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Ein Fahrfehler mit Todesfolge

Zu einer Geldstrafe ist ein Rennersdorfer verurteilt worden. Er verursachte einen Unfall, bei dem ein Motorradfahrer starb.

Von Anja Beutler

Verurteilt wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro, drei Monate Entzug der Fahrerlaubnis und der Übernahme der Verfahrenskosten. Das ist das Strafmaß, das ein Rennersdorfer gestern erhielt, weil er im August 2013 einen Unfall verursacht hatte, bei dem ein Motorradfahrer ums Leben kam. Der Vorfall – auf der Verbindungsstraße zwischen Bernstadt und Großhennersdorf geschehen – hatte viel Aufsehen erregt. Noch heute erinnert ein Kreuz vor Ort an den Getöteten. Hier hatte der nun Verurteilte hinter einem Trecker mit Strohballenladung nach links in die Siedlung abbiegen wollen und übersah dabei einen entgegenkommenden Motorradfahrer.

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Richter Holger Maaß war mit dem gestern gefällten Urteil am Ende persönlich nicht ganz im Reinen. Das lag weniger am Verfahren selbst als vielmehr an der Tatsache, dass bei einem Unfall mit Todesfolge eine Geldstrafe wenig angemessen erscheint – vor allem mit Blick auf die Hinterbliebenen. Er machte jedoch bei der Verhandlung an der Löbauer Außenstelle des Zittauer Amtsgerichtes deutlich, dass es in diesem Fall auch laut Gesetz unangemessen gewesen wäre, den Angeklagten mit einer härteren Strafe zu versehen. „Es war ein einmaliger, fataler Fahrfehler“, erklärte der Richter und folgte damit im Strafmaß der Einschätzung von Staatsanwalt Heinrich Rohling. Die Nebenklage hatte die doppelte Tagessatzmenge gefordert.

Dass das Gericht gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft, der Nebenklage und der Verteidigung sich im Kern jedoch einig war, hatte mehrere Gründe: Zum einen hatte der Rennersdorfer sich bislang – auch verkehrstechnisch – keinerlei aktenkundige Vergehen zuschulden kommen lassen. Andererseits konnten auch die Gutachter bis zum Schluss nicht endgültig klären, ob der Angeklagte den Motorradfahrer wirklich nicht sehen konnte. Dass er die Vorfahrt missachtet und damit einen groben Verkehrsverstoß begangen hatte, das war am Ende unstrittig. Mehr Umsicht hätte er walten lassen müssen. Was dem Angeklagten aber nicht vorgeworfen werden könne, sei, dass er rücksichtslos den Unfall in Kauf genommen habe, weil er schneller ans Ziel gelangen wollte oder weil er aggressiv fuhr, machte Richter Maaß zusammenfassend deutlich. Eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs kam deshalb nicht in Betracht.

Eine Frage war im Verlauf der Verhandlung noch, welche Rolle der Alkohol bei dem Unfall spielte. Beim Angeklagten waren 0,33 Promille gemessen worden. Dass er einige Stunden zuvor ein Bier getrunken habe, leugnete der Rennersdorfer nicht. Wobei er bei seiner Version blieb, dass es nur ein Bier gewesen sei, während der Gerichtsmediziner eher zwei Bier für wahrscheinlich hielt. Sicher war sich der Mediziner jedoch, dass der Alkohol nicht der alleinige Auslöser des Unfalls war, auch wenn er die Unaufmerksamkeit, die zweifelsfrei vorhanden war, sicher bestärkt habe. Aber auch nüchtern könne so ein Fehler eben jedem passieren, betonte er.