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Ein frostiger Dresden-Besuch

Ein Ehepaar aus Potdam musste wegen einer defekten Klimaanlage mitten in der Nacht sein Zimmer im Art’otel räumen.

Von Sarah Grundmann

Es sollte eine schöne Städtereise werden. Der Potsdamer Klaus Pfitzner wollte die Stadt Dresden zusammen mit seiner Frau erstmals erkunden. „Ich habe immer wieder gehört, wie schön es hier sein soll“, sagt der 57-jährige Mann. „Davon wollte ich mich gern selber überzeugen.“ Doch dass der Kurzurlaub so schlimm enden würde, hatte der Buchdrucker nicht gedacht.

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Für zwei Nächte hatte das Ehepaar ein Zimmer im Art’otel in der Ostra-Allee gebucht. „Wir haben extra eins mit Aufpreis genommen. Wir wollten einfach, dass es ein besonders schöner Kurzurlaub wird“, erklärt Pfitzner. Daraus wurde aber nichts. In der ersten Nacht haben die Potsdamer kaum ein Auge zugemacht. Denn in ihrem Zimmer war es entsetzlich kalt. Der frostige Wind der Klimaanlage wehte dem Ehepaar ins Gesicht. Vergeblich versuchten sie, diese auszuschalten. In ihrer Not riefen die Gäste um zwei Uhr nachts den Portier zu Hilfe. „Der kam dann zu uns ins Zimmer. Aber auch er hat es nicht geschafft, die Anlage auszustellen“, sagt Pfitzner. Sie war defekt. Lange diskutierte das Ehepaar mit dem Mitarbeiter. Schließlich hatten sie Erfolg und durften ein anderes Zimmer beziehen.

„Allerdings mitten in der Nacht“, sagt der Potsdamer verärgert. „Inzwischen war es schon vier Uhr morgens.“ Und dann lag das neue Zimmer nicht wie das Vorherige zum Hof, sondern zur Straße. „Dort war der Verkehrslärm so laut, dass wir die ganze Nacht nicht mehr ordentlich schlafen konnten“, erklärt der Dresden-Besucher. Die geplante Radtour am nächsten Tag musste deshalb ausfallen. „Dafür fühlten wir uns einfach viel zu fertig“, sagt Pfitzner. „Den ganzen Tag ging es mir nicht besonders gut.“

Hitziges Wortgefecht bei der Abreise

Beim Auschecken erlebten die Potsdamer eine weitere böse Überraschung. Wegen der Probleme wollten die Gäste einen Preisnachlass in Höhe von 40 Euro haben. Eine Mitarbeiterin der Rezeption bot ihnen an, 20 Euro zu erlassen. Aber darauf gingen die Gäste nicht ein. „Ich war einfach verärgert und wollte die gesamten 40 Euro haben“, erklärt Pfitzner. „Schließlich hatten die Probleme erheblichen Einfluss auf die Qualität unseres Urlaubs.“ Daher ging er mit seiner Frau zur Hotelmanagerin Susan Fahrnholz. Die bestand auf dem vollen Betrag. „Den Nachlass, den die Mitarbeiterin uns geben wollte, hat sie einfach wieder gestrichen. Sie hat sogar behauptet, dass die Klimaanlage funktioniert“, sagt der Potsdamer entrüstet. Als Pfitzner diskutierte, rief Fahrnholz die Polizei.

„In solchen Fällen sind wir aber nicht zuständig“, erklärt der Sprecher der Dresdner Polizei Thomas Geithner. „Bei dem Vorfall handelt es sich nämlich um eine zivilrechtliche Auseinandersetzung und nicht um eine Straftat. Ob den Gästen ein Nachlass zusteht und wenn ja, in welcher Höhe, muss ein Gericht klären.“ Deswegen haben die Polizisten auch nur die Personalien der Beteiligten aufgenommen, damit diese die Situation auf zivilrechtlichem Weg regeln können. „Das ist das normale Vorgehen in solchen Fällen“, erklärt der Pressesprecher. Zwar gebe es keine Statistik darüber, wie oft die Polizei zu Einsätzen solcher Art ausrücken muss. „Ich glaube aber nicht, dass das häufig der Fall ist“, so Geithner.

Das Management des Hotels möchte sich gegenüber der SZ nicht zu dem Vorfall äußern. „Die Sicherheit und die Privatsphäre unserer Gäste und Mitarbeiter ist jederzeit unser oberstes Gebot“, erklärt Sarah Weissenfels, die für das Marketing des Hotels zuständig ist. Der Vorfall werde aber derzeit untersucht und mit dem Gast und den Behörden direkt geklärt.

Die rechtliche Lage ist unklar

Aussagen zur Rechtslage in dieser Situation sind nur schwer zu treffen, da bei Reisemängeln vom Gericht von Fall zu Fall entschieden wird. Einen Anhaltspunkt bietet aber eine Liste des ADAC, die verschiedene Fälle aufführt. Laut dieser kann der Preis bei einem Umzug innerhalb des Hotels um bis zu 50 Prozent und bei einer defekten Klimaanlage um bis zu 10 Prozent gemindert werden. Dies steht den Gästen aber nicht zwingend zu. Wichtig ist es vor allem, vorab Beweise zu sammeln.

„Um die Kosten geht es auch nicht unbedingt“, sagt Pfitzner. Er ist enttäuscht darüber, wie mit ihm umgegangen wurde. „Man hätte uns doch wohl etwas entgegenkommen können. Und dass die Managerin die Polizei gerufen hat, finde ich unverschämt“, sagt Pfitzner.

Trotzdem will das Ehepaar gern noch einmal nach Dresden kommen. „Die Stadt kann ja schließlich nichts dafür“, sagt der verärgerte Hotelgast. „Außerdem haben wir bei unserem Urlaub nicht so viel davon gesehen, wie wir eigentlich wollten.“ Beim nächsten Besuch würde sich das Ehepaar allerdings ein anderes Hotel nehmen.