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Riesa

Ein „Flecken“ erhält das Stadtrecht

Ein Niederländer sicherte Riesa 1623 zusätzliche Privilegien. Dennoch hatte es das Städtchen anfangs schwer.

Die Zeichnung zeigt das Riesaer Rittergut um das Jahr 1800 herum. Riesa hatte zu diesem Zeitpunkt schon 177 Jahre lang das Stadtrecht inne. Das kleine Foto unten zeigt die Stadtrechtsurkunde aus dem Jahr 1623.
Die Zeichnung zeigt das Riesaer Rittergut um das Jahr 1800 herum. Riesa hatte zu diesem Zeitpunkt schon 177 Jahre lang das Stadtrecht inne. Das kleine Foto unten zeigt die Stadtrechtsurkunde aus dem Jahr 1623. © Stadtmuseum

Riesa. Nach der Auflösung des Klosters im Jahre 1540, das danach ein Rittergut wurde, verzeichnen die Chronisten bis 1617 mehrmals einen Wechsel der Eigentümer. Für die Entwicklung des „Fleckens“ Riesa war dies aber ohne große Bedeutung. Festgehalten wurde lediglich, dass der Ort das erste Schulgebäude erhielt.

Bemerkenswertes vollzog sich nach 1617. Stephan und Philipp von Embden, die seit 1612 alleinige Eigentümer des Rittergutes Riesa waren, verkauften es an Christian von Kiesewetter. Er erhielt am 16. Juni 1617 den Lehnsbrief. Damit verbunden waren auch Einnahmen aus Poppitz, Mergendorf, Heyda, Moritz und Leutewitz. Die Bauern dieser Dörfer hatten außer den Abgaben noch drei Tage Frondienste auf den Feldern und auf dem Weinberg des Rittergutsbesitzers zu leisten. 

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Die Herrschaft der Kiesewetters dauerte aber nur bis 1622. Kurfürst Johann Georg I. kaufte das gesamte Gut und belohnte damit seinen „Rath und Direktor der Holzflösse“ Christoph Felgenhauer. Der Lohn war ein Erbgut. Felgenhauer war ein reicher Kaufmann aus den Niederlanden. Ihm gehörte auch das Rittergut Hirschstein. Als Unternehmer, kursächsischer Kammerrat und Floßdirektor verfügte er über beträchtlichen Einfluss im Kurfürstentum Sachsen. 

Die hohe Gunst, die Felgenhauer beim Kurfürsten hatte, benutzte er auch im Interesse des damaligen Fleckens Riesa. Auf sein Gesuch hin verlieh Kurfürst Johann Georg I. diesem Ort am 28. Juli 1623 volles Stadtrecht mit der Erlaubnis, zwei Jahr- und Rossmärkte abhalten zu dürfen. Nun hatte das Rittergut eine Stadt.

Die Entwicklung des Städtchens erwies sich aber in der Folgezeit als schwierig. Riesa lag nicht wie Oschatz und Hayn (Großenhain) an der großen Handelsstraße Via Regia. Es gab keine städtische Selbstverwaltung. Die Gerichtsbarkeit blieb beim Rittergutsbesitzer. Eine weitere Gunst wurde dem kurfürstlichen Kammerherrn zuteil. 

Am 23. März 1624 wurde er in den Adelsstand erhoben und konnte sich von nun an Christoph Felgenhauer von und zu Riesa nennen. Der schlichte Südflügel des ehemaligen Klosters genügte offensichtlich dem geadelten Felgenhauer nicht mehr. Er ließ um 1626 ein herrschaftliches Schloss mit einem Renaissancegiebel anbauen, der heute den westlichen Teil des Rathauses bildet.

Der Ort Riesa, in dem 1626 genau 83 Familien lebten, gewann aber dadurch nicht wesentlich an Bedeutung. Gehemmt wurde die Entwicklung auch durch die wiederholten Einfälle, Plünderungen und Brandschatzungen der Schweden während des Dreißigjährigen Krieges. 

In der „Topografie Sachsens und Thüringens“ von 1650 wird Riesa in einer Liste als abgebrannte Stadt erwähnt. Bis 1716 blieben Rittergut und Stadt Eigentum von Familienmitgliedern der Felgenhauers. In den folgenden Jahren wechselten die Besitzer erneut. Zunächst erwarb Sophie Christina von Wehlen das Adelsgut. Sie war es, die sich in einem Rechtsstreit zwischen den Kaufleuten von Dresden und Riesa auf das Stadtrecht von 1623 berief. 

Die Dresdener Kaufleute betrachteten Riesa als Dorf, die Riesaer Händler und Schiffsherren als Fischer. In dieser Zeit war aber nur städtischen Unternehmen der Handel erlaubt. Als keine Einigung mit den Dresdner Räten erzielt werden konnte, entschied August der Starke in einem Brief an die Dresdner Stadträte zugunsten der Riesaer Händler.

Mehrfach erwähnt wurde Riesa auch in Berichten über das große Lustlager und Manöver der Kurfürstlich Sächsischen und Königlich Polnischen Armee 1730 bei Zeithain. Während der Tage des Manövers befand sich das Hauptquartier der Preußen in Riesa. Um zum Manövergebiet zu gelangen, wurde eine breite Schneise durch den Riesaer Busch bis zur Elbe geschlagen, der heutige Brandenburger Weg im Stadtpark. 

Am Ufer überquerten die preußischen Gäste auf einer Bootsbrücke die Elbe. Das gigantische Feuerwerk als Höhepunkt des Lustlagers wurde am 24. Juni 1730 auf der Riesaer Seite der Elbe abgebrannt. Die zahlreichen Gäste Augusts verfolgten es auf der anderen Elbseite von Promnitz aus.

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