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„Ein ganz brauchbares Persönchen“

Wir stellen „Gute Seelen“ vor, die eher im Hintergrund als im Vordergrund stehen. Heute: Inge Roick aus Lauta.

Inge Roick (hinten rechts stehend) sind „ihre“ Omis und Opa Helmut Petrick in der Lautaer Nachbarschaftshilfe-Begegnungsstätte „Stelldichein“ ans Herz gewachsen.
Inge Roick (hinten rechts stehend) sind „ihre“ Omis und Opa Helmut Petrick in der Lautaer Nachbarschaftshilfe-Begegnungsstätte „Stelldichein“ ans Herz gewachsen. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Lauta. Ein Dienstag gegen 14.30 Uhr: Es klingelt. Inge Roick öffnet die Wohnungstür, hinter der sich eine Begegnungsstätte verbirgt – mit drei Aufenthaltsräumen und einem kleinen Büro. Es ist ein Domizil des Nachbarschaftshilfevereins, das den Namen „Stelldichein“ trägt. Jeden Dienstag und Donnerstag können sich hier, im Wohngebiet Lauta-Süd in der Einsteinstraße 45, Menschen treffen und gemeinsam Zeit verbringen.

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Sie braucht eine Aufgabe

Das aber braucht Organisation und mehrere helfende Hände. Inge Roick hat den Hut auf und kümmert sich gern darum. Die 68-Jährige könnte, so sagt sie leicht ironisch, auf Grund ihres Alters eigentlich auch gemütlich unter den Senioren sitzen. Aber soweit ist die engagierte Frau aus Lauta noch nicht. „Ich brauche eine Aufgabe, und ich fühle mich in Gesellschaft viel wohler“, meint sie. Helmut Petrick nickt zustimmend und meint schmunzelnd: „Unsere Inge ist ein ganz brauchbares Persönchen“. Dem 92-Jährigen sitzt bei diesen Worten der Schalk im Nacken. Und jeder, der ihn kennt, weiß, dass hinter seinen Worten sehr viel mehr steckt – nämlich Anerkennung und Wertschätzung, verpackt in humoristisches Gewand. Nicht umsonst wird der Senior als liebenswerter Spaßvogel in der Gruppe bezeichnet. Als „Hahn im Korb“ sieht sich der einzige Mann unter den fünf Frauen aber nicht. In früheren Zeiten waren nahezu vierzig Senioren in der Begegnungsstätte zu Gast.

Seit elf Jahren in der Verantwortung

Seit elf Jahren betreut und umsorgt Inge Roick „ihre“ Schützlinge. Es begann mit einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Das Glück, eine Beschäftigung gefunden zu haben, die ihr sehr viel Freude bereitete, dauerte aber nur sechs Monate. Dann sollte die Maßnahme regulär beendet werden. Doch die damalige Leitung machte sich für ihre engagierte Kollegin stark. Und so folgte ein weiteres halbes Jahr, in dem Inge Roick immer mehr spürte, dass genau diese Aufgabe das Richtige für sie wäre. Der entscheidende Grund für sie, sich auch später für den Nachbarschaftshilfeverein ehrenamtlich zu engagieren.

Gegenseitiges Helfen zählt

Es klingelt erneut. Anna Szardin steht vor der Tür. Die Seniorin trifft Inge Roick mehrmals wöchentlich, wenn es zusammen zum Friseur und zum Einkaufen geht. Denn auch in dieser Hinsicht kümmert sich die engagierte 68-Jährige um die älteren Leute. Es sei sehr schön, jemanden an der Seite zu haben, der immer ein offenes Ohr hat und behilflich ist, wenn Unterstützung im Alltag gebraucht wird, meint Anna Szardin mit einem zufriedenen Lächeln und drückt Inge Roick einen Zettel mit einer hilfreichen Kontaktadresse drauf, die jemand aus der Gruppe gesucht hat. Auch das gehört hier zum Miteinander.

Die ersten Senioren sitzen derweil an der liebevoll gedeckten Kaffeetafel. Es gibt Kuchen, den Regina Goreck gebacken hat. Es wird gelacht, über Gott und die Welt geredet, und es werden natürlich auch Neuigkeiten ausgetauscht. Wieder eilt Inge Roick zur Tür und kümmert sich ganz besonders liebevoll um eine Besucherin, die sich kürzlich einer Zahnbehandlung unterziehen musste. Waren es in früheren Zeiten weite(re) Reisen und viele Ausflüge, treffen sich die Senioren heute vorwiegend bei gemütlichen Kaffeerunden, Spielnachmittagen, kleinen Spaziergängen und zu Kurzfahrten in die nähere Umgebung.

„Hier ist jeder herzlich willkommen“

Inge Roick und „ihre“ Senioren würden sich sehr über neue Gruppenmitglieder freuen. Doch die zahllosen Versuche, neue Interessierte zu gewinnen, blieben bislang leider erfolglos. Aber das muss ja nicht so bleiben! „Hier ist jeder herzlich willkommen“, lädt Inge Roick unverzagt ein.

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