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Ein Ex-Dynamo lebt seinen amerikanischen Traum

Andere haben millionenschwere Ausstiegsklauseln, Florian Jungwirth hatte eine andere Idee. Und er bereut sie bis heute nicht.

Von wegen Rentnerliga. Florian Jungwirth lebt seinen Traum auch auf dem Spielfeld aus, und das mitunter emotional.
Von wegen Rentnerliga. Florian Jungwirth lebt seinen Traum auch auf dem Spielfeld aus, und das mitunter emotional. © imago/Jeff Halstead

Von Heiko Oldörp

Der Song „California Dreamin‘“ von „The Mamas and the Papas“ ist ebenso berühmt wie nostalgisch. Er weckt Sehnsüchte nach Sonne und traumhaftem Wetter. Florian Jungwirth träumt nicht mehr nur davon. Er lebt und arbeitet da.

Im Januar 2017 wechselte der ehemalige Profi von Dynamo Dresden vom damaligen Bundesligisten Darmstadt 98 zu den San Jose Earthquakes in die Major League Soccer und hat seinen Schritt „noch keinen Tag bereut“. Im Gegenteil. Wenn er im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung von seinem Leben im neuen Land und in der neuen Liga erzählt, glänzen seine Augen. Jungwirth spricht voller Begeisterung davon, dass er sich „schon sehr heimisch in San Jose“ fühle, die Liga „genieße“, es ihm „richtig gut“ gefalle und „unheimlich viel Spaß“ mache, dort zu spielen.

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San Jose, mitten im Silicon Valley, zwei Millionen Einwohner – Jungwirth kann sich aussuchen, ob er nach San Francisco möchte, an den Strand oder doch lieber in die Berge – alles ist nur 45 Minuten entfernt. „Es ist unfassbar teuer, aber ich glaube, man bekommt auch das kompletteste Paket, das Amerika zu bieten hat“, sagt der 30-Jährige. Mittlerweile hat er fast 70 Spiele für die „Quakes“ absolviert.

Jungwirth weiß, dass es Auswärtsspiele in Kanada gibt, vor jeder Partie die Nationalhymne gespielt wird, die Presse Zugang zur Kabine hat. Bei Reisen an die Ostküste sitzt er mehr als fünf Stunden im Flugzeug und reist durch drei Zeitzonen. „Das Reisen ist anstrengend, aber das Härteste sind teilweise die Wetterbedingungen“, sagt Jungwirth. Beispielsweise finden die Spiele in Denver in 1.600 Metern Höhe statt. In Houston wiederum beträgt die Luftfeuchtigkeit häufig 90 Prozent. Das sei schon „extrem“, meint Jungwirth, und er gesteht: „Daran habe ich mich bis heute nicht gewöhnt.“

Für viele Fußballer in Deutschland ist es das große Ziel, in der Bundesliga zu spielen. Jungwirth hingegen wollte schon immer mal im Ausland kicken. Seine Wunsch-Adressen: Spanien und Amerika. Als 2015 sein ehemaliger Teamkollege von 1860 München, Gregg Berhalter, anfragte, ob Jungwirth unter ihm in Columbus spielen wolle, begann der gebürtige Bayer, sich intensiver mit der MLS zu beschäftigen. Bei seinen Vertragsverhandlungen in Darmstadt ließ er sich dann eine Klausel in den Kontrakt setzen, dass er bei einem Angebot aus den USA in der Winterpause wechseln dürfe. Im Januar 2017 war es dann soweit.

Bis Januar 2017 spielte Jungwirth für Darmstadt.
Bis Januar 2017 spielte Jungwirth für Darmstadt. © Ronald Wittek/dpa

Jungwirth weiß, dass es in Deutschland viele Vorurteile gegenüber der MLS gibt. Da ist von einer „Rentnerliga“ die Rede. Und tatsächlich spielen aktuell mit Bastian Schweinsteiger (Chicago) und Zlatan Ibrahimovic (L.A. Galaxy) zwei prominente Profis, die im Spätherbst ihrer Karrieren in die USA wechselten und da ihre legendären Laufbahnen ausklingen lassen. Aber die MLS ist eben in den vergangenen Jahren auch ein lukratives Ziel von zahlreichen Talenten aus Südamerika geworden. „Die Liga hat sich unglaublich entwickelt – qualitativ, aber auch vom Altersschnitt“, betont Jungwirth.

Er ist das beste Beispiel dafür, dass selbst Europäer längst nicht mehr nur rüberkommen, wenn sie das Alter von 30 Jahren weit überschritten haben. Jungwirth war 28. Und er hat „bestimmt 50 bis 70 Anfragen von deutschen Spielern erhalten“, die auch gern in die MLS kommen würden. Es seien „auch viele Bundesligaspieler“ gewesen. Das fußballerische Niveau zwischen Vancouver und Washington schätzt Jungwirth als „richtig gut“ ein. Und es werde immer besser.

Damit in San Jose etwas wächst, baut Trainer Matias Almeyda auf seinen deutschen Defensivmann. „Florian ist ein großartiger Profi, von Natur aus ein Führungsspieler – und das hilft unserem Team“, sagt Almeyda, der als Spieler einst bei Lazio Rom große Erfolge feierte. Der Argentinier weiß Jungwirths Erfahrung aus der 1. und 2. Bundesliga zu schätzen. Solange der Blondschopf so spiele wie bislang, betont Almeyda, sei er bei ihm immer gesetzt.

Die außergewöhnlichste Station seiner Karriere

Eine feste Größe war Jungwirth auch in den dreieinhalb Jahren bei Dynamo Dresden. Die Zeit vom Januar 2010 bis zum Saisonende 2013 beschreibt er als „unglaublich.“ Jungwirth kam von 1860 München und machte im Dynamo-Dress seine ersten Profispiele in der 3. Liga. Höhepunkt war natürlich der Zweitliga-Aufstieg 2011. Doch Jungwirth fand nicht nur sportlich in Dresden sein Glück, sondern auch privat. „Ich habe meine Frau Kathleen dort kennengelernt. Und deswegen ist es für mich, auch aufgrund meines Privatlebens, die außergewöhnlichste Station.“

2011: Bei der Ankunft in Dresden zünden sich Jungwirth und seine Mitspieler von Dynamo eine Siegerzigarre an. Gerade haben sie den Aufstieg in die zweite Liga geschafft.
2011: Bei der Ankunft in Dresden zünden sich Jungwirth und seine Mitspieler von Dynamo eine Siegerzigarre an. Gerade haben sie den Aufstieg in die zweite Liga geschafft. © Robert Michael

Von San Jose nach Dresden sind es etwas mehr als 9.000 Kilometer sowie neun Stunden Zeitunterschied. Dennoch versucht Jungwirth, die Geschehnisse so gut es eben aus der Entfernung geht, zu verfolgen. Vor allem die Ernennung von Cristian Fiel zum Cheftrainer hat ihn gefreut. Mit ihm hatte Jungwirth einst zusammengespielt. Fielo passe als Trainer einfach zu Dynamo „wie die Faust aufs Auge“.

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Jungwirth wiederum passt sehr gut in die MLS. Sein Vertrag in San Jose endet im Herbst. Im Fußball sei es immer schwierig, etwas zu planen, sagt er. Aber es wäre sein „absoluter Traum, in der MLS zu bleiben und auch meine Karriere hier zu beenden“.

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