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Fünftel Prozent kann eine halbe Million sein

Beteiligungsbericht der Stadt Wittichenau für 2018 bescheinigt durchweg solides Wirtschaften.

© Symbolfoto: Uwe Schulz

Wittichenau. Auf 38 Seiten listet der Beteiligungsbericht der Stadt Wittichenau für den Stand 31. Dezember 2018 auf, an welchen Unternehmungen die Kommune beteiligt ist, welche Ertragslage zu verzeichnen ist und welche Aussichten für Künftiges bestehen. Das Wichtigste in Kürze zu den jeweiligen Unternehmen zusammengefasst:

Eigenbetrieb Abwasser

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An diesem Unternehmen hält Wittichenau 100 % der Anteile. Hier gibt es eine scheinbar dramatische Veränderung: Er erzielte 2017 einen Überschuss von 106.000 Euro, 2018 dagegen einen Jahresfehlbetrag von 116.000 Euro. Die Hauptursache dafür hat allerdings das Unternehmen nicht zu verantworten – sondern ist eine Vorsorgemaßnahme. Seit Jahren streitet Wittichenau gerichtlich mit der Gemeinde Lohsa um die Kündigung des Abwassereinleitvertrages von 1998, den Lohsa anno 2015 kurzfristig gekündigt hatte. Wittichenau hatte dagegen geklagt – zunächst erfolgreich: Am 19.12.2017 hatte das Verwaltungsgericht Dresden zugunsten von Wittichenau entschieden, dass diese Kündigung weder wirksam noch sachgerecht war. Daraufhin hatte Lohsa die nach diesem Einleitvertrag offenen Beträge für 2015 und 2016 gezahlt, jedoch beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen einen Berufungsantrag gestellt, der zwischenzeitlich zugelassen worden ist – und am Faschingsdienstag (!), dem 25. Februar, verhandelt wird. Daher musste zum Jahresabschluss 2018 die Summe der Rückstellungen des Eigenbetriebs um 100.000 erhöht werden, um bei einem ungünstigen Ausgang des Verfahrens die für 2015 und 2016 von Lohsa in dieser Höhe geleisteten Zahlungen gegebenenfalls wieder zurückzahlen zu können. Ein Umsatzrückgang und Einzelwertberichtigungen in Höhe von 94.000 Euro taten ihr Übriges. / Wesentlich entspannter sieht es aus bei der

Wohnungsbaugesellschaft Wittichenau mbH (WGW),

an der Wittichenau gleichfalls 100 % der Anteile hält. Die WGW schloss 2018 mit einem Jahresüberschuss von 181.000 Euro ab gegenüber einem Plus von nur 93.000 Euro im Jahre 2017. In summa haben sich die Umsätze aus der Hausbewirtschaftung geringfügig auf 758.000 Euro erhöht. Bemerkenswert: Die Wohnungsleerstandsquote konnte 2018 auf 4,33 % (2017: 5,72 %) reduziert werden; auch, weil durch umfängliche Sanierungen attraktiverer, besser vermietbarer Wohnraum zur Verfügung steht. Bei Neuvermietungen beträgt der Quadratmeterpreis (kalt) 5 Euro. / Die

Energieversorgung Schwarze Elster GmbH (EVSE)

ist zu 50 % in Wittichenauer Eigentum. Trotz vermindertem Gas-Absatze (Folge vor allem der extrem warmen Witterung und erst in zweiter Linie des Wettbewerbsdruckes der Mitanbieter) sowie erhöhter Kosten wie Personalausgaben und Abschreibungen konnte ein Jahresüberschuss von 544.000 Euro erreicht werden (2017 waren es 653.000 Euro gewesen). Günstige Gasbezugs-Konditionen konnten die Mindereinnahmen partiell kompensieren. Strategisch aber waren es zwei Dinge, die die EVSE optimistisch in die Zukunft schauen lassen: „Im Jahr 2018 konnte die EVSE erneut die Ausschreibung der Gaskonzession (20 Jahre) für die gesamte Gemeinde Lohsa gewinnen. Dies ist von enormer Bedeutung, da ein Verlust dieser Konzession extrem negative Auswirkungen auf den Betrieb gehabt hätte. Außerdem konnte mit der Gemeinde Schönteichen erstmalig ein Konzessionsvertrag für den OrtsteiI Biehla abgeschlossen werden.“ / Keine Kapital- sondern nur Stimm-Anteile (7,59 %) hat die Stadt Wittichenau am

Trink- und Abwasserzweckverband (TZV) Kamenz

Der aber seinerseits hält 63,34 % der Anteile an der Energie und Wasserversorgung AG (ewag.kamenz) und die ewag wiederum 31,95 % der Anteile an der MSE (Mobile Schlammentwässerungs- und Entsorgungsgesellschaft mbH (Zwickau).

Die ewag Kamenz hat das Geschäftsjahr 2018 mit 984.000 Euro Jahresüberschuss abgeschlossen (2017: 1.209.000 Euro). „Die Trinkwasserversorgung im Auftrag des TZV Kamenz ist ... nach wie vor der umsatzstärkste Unternehmensbereich der ewag Kamenz“, heißt es im Bericht. / Geradezu marginal mit 0,2134 % mutet die Beteiligung der Stadt Wittichenau an der

Kommunalen Beteiligungsgesellschaft mbH an der envia (KBE)

an, aber die KBE mit einem Stammkapital von 54.134.541 Euro ist ein Zusammenschluss von 336 Kommunen der neuen Bundesländer (mit Ausnahme von Berlin und Mecklenburg-Vorpommern). Der absolute Wert der Wittichenauer Beteiligung ist alles andere als marginal: „Die Stadt Wittichenau ist mit 0,2134 % der Gesellschafter-Aktien an der KBE beteiligt und damit mittelbar mit 0,045 % an der enviaM (Mitteldeutsche Energie AG, d. Red.). Der Wert der Beteiligung an der enviaM ist, wie ein Gutachten von Ernst & Young bestätigt, positiv einzustufen. Aktuell bewertet die KBE den Wert einer Aktie mit 5 Euro und einen möglichen Veräußerungserlös der 113.771 Aktien der Stadt Wittichenau mit 568.857,14 Euro.“

Alles in allem: geordnete Verhältnisse in Wittichenaus Beteiligungen. Die Frage allerdings ist, was der Faschingsdienstag in Sachen Abwasserstreit bringen wird – da geht’s ja um 100.000 Euro. (JJ)

Beteiligungsbericht der Stadt Wittichenau – einsehbar im Rathaus (Markt 1) in Zimmer 7 (bei Simone Künze) Mo-Fr 7-12 Uhr, Mo-Mi zusätzlich 12.45-16 Uhr, Do zusätzlich 12.45-18 Uhr