merken
PLUS

Ein Graffito fürs Gesellschaftshaus

Zum ersten Mal drückt der Denkmalschutz im Landkreis ein Auge zu und erlaubt Kunst.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Das Gesellschaftshaus, auch bekannt als ehemaliges Institut für Lehrerbildung, hat keine denkmalgeschützte Fassade. Sonst wäre die Aktion, die bisher einmalig ist im Landkreis, wohl auch nicht möglich. Die Werte des Denkmals liegen eher im Inneren, doch dem äußeren Erscheinungsbild des privaten Gebäudes in der Innenstadt lässt sich wenig abgewinnen. Deshalb hatte Großenhain hier die Idee, zum Tag der Sachsen Stadtgeschichte bildlich darzustellen: und zwar als ein von Jugendlichen gemachtes Graffito. Eine vorübergehende Werbeanlage nennt das der Denkmalschutz. Auf grauer Fassade könnten hochwertige Stadtansichten dargestellt werden.

Klinik Bavaria Kreischa
PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN
PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

Das Gesellschaftshaus heute (großes Foto) und wie es nach dem Graffitiprojekt der Jugendlichen in den Sommerferien aussehen könnte. Interessierte Teilnehmer ab 12 Jahre können sich schon anmelden. Foto: Brühl/Visualisierung: Bieler
Das Gesellschaftshaus heute (großes Foto) und wie es nach dem Graffitiprojekt der Jugendlichen in den Sommerferien aussehen könnte. Interessierte Teilnehmer ab 12 Jahre können sich schon anmelden. Foto: Brühl/Visualisierung: Bieler

„Wir wollen keine wilden Sachen in der Innenstadt“, beruhigt auch Raimo Siegert, der als mobiler Jugendarbeiter schon einige Großenhainer Graffiti-Projekte begleitete. Allerdings ist der Entwurf von Sebastian Bieler (kleines Foto), der als künstlerischer Leiter agiert, nur ein Beispiel. „Die Jugendlichen sollen selbst gestalten, was sie an ihrer Stadt für wichtig erachten“, sagt er. Im Rahmen des genehmigten Konzeptes werden die Teilnehmer eine Mischung aus historischen und lebensbezogenen Motiven sprühen - mit größtmöglicher Freiheit.

Konkret heißt das, dass es Tafeln zur Fensterverkleidung geben soll – wie schon vorhanden – auf denen historische und heutige Großenhainer Plätze abgebildet sein werden. Auch die Ornamente, die als Schmuckleisten geplant sind, müssen nicht nur Blumen oder Löwen enthalten. „Die Teilnehmer sollen moderne Einflüsse aus ihrem Leben einbringen, zum Beispiel kleine Spielfiguren oder ein BMX-Rad“, wünscht sich der künstlerische Leiter.

Dass hier Jugendliche an einem traditionsreichen Gebäude arbeiten sollen, hat die Denkmalbehörde „schwer beeindruckt“, so deren Chef Dr. Andreas Christl. Dass sich die Genehmigung dennoch sehr lange hinzog, beruhte auf anderen Bedenken. „In Meißen hatten wir ein ähnliches Projekt, bei dem dann wilde Sprayer erst recht angezogen wurden“, argumentiert Christl. Doch letztlich wurden diese Bedenken für Großenhain zerstreut. Schließlich haben die beiden Graffiti-Tunnel bewiesen, dass es auch anders gehen kann. Dort und an weiteren künstlerischen Innenstadt-Graffiti gab es kaum Beeinträchtigungen.

Für das Sommerprojekt, das Jugendliche ab 12 Jahre einbinden will, sprach auch die Kopplung von Arbeiten und Bildung. „Die Teilnehmer werden drei Tage die Woche malen und zwei Tage mit Geocaching die Stadt erkunden“, erklärt Mitorganisator Raimo Siegert den Bildungsanteil. In vier Ferienwochen sollen damit etwa 50 Jugendliche zu einer sinn- und wertvollen Freizeitbeschäftigung angeregt werden. Die Stadt sieht damit ihr Ziel erreicht, eine schmucklose Ruine in der Innenstadt den Tag der Sachsen-Besuchern in origineller „Verhüllung“ präsentieren zu können. Zwar ist die Gestaltung laut Baugenehmigung nur auf zwei Jahre begrenzt mit der Option der Verlängerung. Sollte der Eigentümer, Torsten Kettel aus Riesa, das Objekt aber in den zwei Jahren sanieren, wäre das wieder eine neue Gegebenheit. Schon ab kommender Woche soll die Fassade gereinigt und grundbehandelt werden. Die Maler streichen die Fassade danach aber nur einfach, ohne den Putz auszubessern.

Anmeldung ab sofort bei R. Siegert, 01722348076,

Gearbeitet wird vom 21. Juli bis 15. August 9 bis 16 Uhr