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Ein goldenes Klavier aus Seifhennersdorf für China

Die Firma Bechstein hat drei Jahre an dem Instrument gebaut. Nun soll das Einzelstück in Peking versteigert werden...

Von Thomas Christmann

Passion, Herz und Musikalität. Das verlangt Karl Schulze nicht nur von seinen Mitarbeitern, danach entsteht auch jedes Instrument. „Über Geschmack lässt sich streiten, über die Ausführung nicht“, sagt der Vorstandsvorsitzende der C. Bechstein Pianofortefabrik AG aus Berlin. Anlässlich des 160. Firmengeburtstages 2013 machte sich die Firma nun selbst ein Geschenk: Die besten Klavierbauer, Maler, Restauratoren und Schnitzer aus Deutschland, Polen und Tschechien haben an einem vergoldeten Flügel gearbeitet. Der entstand über drei Jahre in Seifhennersdorf.

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Der Grund: Hier werden die besten und teuersten Instrumente hergestellt, haben die Mitarbeiter den größten Erfahrungsschatz, sitzt das Kompetenzzentrum – was in Seifhennersdorf konstruiert wird, geht in alle Welt. Es sollte etwas entstehen, das nicht jeden reize, aber deutlich mache, was Handwerk heute noch bedeute, sagt Schulze. Und wenn, dann mit dem Bewusstsein an den Gründer, der es geschafft habe, dieser Marke Weltruhm, Nachhaltigkeit und ein musikalisches Herz zu verleihen.

Insgesamt 2 500 Stunden stecken in dem prunkvollen Instrument. „Das ist Handarbeit im reinsten Sinne“, sagt der Vorsitzende. Eine, an der sich nun auch andere in der Welt erfreuen können. Vor einigen Tagen war das Instrument bei der Internationalen Musikmesse in Frankfurt am Main zu sehen. In Asien ist der Flügel demnächst in verschiedenen Metropolen ausgestellt. Sogar im Konzerthaus des Kaiserpalastes steht er. In Peking soll das Instrument dann versteigert werden. Startgebot: Knapp 1,8 Millionen Euro. Es gebe eine Reihe echter Interessenten, sagt Schulze. So erinnere der Flügel nicht nur an eine glamouröse Firmenepoche inmitten berühmter Herrscher und Künstler, er zeige auch die Kraft, mit der die Marke wieder erstrahle. Bechstein sei heute sehr gut wieder aufgestellt und die Nummer eins in Europa, wenn es um die Herstellung von Instrumenten geht.

Wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren ist, liegt der Umsatz für 2012 bei rund 33 Millionen Euro. Von den 4  500 verkauften Instrumenten sollen immerhin 2  000 aus Seifhennersdorf stammen. Seit vorigem Jahr unterhält das Unternehmen auch ein C. Bechstein Centrum Sachsen in Seifhennersdorf. Das Geschäft ist eines von acht deutschlandweit, in denen Klaviere vorgeführt und verkauft werden. Die sind sonst in Berlin, Hamburg, Hannover, Düsseldorf, Köln, Tübingen und Frankfurt am Main zu finden.

Doch die Wiege des deutschen Klavierbaus liege in Seifhennersdorf. Deshalb sei auch nicht auszuschließen, einmal andere Einzelstücke wie den goldenen Flügel hier zu bauen, sagt er.