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Ein ganzes Dorf zieht mit

Seit klar ist, dass die Kalkreuther Schafbrücke erneuert wird, arbeiten die Einwohner mit Eifer daran. Am 3. Oktober soll die Röderquerung fertig sein.

Dietmar Pfau (l.) und Friedrich Brunnert auf der Kalkreuther Schafbrücke. Sie bauen einen Zaun an den benachbarten Wiesen.
Dietmar Pfau (l.) und Friedrich Brunnert auf der Kalkreuther Schafbrücke. Sie bauen einen Zaun an den benachbarten Wiesen. © Anne Hübschmann

Kalkreuth. Jeden Montagabend geht die Post ab an der Kalkreuther Schafbrücke über der Großen Röder hinter der Grundschule. Bis zu 30 Mann treffen sich dann, heißt es, um ein Projekt zu verwirklichen, um das lange gekämpft wurde. Die alte Schafbrücke als Teil eines beliebten Spazierweges und als Schulweg für Kinder sollte abgerissen werden. Doch das hat Bürgermeister Falk Hentschel verhindert, indem das Flurstück von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) an die Gemeinde überging. Die Brücke sanieren, das müssen die Kalkreuther und Bieberacher, die sie ebenfalls nutzen, nun selbst machen.  

So wird schon eine Weile aus dem Bauwerk, um das sich lange keiner kümmerte, ein schmuckes Fleckchen. Die Kalkreuther unter Leitung von Ortsvorsteher Harald Behrisch und "Brückenchef" Klaus Micklich haben die alten Eisenträger von dickem Dreck und Unkraut freigelegt. Nun kann man sehen, dass die Träger mal genietet wurden - wie das Blaue Wunder in Dresden oder das alte Schiffshebewerk in Niederfinow. Im Jahr 1896 soll der Überweg gebaut worden sein, haben die Heimatfreunde herausgefunden. "Das Militär setzte damals die Brücke für das Kalkreuther Remontedepot, damit dessen Wiesen bewirtschaftet werden konnten", heißt es.    

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Dieser Plan an einer Scheune zeigt, wie der Platz an der Brücke mal aussehen soll: mit Wetterschutzhütte, Fahrradständer und neuer Bepflanzung.
Dieser Plan an einer Scheune zeigt, wie der Platz an der Brücke mal aussehen soll: mit Wetterschutzhütte, Fahrradständer und neuer Bepflanzung. © privat

Über Jahrzehnte galt die Röderquerung als Wirtschafts-, Rad- und Wanderweg, der die Menschen verbindet. Dann kamen Zeiten mangelnder Wartung, die LTV hatte keine Verwendung mehr für die Schafbrücke. Doch die Anwohner trauten sich den Wiederaufbau zu. Nun sind auch schon die Brückenköpfe mit Steinen neu gemauert. Auf beiden Seiten wurden mit kleinen dunkleren Steinchen die Jahreszahl 2020 gebildet. "Da ist extra jemand 100 Kilometer gefahren, um diese Steine zu bekommen", erklärt Harald Behrisch stolz. Man staute kurzfristig das Röderwasser zurück, um am Fuß der Widerlager neue Borde zur Stabilisierung zu setzen. 

Die alten Bohlen wurden abgetragen,  für neue Holzbohlen ging der Auftrag jetzt an Tischler Roland Drobisch in Ebersbach. Eine Spendenaktion, dass Firmen und Privatleute ihre eigene Bohle symbolisch kaufen können, schlug ein wie eine Bombe. So mangelt es den Brückenbauern dank üppiger Spenden nicht an Geld. Der Dresdner Heidebogen gab aus dem Regionalbudget noch 10.000 Euro Förderung obendrauf. Die fleißigen Helfer - die örtlichen Rentner - konnten auch eine kleine Ruhe-Insel mit Fundament für eine Wetterschutzhütte betonieren. Für die Bäume, die zwangsläufig gefällt werden mussten, haben die Sport-Frauen Ersatz gepflanzt.   

Daniel Kühne arbeitet unter der Brücke an den neu gesetzen Borden.
Daniel Kühne arbeitet unter der Brücke an den neu gesetzen Borden. © Anne Hübschmann

Sogar sonnabends wird an der Schafbrücke gearbeitet. Gerade sind alle dabei, einen Zaun zu den angrenzenden Wiesen des Schäfers zu setzen. Der hat das Überfahrtsrecht für Fahrräder und Fußgänger eingeräumt. Am ersten Montag im August sollen die 130 Jahre alten Eisenträger einen neuen Anstrich erhalten. Die Kalkreuther und Bieberacher scheinen es sich zur Pflicht gemacht zu haben, beim Projekt mitzuhelfen. Denn alle haben ein stolzes Ziel: am 3. Oktober soll die Brücke mit einem Fest eingeweiht werden. 

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Dass es dem Heimatverein als Träger der Aktion gelang, alle mitzuziehen, ist nicht unbedingt selbstverständlich. Doch Ortsvorsteher Behrisch redete mit vielen Leuten und trat selbst in den Heimatverein ein. Verantwortlichkeiten wurden klar geregelt, und auch die Jugend wurde von der Euphorie angesteckt. "Ich freue mich, dass die Initiative so viel Engagement hervorgebracht hat", sagt Bürgermeister Falk Hentschel. Was lange währte, wird hier wirklich gut. 

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