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Löbau

Ein Geheimrezept fürs hohe Alter

Helene Paletschek aus Kottmarsdorf feiert am 7. Mai ihren 100. Geburtstag. Im Ort ist die frühere Kindergartenköchin für etwas ganz bestimmtes bekannt. 

Die Kottmarsdorferin Helene Paletschek wird von Tochter Heide und Schwiegersohn Kraft-Jürgen Marschner aus Reichenbach täglich besucht.
Die Kottmarsdorferin Helene Paletschek wird von Tochter Heide und Schwiegersohn Kraft-Jürgen Marschner aus Reichenbach täglich besucht. © Rafael Sampedro

Helene Paletschek sitzt in ihrem Sessel und lächelt. "Dass ich 100 Jahre werde, kann ich selbst kaum glauben", sagt die Seniorin. Das Alter sieht man der betagten Dame keineswegs an. Und vor allem spielt die Gesundheit zum Großteil gut mit. Dafür ist die Kottmarsdorferin dankbar. 

Sie kann in den eigenen vier Wänden wohnen, hört gerne Radio. Besonders spannend fand sie jüngst eine Sendung über die steigende Lebenserwartung. "Die Mädchen, die heute hier geboren werden, haben große Chancen, 100 Jahre alt zu werden", weiß die Jubilarin nun. 

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Den 1. und 2. Weltkrieg haben Hochbetagte wie Frau Paletschek ebenso überlebt, wie die DDR-Zeit, die deutsche Wiedervereinigung und die neue Zeit nach Wende erlebt. In Sachsen lebten 694 Hundertjährige und Ältere im Jahr 2017 im Freistaat. Die Zahl nannte Caroline Schreck, Präsidentin vom Statistischen Landesamt, bei der Vorstellung des Statistik-Jahrbuches 2018 im Februar.

Nun gehört auch Helene Paletschek dazu. Am 7. Mai 1919 erblickte sie in Kottmarsdorf das Licht der Welt. Heute wird das besondere Jubiläum mit der Verwandtschaft im Müllerstübchen direkt neben der Bockwindmühle gefeiert. Ein Kind und ein Pflegekind hat sie großgezogen, sie ist Oma von drei Enkeln und vier Urenkeln. Vor der Familienfeier kommen die Mädchen und Jungen vom Kindergarten aus dem Ort und gratulieren. Viele Jahre hat Helene Paletschek in der Kindergartenküche gearbeitet und die Kontakte sind nie gänzlich abgerissen. Und auch die Bläser von der Kirchgemeinde bringen einen musikalischen Geburtstagsgruß. 

Ein kleines bisschen ist die Jubilarin aufgeregt. "100 wird man ja nicht alle Tage", sagt sie und lacht. Gibt es ein Geheimrezept für ihr hohes Alter? Helene Paletschek steht langsam vom Sessel auf und zeigt, was sie täglich macht: Drei Kniebeugen und dazu Armgymnastik! Ein bisschen Sport müsse sein, um sich fit zu halten, erklärt sie resolut. Und weil der Apfel zumindest sprichwörtlich berühmt dafür ist, den Arzt zu ersetzen, steht täglich ein solcher Vitaminspender auf dem Speiseplan der Rentnerin. "Einen Apfel esse ich immer zum Abendbrot", sagt sie. Was ebenfalls nicht fehlen darf, ist die Tasse Kaffee am Nachmittag. Die gebe Schwung und gehöre dazu. Den Nachmittagskaffee macht sich das Geburtstagskind immer noch alleine. 

"Im Sommer sitze ich gern auf der Bank draußen und genieße die Sonnenstrahlen", erzählt Frau Paletschek. Die frische Luft sei wichtig für die Gesundheit. Bewegung ebenso. Dafür sorgen Schwiegertochter Jutta, die mit im Haus wohnt und Tochter Heide mit Ehemann Kraft-Jürgen Marschner. Die beiden Reichenbacher kommen täglich nach Kottmarsdorf gefahren, um mit der Mutti ein Stück durch ihren geliebten Heimatort spazieren zu gehen und kleine Erledigungen zu machen. Das Ehepaar führte auf dem Reichenbacher Marktplatz Jahrzehnte lang die Mohren-Drogerie. "Jetzt sind wir schon lange selber Rentner", sagt die 75-jährige Tochter, die sich freut, dass die Mutti für ihr Alter in so guter Verfassung ist. 

Helene Paletschek bewahrt sich trotz vieler schwerer Schicksalsschläge ein sonniges Gemüt. Bereits die Kindheit war von traurigen Ereignissen überschattet. Mit zwölf Jahren wurde Lenchen – wie die Kottmarsdorferin genannt wurde – Waise. Der Vater starb an einem Lungenschuss im 1. Weltkrieg, die Mutter an einer schweren Erkrankung. Die kinderlose Tante und der Onkel nahmen die kleine Helene bei sich auf. Die erste Liebe beendete der 2. Weltkrieg. Ihr Ehemann und Vater der gemeinsamen Tochter Heide starb Krieg. Heide, die 1944 geboren wurde, hat ihren Vater nie kennengelernt. 

Später und nach dem Krieg arbeitete Helene Paletschek in einer Textilfabrik in Ebersbach. Als der Onkel aufgrund einer Erkrankung beide Beine verlor, pflegte ihn die Ziehtochter und arbeitete in Heimarbeit weiter. Ihr zweiter Mann brachte ein Kind mit in die Ehe. Der Ziehsohn starb kurz nach der Wende bei einem Unfall. Auch ihr zweiter Mann lebt schon lange nicht mehr. "Meine schönste Zeit war eigentlich die im Kindergarten gewesen", sagt die Jubilarin rückblickend. Bis zur Rente 1970 kochte sie für täglich etwa 70 kleine und große Leute. Noch heute gebe es Einwohner, die sie auf ihre im ganzen Ort beliebten Soßen und Suppen ansprechen.

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