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Ein elektronisches Auge für die Feuerwehr

Die Gemeinde Röderaue hat nun aufgerüstet. Das hat auch mit dem Diebstahl eines Geldautomaten zu tun.

Wo steckt das Glutnest? Die neue Wärmebildkamera der Feuerwehr Röderaue zeigt deutlich die glühende Zigarettenspitze.
Wo steckt das Glutnest? Die neue Wärmebildkamera der Feuerwehr Röderaue zeigt deutlich die glühende Zigarettenspitze. © Sebastian Schultz

Röderaue. Die Täter kamen nachts um halb vier. Augenzeugen beobachteten, wie zwei Männer mit einem Seil einen kompletten Geldautomaten herausrissen und auf einen Lkw verluden. Anschließend verschwanden die Täter unerkannt - samt einer Beute von Tausenden Euro. 

Nun hat der Vorfall vom Januar 2003 in Frauenhain doch noch etwas Gutes. Denn ohne den Einbruch in die später geschlossene Volksbank-Filiale im Gebäude der Gemeindeverwaltung Röderaue hätte Bürgermeister Lothar Herklotz (CDU) wohl nicht die Versicherung gewechselt. "Unsere alte Gebäudeversicherung hat sich geweigert, den Schaden an der Außentreppe zu bezahlen, den die Automaten-Diebe angerichtet hatten. Dabei war die Treppe doch fest mit dem Gebäude verbunden", sagt Herklotz. Also suchte sich die Gemeinde eine neue Versicherung. Und darüber ist der Bürgermeister auch noch 17 Jahre später glücklich.

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Denn mittlerweile ist der zuständige Abteilungsdirektor der Sparkassen-Versicherung schon Stammgast in der Röderaue. Viermal bereits überreichte Uwe Bartmann Technik an die Feuerwehren der Gemeinde. "So oft, wie noch keiner anderen Gemeinde in Sachsen", sagt der Bereichsleiter. Offenbar ist die Röderaue besonders hartnäckig darin, Unterstützung für die Feuerwehr abzufordern. Die Sparkassen-Versicherung lockt ihre kommunalen Kunden damit, Feuerwehr-Technik als "Sonderleistung" draufzulegen.

Und so gab es erst ein modernes Hohlstrahlrohr für die Gemeinde, später einen mobilen Rauchschutz-Vorhang für Wohnungsbrände, dann den "Biber" genannten mobilen Damm zum Aufstauen kleiner Bäche, so dass sich schneller Löschwasser entnehmen lässt. "So was ist doch auch in unserem Interesse", sagt Uwe Bartmann. "Wenn die Feuerwehr schneller und effizienter löschen kann, fallen auch die Schäden geringer aus, die wir regulieren müssen."

Boris Krause ist Gemeindewehrleiter in der Gemeinde Röderaue.
Boris Krause ist Gemeindewehrleiter in der Gemeinde Röderaue. © Sebastian Schultz
Bürgermeister Herklotz (CDU) bei der Übergabe der neuen Technik am Gerätehaus der Feuerwehr Frauenhain.
Bürgermeister Herklotz (CDU) bei der Übergabe der neuen Technik am Gerätehaus der Feuerwehr Frauenhain. © Sebastian Schultz
Drei Männer mit Präsent: Uwe Bartmann von der Sparkassen-Versicherung Sachsen, Gemeindewehrleiter Boris Krause und Bürgermeister Lothar Herklotz (v.l.n.r.).
Drei Männer mit Präsent: Uwe Bartmann von der Sparkassen-Versicherung Sachsen, Gemeindewehrleiter Boris Krause und Bürgermeister Lothar Herklotz (v.l.n.r.). © Sebastian Schultz

Jetzt, am Montagmittag, hatte der Sparkassen-Mann einen Pappkarton in Aktenkoffer-Größe dabei. Den Inhalt probieren die Kameraden sofort aus: eine Wärmebildkamera. Viel mehr als einen Knopfdruck braucht es nicht, dass das handliche Gerät ein Bild in Grautönen produziert, das die brennende Zigarette in der Hand eines Feuerwehrmanns hervorhebt und als Temperatur jenseits der 150 Grad einordnet.

Das Gerät im Wert von etwa 1.800 Euro ist keine Spielerei, sagt der Gemeindewehrleiter. "Damit können wir bei Wald- und Ödlandbränden viel schneller die Glutnester finden", sagt Boris Krause. Oder in völlig verqualmten Wohnungen auf Personensuche gehen. Bei der herrschenden Trockenheit machen auf dem Land gerade die Vegetationsbrände wieder zu schaffen. "Ein paar kleinere Brände von 20 bis 300 Quadratmetern Fläche hatten wir dieses Jahr schon", sagt Krause. Wobei aus einem kleinerem Brand bei entsprechendem Wind auch schnell ein Größerer werden könne.

"Ein ehrenvoller Einsatz"

Auf rund 85 aktive Kameraden in vier Ortswehren kann sich Boris Krause verlassen, dazu kommen drei aktive Jugendfeuerwehren. "Gerade erst haben wir wieder zwei Jugendliche in den aktiven Dienst übernehmen können", sagt der Gemeindewehrleiter. Dabei könne man aber schon froh sein, wenn von fünf Mitgliedern der Jugendfeuerwehr nur einer auch als Erwachsener dabei bleibt.

Da hat man in der Röderaue dieselben Probleme wie überall auf dem Land: Wer eine Lehre oder ein Studium anfängt, verlässt oft die Region. Und selbst, wer nur nach Gröditz, Großenhain oder Riesa zur Arbeit pendelt, ist kaum verfügbar, wenn tagsüber an Wochentagen der Pieper geht. Drum werden bei einem Einsatz gleich mehrere Ortswehren alarmiert, damit die Leute reichen.

Umso wichtiger, dass es bei der Technik stimmt. Bürgermeister Herklotz lobt deshalb die Kooperation mit der Sparkassen-Versicherung. "Auch die Schäden bei uns wurden immer gut reguliert." Abteilungsdirektor Bartmann lobt im Gegenzug die Kameraden der Feuerwehr. "Die leisten einen ehrenvollen Einsatz, der nicht immer einfach ist - wenn man nur an die psychische Belastung etwa bei Verkehrsunfällen denkt."

Zum Abschied wünscht der Sparkassen-Mann "viel Spaß" mit der Wärmebildkamera - aber gleichzeitig möglichst wenig echte Einsätze. Üben werde man jeweils reichlich, verspricht der Gemeindewehrleiter.

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