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Bautzen

Ein Fußballfan mit einer besonderen Leidenschaft

Ronny Menzel ist Fahnenträger bei Budissa Bautzen. Doch er begeistert sich nicht nur für diese Mannschaft.

Ronny Menzel vor einer Auswahl von mehr als 80 Trikots, die er zu Hause sammelt. Hier befinden sich sportliche Kontrahenten einträchtig nebeneinander.
Ronny Menzel vor einer Auswahl von mehr als 80 Trikots, die er zu Hause sammelt. Hier befinden sich sportliche Kontrahenten einträchtig nebeneinander. © Steffen Unger

Bautzen. Heimspiele von Budissa Bautzen enden nicht immer feierlich, aber zumindest beginnen sie so. Zwei, drei Minuten vor Spielbeginn verstummt die nervige Zeittotschlagmusik aus den Lautsprechern. Es erklingt die Vereinshymne „Schwarz-weiß, Budissa Bautzen unser Spielverein“, eingespielt von der Partyband Jolly Jumper. Dann eine kurze Pause.

Plötzlich ertönen Glocken, wie zum Beginn eines Gottesdienstes. Und mit dem Glockenklang betreten die Fußballgötter den heiligen Rasen der Müllerwiese. Vor den drei Schiedsrichtern und 22 Spielern läuft ein großgewachsener Mann im Budissa-Trikot und schwenkt mit beiden Händen eine riesige Fahne mit dem Vereinslogo. Das Stoffgeviert misst gut und gern drei mal drei Meter. Mal zaust der Wind daran, mal macht Regen das Textil zusätzlich schwer. Doch aus den Händen geglitten ist Ronny Menzel die große Budissa-Fahne noch nie.

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Sportbegeisterte Familie

Er hat nicht mitgezählt, wie oft er das Budissa-Banner schon auf die Müllerwiese getragen hat. Fünfzig, sechzig Mal waren es wohl mindestens. Wenn Ronny Menzel auf der Müllerwiese fehlt, dann nur aus zwei möglichen Gründen: Entweder ist er krank, was selten vorkommt, oder er hat Dienst. Der noch 39-Jährige arbeitet in der Getränkeabteilung eines Supermarktes in seiner Heimatstadt Wilthen. Hier lebt er mit Ehefrau Raphaela, dem dreijährigen Sohn Ian-Maurice, einem neugierigen Kater und possierlichen Chinchillas in einer Neubauwohnung, deren Balkon einen fantastischen Blick auf das Bergland bietet.

Gar nicht weit von hier, in Sohland (Spree), lag die Sportbegeisterung zu Heiligabend 1979 schon mit in der Wiege. Opa Jürgen Menzel arbeitete in Bautzen beim Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB), Vater Andreas spielte Handball bei Fortschritt Obergurig. Ein Mannschaftskamerad von Andreas Menzel hatte einen Sohn, der bei Budissa Bautzen Fußball spielte. Irgendwann gingen die beiden Väter zusammen auf die Müllerwiese, und Ronny Menzel begleitete sie. Von diesem Tag an war er von Budissa infiziert.

Die Liebe zu Budissa blieb auch, als er von 2006 bis 2008 mal zwei Jahre in Dessau wohnte. Die Bautzener sah er auch in seiner zeitweiligen Heimat wieder – beide Mannschaften spielten damals in der gleichen Liga. Jahre später, Ronny Menzel wohnte wieder in Wilthen und Budissa war gerade in die Regionalliga aufgestiegen, saß der Bautzener Fanclub Spreebudissen mit dem Vorstand des neuen Viertligisten zusammen. Bei dem Gespräch kam auch die Idee mit der Riesenfahne auf. „Geschäftsführer Sven Johne fand das einen guten Vorschlag“, erinnert sich Ronny Menzel. Die Bautzener Firma Förster-Werbung gestaltete die Fahne, die der Wilthener seitdem zu Heimspielen auf den Rasen trägt. Und das auch weiter tut, selbst wenn Budissa jetzt in der sechsten Liga kickt: „Der Abstieg ist doch kein Grund, nicht mehr die Fahne des Vereins zu tragen.“

Bevor er das Banner der Budissen aus dem Vereinsraum auf der Müllerwiese holt, hat er aber meist noch etwas anderes vor, was nicht alle Bautzen-Fans verstehen: Er trifft sich mit der Gästemannschaft. Und auch deren mitgereiste Anhänger sind ihm willkommen. „Warum soll ich denn den anderen Fan verprügeln“, sagt Ronny Menzel. „Er steht zu seiner Mannschaft genauso wie ich zu meiner, und gemeinsam haben wir die Leidenschaft zum Fußball.“

Einträchtige Kontrahenten

Eine Leidenschaft, die in der Wohnung in Wilthen nicht zu übersehen ist und langsam zum Platzproblem wird. Raphaela Menzel schmunzelt, als ihr Mann seine Sammlung zeigt: im Schrank mehr als 80 Trikots von Mannschaften, die schon auf der Müllerwiese gastierten, mehrere Kartons mit Schals und anderen Fan-Utensilien, Wimpel an den Wänden und eine Vitrine voller Souvenirs von der SG Wilthen bis zu Schalke 04. Ronny Menzel breitet einige Trikots aus. Hier liegen sportliche Kontrahenten einträchtig nebeneinander, ob Chemie Leipzig, BFC Dynamo, FC Oberlausitz Neugersdorf oder Germania Mittweida. Oder Energie Cottbus, die Söhnchen Ian-Maurice ins Herz geschlossen hat. Ronny Menzels 16-jähriger Sohn Nick aus einer früheren Beziehung lebt in Hamburg und steht eher auf Bayern München. Wenn er seinen Vater in Wilthen besucht, geht es aber natürlich gemeinsam zu Budissa.

Die Trikots und andere Utensilien bringen die Gastmannschaften für den Wilthener extra mit. Er fragt dort vorher an, ob sie so ein Souvenir für ihn haben – und meist haben sie. Mit der Zeit trug Ronny Menzel so eine Sammlung zusammen, um die ihn manches Sportmuseum beneiden dürfte.

Manchmal posiert er für Facebook in einem seiner mehr als 80 Trikots. Überhaupt liebt er es, sich hin und wieder zu verkleiden. Sei es zu Mittelalter-Festen, welche die Familie gern besucht, oder in den nächsten Monaten zum Fasching.

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