnen nicht nur hier, sondern engagieren sich ehrenamtlich für eine Vielzahl von Projekten. Sie sind Mitglied des Kuratoriums der Evangelischen Akademie und des Dresdner Kreuzchors. 2012 haben Sie sich erstmals als Vorleser beim Literaturfest angemeldet. Was hat Sie dazu bewogen?

Die entscheidende Erfahrung aller, die sich ehrenamtlich engagieren, ist: „Geben gibt“. Damit sind auch wir aufgewachsen und so vermitteln wir es an unsere Kinder. Das Literaturfest Meißen hat in dem Zusammenhang einen ganz besonderen Stellenwert, weil seine Existenz praktisch zu 100 Prozent auf Ehrenamtlichkeit beruht. Da liegt das Mitmachen doch nahe.

Wie waren Ihre Erfahrungen?

Da ich häufig vor Publikum rede, war mir die Situation an sich nicht unvertraut. Als Schüler habe ich viel Theater gespielt und dabei auch Sprecherziehung genossen. Das hilft sehr, denn Vorlesen ist ja weitaus mehr als lautes Lesen. Die Hinwendung zum Zuhörer muss über den Text hinaus stattfinden mit Körper, Geist - und Herz. Dafür habe ich durchaus vorher geübt. Insgesamt war es ein großes Vergnügen; ich hoffe, auch für die Gäste.

In diesem Jahr werden Sie am Pfingstmontag Jung und Alt mit eigenem Programm Wilhelm Busch näherbringen. Warum haben Sie ihn gewählt?

Wilhelm Busch (1832 bis 1908) gehört zu den großen deutschen Klassikern, und zwar garantiert aus der Kategorie „frisch und staubfrei“. Die meisten kennen von ihm nur „Max und Moritz“, doch sein Gesamtwerk hat ja viel mehr zu bieten. Bei Busch geht es fast immer um die Menschen mit ihren kleinen und großen Schwächen. Treffsicher, distanziert, manchmal etwas übertrieben, aber stets mit Charme und Zuneigung beschreibt er die Alltagshelden seiner Umgebung - darin finden wir uns bis heute wieder. Nebenbei bemerkt: Die wenigsten wissen, dass Wilhelm Busch auch ein bedeutender Maler war.

Was wird die Besucher genau erwarten?

Ich habe ein kleines Programm zusammengestellt, das Wilhelm Busch als klugen und witzigen Gourmet entdeckt. Es gibt Ratschläge zur Tierhaltung, Herstellungsanleitungen für Grundnahrungsmittel, Kochrezepte, Beobachtungen von Ess- und Trinkgewohnheiten, kulinarische Lebensweisheiten und mehr - zumeist in Gedichtform und stets mit feiner Ironie gewürzt. Diese meisterhaften Raffinements werden mit kurzen Texten verknüpft, die biografische und zeitgeschichtliche Bezüge herstellen, ein bisschen Interpretation liefern und die überraschende Aktualität seiner Beschreibungen zeigen.

Sie sind vierfacher Familienvater, lesen Sie Ihren Kindern regelmäßig vor?

Gelegentlich ja, aber es könnte häufiger sein. Meine Frau liest regelmäßig vor. Und allein schon durch die wunderbare Karl-Preusker-Bücherei in Großenhain geht bei uns der Lesestoff nie aus.

Welches Buch lesen Sie aktuell? Haben Sie ein Lieblingsbuch oder einen Autor, den Sie besonders schätzen?

Aktuell lese ich ein Sachbuch, das sich mit den kritischen Folgen der „Energiewende“ befasst. Insgesamt ist mein Themenspektrum vielseitig, im Urlaub bevorzuge ich Krimis. Wenn Sie aber die berühmte Frage stellen, welches Buch ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, dann wäre es ohne Frage das evangelische Gesangbuch.

Sie wurden 2009 zum Ehrenritter des evangelischen Johanniterordens ernannt. Was zeichnet einen Ehrenritter aus? Wie kommt man zu dieser Ehre?

Man wird durch den Herrenmeister des Ordens berufen. Der Johanniterorden ist als geistlicher Ritterorden Teil der evangelischen Kirche und geht auf die Kreuzzüge vor über 900 Jahren zurück. Seit der Zeit verpflichten sich seine Mitglieder zum Doppelauftrag: „Eintreten für den Glauben und Einsatz für die Kranken und Hilfsbedürftigen.“ Das hat bei aller Tradition eine Bedeutung von ungebrochener Aktualität.

Gespräch: Sven Mücklich