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Ein Goldloch im Brunnen

Die SZ-Sommerserie: Auf der Suche nach besonders tiefen Orten im Görlitzer Umland finden sich erstaunliche Geschichten.

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Von Anja Hecking und Constanze Junghanss

Es liegt auf der Hand: Besonders tief hinab geht es auch im Görlitzer Umland in alten Kellern, Brunnen und Steinbrüchen. So liegt zum Beispiel die Sohle des Großen Kalksteinbruchs bei Kunnersdorf 65 Meter tief. In Mittelsohland gab es unweit der ehemaligen Brennerei einen Brunnen, der etwa 14 Meter in die Tiefe reichte – zum Brennen wurde bekanntlich gutes Wasser benötigt, sagt der Sohländer Bürgermeister Wilfried Zinke.. Allerdings ist dieser Brunnen später dann zugeschüttet worden. Alte Brunnen, wie der am Reichenbacher Bahnhof, werden bis heute gern auch als Messstelle für das Grundwasser genutzt. Mit wasserdichtem Bandmaß lässt sich das bewerkstelligen. Der Brunnen unweit vom Bahnhof ist etwa sieben Meter tief. Dass es bei Weitem nicht mehr so viele Brunnen-messstellen gibt, liegt daran, dass noch weiter hinab reichende Wasserspeicher vielfach von ihren Eigentümern für die private Hauswasserversorgung genutzt werden.

Unter dieser schweren Platte auf dem Brunnen am Goldloch in Kunnersdorf befindet sich einige Meter tiefer der Eingang zum ehemaligen Stollen.
Unter dieser schweren Platte auf dem Brunnen am Goldloch in Kunnersdorf befindet sich einige Meter tiefer der Eingang zum ehemaligen Stollen.
Der Straßenname erinnert an den erhofften Fund unter dem Geiersberg.
Der Straßenname erinnert an den erhofften Fund unter dem Geiersberg.

Mit einem Brunnen in Kunnersdorf hat es etwas ganz Besonderes auf sich. Der Brunnen steht auf den beiden Grundstücken der Familien Kern und Kuschereitz am Goldloch. Der Straßenname stammt von einem alten Stollen im Geiersberg. Hier wurde einst Gold vermutet. Das sogenannte Mundloch des Stollens liegt in dem Brunnen. Der wurde später, als der Stollen stillgelegt worden war, gebaut. Vom Eingang aus geht es hier über 36 Meter in den Geiersberg hinein, allerdings nicht in die Tiefe, sondern relativ waagerecht. Das konnten Geologen aus Görlitz so bestätigen, die den Stollen zu Forschungszwecken zuletzt im Jahr 2001 befahren haben. Dafür musste das Wasser aus dem Brunnen gepumpt werden. Das Wasser ist sehr klar, erzählt Sylvia Vieweg, die seit vielen Jahren die Ortsgeschichte für die Kunnersdorfer dokumentiert und bewahrt. Dadurch könne man den Eingang auch sehen. Aber aus Sicherheitsgründen ist der Brunnen abgedeckt. Von der Befahrung existieren Fotos, die Monika Kuschereitz gern auch dem SZ-Fotografen zeigt. Ansonsten, so sagt sie, gebe es von dem Goldloch ja nicht viel zu sehen. Die ehemalige Zeche hatte auch den Namen „Unser lieben Frauen“ – vielleicht, weil sich die Frauen gern mit dem erhofften Gold geschmückt hätten. Und so gibt es auch um die tiefen Stellen viele interessante Geschichten und verblüffende Erkenntnisse. Wer die Höhe seines Wohnortes bestimmen und die tiefsten Orte selbst aufspüren möchte, wird im Internet fündig.

www.mapcoordinates.net