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Ein Funkmast zieht um

Der alte Bombardier-Schornstein wird abgerissen. So muss auch der darauf befestigte Funkmast weg. Für ihn ist Ersatz geplant.

Von Ingo Kramer

Fast 100 Jahre hat der einzige hohe Industrieschornstein im Görlitzer Bombardier-Gelände auf dem Buckel. Er gehörte einst zur Schmiede, später war das Heizhaus angeschlossen. „Seit 1994 aber nutzen wir ihn nicht mehr“, sagt Bombardier-Instandhaltungsleiter Wolfgang Ernst. Allerdings erfüllt er nun einen anderen Zweck: Er ist Standort für einen Mast der Deutschen Funkturm GmbH. Sie war und ist maßgeblich am Ausbau der Infrastrukturen für alle Mobilfunkanbieter in Deutschland beteiligt, zunächst mit dem Schwerpunkt GSM, dann UMTS und aktuell mit dem Ausbau auf den Mobilfunkstandard LTE.

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Jetzt aber ist der alte Schornstein marode und soll ganz oder teilweise abgerissen werden. „Wir haben eine Genehmigung der Denkmalbehörde für den Komplettabriss“, bestätigt Ernst. Bei der Suche nach einem Ersatzstandort für ihren Mast ist die Funkturm GmbH auf dem Gelände des Sportplatzes „Junge Welt“ fündig geworden. Dort trainiert der Verein NFV Gelb-Weiß Görlitz 09. Der hat nichts gegen den neuen Mast: „Er soll auf einer ungenutzten Fläche seitlich hinter der Sportbaracke errichtet werden“, sagt NFV-Vorstandschef Carsten Liebig. Dadurch würden Spiele, Training und Zuschauer nicht beeinträchtigt. Auch wegen der Strahlung sieht er keine Bedenken: „Auf dem Bombardier-Gelände gab es ja auch keine Probleme.“

Unaufgeregt reagiert auch das benachbarte Klinikum. „Wir haben den alten Schornstein voriges Jahr beleuchtet, damit es mit unserem Hubschrauber keine Probleme gibt“, sagt Sprecherin Katja Pietsch. Auch den neuen Funkmast müsste das Klinikum eventuell mit einer Beleuchtung versehen. Sorgen wegen der Strahlung äußert sie nicht. Auch für den Flugbetrieb auf dem nahen Flugplatz ist der 35 bis 40 Meter hohe Funkmast uninteressant. „Erst ab 80 Meter Höhe wäre er für uns relevant“, sagt Rolf Zimmermann, Geschäftsführer der Flugplatz Rothenburg/Görlitz GmbH.

Inzwischen hat der Stadtrat dem Abschluss eines Pachtvertrages auf dem Sportplatzgelände zugestimmt. Demnach erhält die Stadt künftig im Monat 150 Euro Pacht von der Funkturm GmbH. Wann der Mast gebaut wird, ist aber völlig unklar. „Die Deutsche Funkturm GmbH kann erst mit Vertragsbeginn am 1. August alle für die Errichtung und den Betrieb nötigen Genehmigungen einholen“, sagt Stadtsprecherin Sylvia Otto. Auch vom Funkmast ausgehende Strahlung und deren Folgen für das Klinikum werden erst dann untersucht. Allerdings läuft der Pachtvertrag bei Bombardier zum 31. Juli aus. Das wiederum sieht Wolfgang Ernst unproblematisch: „Bis zur Fertigstellung des neuen Mastes kann der alte noch erhalten bleiben.“ Das ist wichtig, denn ein Abbau des alten Standortes und das Nichtzustandekommen eines Neubaus hätte Folgen. So wäre die Funkversorgung des angrenzenden Gewerbegebietes, der umliegenden Wohngebiete, des Sportplatzes sowie der Kleingartensparten eingeschränkt oder ganz gefährdet.