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Ein geistreiches Abschiedsgeschenk

Erst gab es nur die Idee – heute übergeben die Zwölftklässler eine Bibliothek an das Schiller-Gymnasium.

© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

Old Shurehand lehnt sich im Regal gegen die anderen Karl-May-Bücher. Eine Etage tiefer gibt es noch mehr Abenteuerromane. Dazu kommen Märchenbücher, Romane, Fachliteratur zu den Themen Chemie, Biologie oder Geschichte. So gehört es sich ja auch für eine richtige Bibliothek. Lange mussten die Schüler des Bautzener Schiller-Gymnasium darauf warten. Zum Abschied schenken die Zwölftklässler ihrer Schule heute diesen Raum voller Bücher.

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Lisa Lange hat das Projekt gemeinsam mit sieben anderen Schülerinnen vorangetrieben. „In der sechsten Klasse gab es noch eine Bibliothek hier im Haus, allerdings kümmerte sich niemand darum. Der Großteil der Bücher war Vorwendeliteratur“, sagt die Abiturientin. Bei den Schülern des Gymnasiums stand ein solcher Medienraum jedoch immer ganz oben auf der Wunschliste. Und so entschlossen sich die Großen diese Bitte in die Tat umzusetzen.

Zuerst organisierten sie einen neuen Raum, danach ein bisschen Geld. „Wir haben uns mit dem Projekt bei ,Think Big‘ beworben und 1 000 Euro bekommen“, sagt Lisa Lange. „Think Big“ ist ein Jugendprogramm der Fundación Telefónica und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) gemeinsam mit o2. Seit dem Start im Jahr 2010 beteiligten sich daran rund 40 000 Jugendliche und realisierten fast 2 000 Projekte. Eines davon ist der neue Schiller-Medienraum.

Mit der finanziellen Unterstützung besorgten die Bautzener Gymnasiasten zuerst Farbe für das Bücher-Domizil. Danach schlüpften sie freitags in ihre Arbeitsklamotten und malerten die Bibliothek. Parallel sortierten sie die alten Bücher aus. Kaputte und überholte Schmöker kamen weg, gute, zeitlose Lektüre, wie eben Karl May, landeten in den Regalen. Dazu kauften aktuelle Nachschlagewerke für Abiturwissen. Dazu kamen ein paar Buchsachspenden. „Aber bei den Jugendbüchern klafft noch eine ganz große Lücke. Unsere Nachfolger freuen sich über weitere Buchgeschenke“, sagt Lisa Lange.

Sie und ihre Freundinnen verabschieden sich nun von ihrem Projekt und geben es an die nächste Generation weiter. „Es würde uns freuen, wenn viele diesen Raum hier nutzen“, sagt die 17-Jährige und zeigt auf einen Spruch auf dem selbstgebauten Bibliothekstresen. Dort steht: „Ein Raum ohne Bücher ist wie Körper ohne Seele“.