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Ein ganz besonderer Jahrgang

Wie in ganz Deutschland sind auch in Radebeul die heute 50-Jährigen zahlenmäßig am stärksten vertreten.

Von Karin Domann

Radebeul. Ganz genau 1 357 304 Babys erblickten 1964 in beiden Teilen Deutschlands das Licht der Welt. So viele wie niemals zuvor oder danach, wenn man die Zeitspanne nach dem Zweiten Weltkrieg betrachtet. Wie viele Kinder seinerzeit in Radebeul geboren wurden, lässt sich leider nicht so einfach ermitteln. „Die müssten alle mühsam von Hand ausgezählt werden“, sagt Ute Leder, Pressesprecherin der Stadt Radebeul. Fakt ist aber, dass auch in Radebeul der Jahrgang 1964 mit 319 Männern und 311 Frauen am stärksten unter den Einwohnern vertreten ist. Zum Vergleich: In der Lößnitzstadt leben 598 Menschen, die 1963 und 602 die 1962 geboren wurden. Doch was ist aus den Kindern dieses besonderen Jahrgangs geworden? SZ hat sich bei zwei Radebeuler umgehört. Die eine hier geboren, der andere zugewandert .

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Jean-Luc Bellon, geboren auf der französischen Karibikinsel Guadeloupe und aufgewachsen in Paris, ist seit vielen Jahren Radebeuler aus Überzeugung. Mit der gleichaltrigen Katrin Beck trifft er sich in seiner Kochschule in Radebeul-West, um über das, was ihre Generation ausmacht, ein wenig zu plaudern. Bei den Vornamen fängt es an. Katrin Beck weiß genau, dass die meisten gleichaltrigen Mädels in ihrem Umfeld Petra, Simone, Kerstin oder eben Katrin hießen. Sie selber hätte lieber einen anderen Vornamen gehabt, einen der sich aus der Masse der Katrins abhebt. Anders in Frankreich: Jean-Luc Bellon kann sich an viele Alains, Theodors, Jeans und Huberts erinnern. Mit seinem Vornamen ist der französische Koch sehr zufrieden.

1964 wird der damalige Leichtathletikstar des SSV Planeta Radebeul, Gerold Hübsch, DDR-Jugendmeister über 1000 m. Die Traditionsgaststätte Grundmühle, auch das Tor zum Lößnitzgrund genannt, schließt endgültig ihre Pforten. Erst 28 Jahre später wird sie wieder eröffnet. Außerdem stirbt der beliebte Kapellmeister der Lößnitz-Kapelle Wilhelm Laudel im Alter von 83 Jahren. 1964 ist auch das Jahr, in dem die Beatles und die Rolling Stones ihren Siegeszug um die Welt antraten und der Jugendsender DT64 in Berlin an den Start ging, um der wachsenden Sehnsucht der DDR-Jugend nach moderner Beatmusik Rechnung zu tragen. In ihren Kinderzimmern lauschten die kleine Katrin und der kleine Jean-Luc aber ganz anderen Klängen. „Ich stand auf Adamo und Mireille Matthieu“, erzählt Katrin Beck. Jean-Luc hörte schon im zartesten Alter am liebsten Reggae, Calypso und Zouk, einem auf den französischen Karibikinseln beheimateten Musikstil. Seinem Musikgeschmack ist er bis heute treu geblieben, während Katrin Beck im Teenageralter Fan von Nena und Depeche Mode wurde. Natürlich gehört für die Radebeuler Versicherungsmaklerin der Mauerfall im November 1989 zu den wichtigsten Erlebnissen ihres Lebens. „Auf einmal war alles möglich“, erinnert sich Katrin Beck, die 1990 erst einmal ins Schwabenländle zog. Hier probiert sie sich auf vielen Arbeitsgebieten aus. Mit vier ganz unterschiedlichen Berufsabschlüssen in der Tasche kommt sie 2003 nach Radebeul zurück und macht sich selbstständig.

Viele bekannte Radebeuler Zeitgenossen wurden ebenfalls 1964 geboren. Dazugehören Oberbürgermeister Bert Wendsche und der berühmte Cellist Jan Vogler ebenso wie Schauspieler Jürgen Stegmann und die Grafikerin und Galeristin Dorothee Kuhbandner. 1964 – ein ganz besonderer Jahrgang, auch in Radebeul.