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Ein Fünkchen Hoffnung

Valentino Rossi gewinnt völlig unerwartet das Auftaktrennen in der Motorrad-WM. Das freut vor allem den Vermarkter.

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© dpa

Von Uli Schember

Knapp 20 Jahre ist Valentino Rossi jetzt im Geschäft. Er kennt alle Strecken, alle Gefühlswelten, ist neunfacher Weltmeister und zuletzt oft genug auch hinterhergefahren. Der Auftakt in die Motorrad-WM-Saison in Katar hielt aber auch für den inzwischen 36-jährigen Superstar etwas Unerwartetes bereit. „Das war vielleicht das schönste Rennen meiner Karriere. Ich hatte so viel Spaß“, sagte Rossi nach seinem überraschenden Sieg am Sonntagabend in der MotoGP-Klasse und grinste sein typisches Rossi-Grinsen: übers ganze Gesicht und trotzdem verschmitzt, auf jeden Fall vermarktungstechnisch wertvoll.

Ganz besonders gefreut haben sich über den 109. Grand-Prix-Erfolg des Italieners deshalb auch die Strategen von WM-Vermarkter Dorna. Dass auf dem Podium mit Andrea Dovizioso und Andrea Iannone zwei Landsleute von Rossi standen, machte die Sache richtig rund. Denn das war das erste rein italienische MotoGP-Podium seit neun Jahren – und zugleich ein Fünkchen Hoffnung auf eine spannendere Saison.

Im Training jedenfalls hatte noch Weltmeister Marc Marquez dominiert – wieder mal. Bereits im Vorjahr war das Titelrennen in der Königsklasse frei von Spannung. Márquez gewann die ersten zehn und insgesamt 13 von 18 Rennen. Niemand hat Interesse daran, noch einmal eine solche Saison zu erleben – abgesehen von dem 22-Jährigen selbst und seinem Honda-Werksteam. Im Rennen kam Marquez dann aber gleich in der ersten Kurve von der Strecke ab und belegte nach einer Aufholjagd den fünften Platz mit sieben Sekunden Rückstand auf Triumphator Rossi.

„Es war definitiv eines der besten Rennen meiner Karriere, wenn man bedenkt, wo wir im Training noch gestanden haben“, sagte Rossi, der wieder einmal bewies, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. „In den letzten drei Jahren bin ich immer solide Rennen gefahren und habe Podeste geholt, aber hier mit einem Sieg zurückzuschlagen ist etwas anderes“, betonte er. Plötzlich scheint sogar ein Uralt-Rekord wieder möglich zu sein: Noch 13 Siege fehlen Rossi, um mit seinem Landsmann und Rekordweltmeister Giacomo Agostini gleichzuziehen. (sid, mit SZ)