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Ein eiserner Nagel fürs Durchhaltevermögen

Mittelalterfest. Zumsiebenten Mal erlebten Zittaus Besucher eine traumhafte Zeitreise. Dank fleißiger Hände gab es viel zu entdecken.

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Von Silke Schoepe

Laut hallten am Mittwochabend die Fanfaren des Spielmannszuges der Freiwilligen Feuerwehr Eichgraben über den Zittauer Marktplatz. Das Signal für den Beginn des siebenten Spectaculum Citaviae war gegeben.

Auf dem Balkon des Rathauses wurde dem Oberbürgermeister Arnd Voigt der eiserne Nagel fürs Durchhaltevermögen überreicht. Solch ein Symbol für Beständigkeit hätten sich auch die Organisatoren der siebenten Zittauer Zeitreise verdient. Denn was am Vorabend von Christi Himmelfahrt auf Zittaus Plätzen geboten wurde, konnte sich sehen lassen. „Wir sind immer wieder begeistert, was in Zittau auf die Beine gestellt wird“, sagte Sven Krischker aus Oybin. Gemeinsam mit seiner Familie zieht es ihn alljährlich zum Spectaculum. „Die Idee ist einfach Spitze“, fügte er an und wies auf die Zittauer Traum-sterne. Die funkelnden Gummibälle waren tatsächlich die Attraktion bei den kleinen Besuchern.

Auch für die großen Besucher wurde vieles geboten: Das Awego-Team stellte unter großem Publikumsinteresse Szenen seines diesjährigen Stückes „Das Waisenmädchen“ vor. Anschließend bekamen die Gäste einen Einblick in mittelalterliche Strafen bei Ehebruch oder Diebstahl. Schwertschläge waren auch auf dem Klosterplatz zu vernehmen. Dort lagerten Ritter. „Saltarello“, die Frauenband aus Mittelherwigsdorf, brachte dazu die passenden Klänge von Mittelalter bis Barock. Auch die leibliche Versorgung ließ nichts zu wünschen übrig. An jeder Ecke duftete es mal süßlich, mal herzhaft – aber immer lecker. „Ich suche Fleisch am Knochen“, sagte Chad Robertson aus Texas. Der junge Mann meinte deftige Haxen und war ganz begeistert über das Spektakel. „Es ist super hier, hübsche Mädchen und so viel los“, staunte er. Für ein Jahr besucht er Deutschland, lebt jetzt in Dresden und wollte sich diesen Tag in Zittau mit seinen Freunden nicht entgehen lassen. Schließlich gäbe es in den Vereinigten Staaten so viel Verrücktes nicht.

Stichwort Verrücktes: Das Multikulturelle Zentrum hatte einige Gespenster am Start. Die machten ihrem Namen alle Ehre und erschreckten die kleinen Kinder gar fürchterlich. Für mutige Kinder war auf der Oberen Neustadt ein wunderbares Schiff der Kulturinsel Einsiedel aufgebaut.

Zur Nacht hin erinnerten die verstopften Straßen an die Menschenströme zum Tag der Sachsen. Aber der eiserne Nagel fürs Durchhaltevermögen hätte an diesem Abend auch einem anderen Paar überreicht werden können: Cathleen und Swen Rost gaben sich das Ja-Wort und feierten in der Klosterkirche den Bund fürs Leben. Die Hochzeitsgesellschaft hatte in mittelalterlicher Tracht zu erscheinen und begleitete zünftig den Umzug zu Beginn des Spectaculums. „Wir wollten eine besondere Hochzeit“, sagte die frisch Vermählte und freute sich, dass tatsächlich alle Gäste den Vorgaben der Einladung gefolgt waren.