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Ein Fotograf der alten Schule

Der Bischheimer Werner Gatsche war jahrzehntelang ein Chronist des Geschehens. Heute feiert er seinen 85. Geburtstag.

© privat

Haselbachtal. Vitalität im hohen Alter – von der Medizin propagiert, von der Gesellschaft gewünscht, doch in der Praxis von zahlreichen Faktoren abhängig, die eine gesunde Lebensweise ebenso einschließen wie eventuelle Erbanlagen oder einfach eine Portion Glück. Einer jener, in der großen Masse doch eher seltenen Fälle ist der Bischheimer Werner Gatsche, der heute seinen 85. Geburtstag begeht.

Disziplin und Pflichterfüllung
Als Kind erlebte er noch den Zweiten Weltkrieg, der in seinen letzten Tagen auch vor dem Haselbachtal nicht halt machte, selbst wenn der Durchmarsch polnischer Streitkräfte in der Steinbruch-Gemeinde vergleichsweise unblutig ablief. Dem Heranwachsenden wurden persönliche Disziplin und Pflichterfüllung zu wichtigen Eigenschaften, die ihn nicht nur in seinem Arbeitsalltag begleiten sollten; als er in den Fünfzigern seinen Dienst bei der Marine versah, waren die Vorgesetzten so angetan, dass sie ihn gerne auf See behalten hätten. Doch den jungen Mann zog es zurück an die Jahnstraße seines Dorfes, die auf direktem Weg hinauf zum Werk Galgsberg des damaligen VEB Lausitzer Granit führt. Dort ging er seinen Weg vom Steinarbeiter zum leitenden Angestellten der Produktion, die nach der politischen Wende leider eingestellt wurde. Ablenkung von der nicht immer leichten Aufgabe verschaffte ihm sein großes Hobby – die Fotografie. Über Jahrzehnte hielt er mit seinen Kameras das Geschehen rund um Bischheim, Häslich und Gersdorf fest (nicht nur, aber eben vorwiegend) und verfügt heute über ein Privatarchiv von beinahe unschätzbarem Wert.

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Wann und wo immer Veränderung angesagt war: Werner Gatsche war mit seinem Objektiv zur Stelle und dokumentierte den Lauf der Geschichte, die bekanntlich auch um kleine dörfliche Gemeinschaften keinen Bogen macht. In den Neunzigern bereicherte er mit seinen Aufnahmen sogar die Berichterstattung der SZ-Lokalausgabe.

Nie auf Digitaltechnik umgestellt
Ihn als Hobby-Fotografen zu bezeichnen, ist anhand seiner Meriten und mehrerer von ihm gestalteter Ausstellungen fast eine Untertreibung. Im Gersdorfer Karoline-Rietschel-Haus waren seine Bilder ebenso zu sehen (zuletzt 2013) wie in der örtlichen Arzt-Praxis. Dabei hat er nie auf die längst übliche Digitaltechnik umgestellt – seine ganze Hinwendung gilt der herkömmlichen Methode mit Negativ und Fotopapier, auch wenn die wichtigsten Utensilien inzwischen nur noch in Dresdner Fachgeschäften zu besorgen sind. Wohl auch deshalb würde ihm ein Künstler-Etikett wie ein zweischneidiges Schwert vorkommen, denn obwohl er ohne Zweifel den Blick für das Besondere hat, wenn er den Auslöser betätigt, so scheint sein immenses Ouvre eher direkt dokumentarisch (oder halt journalistisch) geprägt.

Seine Bilder wirken kunstvoll
Doch auf der anderen Seite steht natürlich eine vollkommen veränderte visuelle Welt, in der jeder Handynutzer via Internet zum Amateur-Fotoreporter aufsteigen kann, auch weil die ausgefeilte Technik das geübte Auge des Spezialisten beinahe überflüssig macht. Schon aus diesem Blickwinkel wirken Gatsches Bilder wie Kunst – eine vom Aussterben bedrohte, muss leider hinzugefügt werden. Mit der Presseunterstützung ist es zwar weniger geworden, doch auch als über Achtzigjähriger ist er im Haselbachtaler Ortsteil unterwegs, und nicht selten führt der Weg zu Fuß hinauf zur alten Wirkungsstätte, wo sich die Kamenzer Firma von Rolf und Bernd Ziesche angesiedelt hat und mit modernsten Maschinen die Sandsteine für das Berliner Schloss bearbeitet.

Viele Schnappschüsse von den fantastischen Fassadenelementen sind entstanden, doch auch im Dorfkern, wo derzeit der nicht eben kleine Parkteich eine neue Randmauer bekommt, ist der rüstige Rentner immer mal wieder „knipsend“ zur Stelle. Die Fotografie half ihm gewiss auch, den Verlust seiner Ehefrau zu verkraften.

Selbst beim Apfelbaumverschnitt
Den halbrunden Geburtstag feiert er mit Verwandten und Freunden aus der unmittelbaren Nachbarschaft, die seine zurückhaltende, wiewohl von viel Wissen geprägte Gesprächsart zu schätzen wissen und mitunter Bauklötzer staunen, wie ein nunmehr 85-Jähriger den Verschnitt seiner Äpfelbäume in luftiger Höhe noch immer eigenhändig bewerkstelligt. Vitalität im Alter eben ... (SZ/fh)