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Ein Garten zum Durchatmen

Am Zeisigweg wird ein Duft-Garten bepflanzt. Baurechtlich gibt es aber noch Einschränkungen.

Von Yvonne Popp

Schon beinahe sommerlich brennt die Sonne vom Himmel. Es riecht nach frisch gemähtem Gras und feuchter Erde. Jana Gebhardt hat sich ein schattiges Plätzchen gesucht und beobachtet von da aus die Mitglieder des Vereins Hedwigs Duft-Garten, die gerade das erste Teilstück des gleichnamigen Geländes am Zeisigweg in Hartha bepflanzen. Gerne würde sie selbst mit anpacken, doch seit einem Unfall ist sie vom Hals abwärts gelähmt und sitzt im Rollstuhl. „Körperlich bin ich leider sehr eingeschränkt, aber denken und Ideen entwickeln kann ich sehr gut“, sagt die Mittdreißigerin schmunzelnd und schaut über das 6 300 Quadratmeter große Stück Grünland, auf dem mithilfe von Spenden nach und nach verschiedene Pachtbeete, Senkgärten, ein Rosenpavillon, ein Spielbereich und das wohl längste Hochbeet der Welt entstehen werden. Dieser besondere Garten soll Alt und Jung, Rollstuhlfahrern und Familien, die mit Kinderwagen unterwegs sind, die Vielfalt der heimischen Botanik näherbringen. Pflanzen mit intensiven Düften sollen zum Verweilen und Durchatmen einladen und mit ihren Aromen Erinnerungen wecken und die Vitalität fördern.

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Die Nähe des Duftgartens zum Seniorenwohnpark Aventinum ist nicht zufällig gewählt. Jana Gebhardt hat nach ihrem Unfall selbst für einige Zeit dort gelebt. „Ich bekam mit, dass den Senioren ein Platz fehlte, an dem sie sich körperlich ein wenig betätigen konnten“, erzählt sie. Die meisten von ihnen hatten früher ein eigenes Gärtchen. Zwar konnten sie es mit der Zeit nicht mehr selbst bewirtschaften, vermissten aber dennoch ihre täglichen Aufgaben. Die lebensfrohe Frau im Rollstuhl kam auf die Idee, ein integratives Gartenprojekt zu entwickeln. Darin sollten auch alte Menschen die Möglichkeit bekommen, sich in angepasster Form wieder gärtnerisch betätigen zu können. Außerdem hätten sie so auch die Gelegenheit altes, überliefertes Gärtnerwissen an die nächste Generation weiterzugeben.

Also suchte sich Jana Gebhardt Hilfe und begann einen ersten Grundriss, der Parkanlage zu entwerfen. Nachdem sie von allen Seiten viel Zuspruch bekommen hatte, stellte die engagierte Frau ihr Projekt der Öffentlichkeit vor. Bald wurde der Verein Hedwigs Duft-Garten gegründet. Dem Harthaer Gunther Sterl gefiel die Idee ebenfalls sofort. Er stellte dem neugegründeten Verein das Grundstück am Zeisigweg zur Verfügung. „Leider ist dieses Gelände als Grünland ausgeschrieben“, räumt Jana Gebhardt ein. „Wir dürfen hier keine Hochbauten errichten.“ Das bedeutet, dass weder der Rosenpavillon, noch die angedachte Bühne und ein Häuschen für die Gartengeräte gebaut werden dürfen. Könnte man das Grundstück als Gartenland neu deklarieren, wären diese Bauten kein Problem. Um das zu erreichen, hat Peter-Paul Petzold, Landschaftsarchitekt und Mitglied im Verein, das gemeinnützige Gartenprojekt im Tharandter Stadtrat vorgestellt. Dort nahm man seinen Vortrag interessiert auf, konnte aber noch keine verbindlichen Aussagen zum weiteren Vorgehen machen. „Es spricht erst einmal nichts gegen den Bau der Hochbeete und das Anpflanzen neuer Bäume auf diesem Grundstück“, sagt Bauamtsleiter Andreas Hübner. Über die Errichtung von Gerätehaus, Pavillon und rollstuhlgerechter Bühnenanlage müsse aber im Stadtrat beraten und geprüft werden, in wieweit diese Anlagen mit dem Bebauungsplan des Harthaer Gewerbegebietes harmonieren würden.

Jana Gebhardt bleibt zuversichtlich. Sie ist sich sicher, dass sich eine Lösung findet .