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Ein Engel streift durch Großenhain

Das Techno-Label von Alexander Stoyan bringt morgen das Musikvideo „Freaking Bad“ auf den Markt.

Von Manfred Müller

Ein kleines Mädchen schreitet zögernd durch die surreale Trümmerwüste des alten Großenhainer Umspannwerkes. Nein, kein Mädchen, sondern ein geflügeltes Wesen. Eine trauernde Mutter starrt auf das trauerumflorte Bild ihrer Tochter, die jetzt als Engel durch die Röderstadt wandelt. Über stillgelegte Gleise, am Zschauitzer Steinbruch entlang und an der belebten Dresdner Straße. Im Umspannwerk legen zwei DJs auf, liefern eine Klangkulisse aus stampfenden Beats und Keyboardakkorden. Wie Schamanen wiegen sich in Trance. Ihre Botschaft liegt auf der Hand: Techno ist Magie, ist Leben. Da hat sogar Gevatter Tod ein Einsehen, und verwandelt den kleinen Engel wieder in eine quicklebendige Zehnjährige. Der Titel des sechsminütigen Musikvideos „Freaking Bad“ lässt viele Deutungen zu. Aber es wohl müßig, den Slangausdruck, der als Synonym für „fucking“ gilt, bierernst zu analysieren. „Unsere Musik bringt rüber, wie wir uns gerade fühlen“, sagt Alexander Stoyan diplomatisch. Die Komposition war bereits fertig, als sich der Großenhainer mit zwei Freunden zum Videodreh aufmachte. Klar war, die Geschichte sollte in Stoyans Heimatstadt handeln. Die Story zur Musik fügte er mit Sven Hanke und Mirko Thomas rein intuitiv zusammen. Letzterer war dann für den Dreh verantwortlich, der mit Freunden und Bekannten in Szene gesetzt wurde.

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Herausgekommen ist ein packendes, leicht morbides Gesamtkunstwerk, das die Schöpfer am Sonntagnachmittag in der Großenhainer Filmgalerie vorstellten. Etwa 30 Leute, meist aus dem Bekanntenkreis der drei Künstler, bekamen das Musikvideo ohne hochtrabendes Brimborium vorgespielt. Vier Monate liegen zwischen der ersten vagen Idee und der „Weltpremiere“ am Großenhainer Frauenmarkt. „Wir haben den Aufwand anfangs unterschätzt“, sagt Stoyan, „zumal wir nur an den Wochenenden zusammenkommen konnten.“ Der Großenhainer verdient sein Geld eigentlich mit einer Werbeagentur, aber sein Tonstudio in der Frauengasse ist ihm heilig. Sogar ein eigenes Techno-Label mit dem Namen „Strichcode Records“ hat er gegründet. Von dort aus beliefert das Netz mit Techno-Pop der verschiedensten Sparten. Auch „Freaking Bad“ wird ab Donnerstag bei allen einschlägigen MP3-Stores und Streamingportalen abrufbar sein. „Mit Videos erreicht man einfach mehr Leute als mit Musik pur“, sagt Alexander Stoyan und hofft natürlich, seine Musik möge möglichst viele Leute anfixen. Dass sie mit „Freaking Bad“ nicht unbedingt reich werden, ist den Schöpfern klar. Höchstens 40 Cent kann man pro Download verdienen - da müssen sich schon ein paar Tausend Technofans in ihr Werk verlieben.

Aber darum geht es dem Trio Stoyan, Hanke und Thomas auch nicht in erster Linie. Die Intention war, etwas Kreatives zu machen und dabei Spaß zu haben. Die zehnjährige Hauptdarstellerin Cynthia Preller erwies sich dabei als Naturtalent. Wie sie verloren durch Großenhain irrt und dabei mit den Augen spricht, ist wirklich sehenswert. Wer den Kunstgenuss quasi als Zugabe bekommen will, der sollte in den nächsten Tagen zur 20-Uhr-Vorstellung in die Großenhainer Filmgalerie gehen. „Freaking Bad“ läuft dort eine Woche lang im Vorprogramm.